Heute ist der 3.06.2026 und die Stimmung in der mallorquinischen Hotelbranche ist angespannt. Es ist ein bisschen so, als würde man auf einen Orkan warten, während man an einem sonnigen Strand sitzt. Man schaut nervös nach Havanna, über 7000 Kilometer entfernt, wo die US-Sanktionen gegen den kubanischen Militärkonzern GAESA die Wellen schlagen. Die Auswirkungen dieser Sanktionen sind nicht nur auf Kuba spürbar, sondern haben auch das Potenzial, die jahrzehntelange Präsenz mallorquinischer Hotelkonzerne in der Karibik zu gefährden.
GAESA kontrolliert eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen in Kuba – Hotels, Banken, Supermärkte und Häfen. Schätzungen zufolge stehen 40 bis 70 Prozent der kubanischen Wirtschaftsleistung unter dem Einfluss dieses Militärkonzerns. Die US-Regierung hat die Vorwürfe erhoben, GAESA konzentriere wirtschaftliche Macht und Deviseneinnahmen in seinen Händen. Während die kubanische Regierung diese Vorwürfe vehement zurückweist und von einem Versuch spricht, die Insel wirtschaftlich zu isolieren, müssen ausländische Unternehmen bis zum 5. Juni ihre Geschäftsbeziehungen zu GAESA beenden, um nicht selbst ins Visier von Sekundärsanktionen zu geraten. Ein Zwang, der die Planungen und Strategien vieler Unternehmen auf den Kopf stellt.
Die Reaktionen der Hotelkonzerne
Die ersten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Iberostar hat die Verwaltung und Vermarktung von zwölf Hotels eingestellt, die mit Gaviota, einer Tochtergesellschaft von GAESA, verbunden sind. Auch Meliá Hotels International, der größte ausländische Hotelbetreiber in Kuba, hat die Reißleine gezogen und die Management- und Vermarktungsdienstleistungen für 15 Hotels eingestellt. Darunter befinden sich auch bekannte Namen wie Meliá Cayo Santa María und Meliá Las Dunas. Meliá selbst versucht, die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen zu relativieren, zumal viele Hotels bereits aufgrund von Energiekrisen und schwacher Nachfrage nur eingeschränkt betrieben werden können.
Die Sanktionen treffen Kuba in einer besonders ungünstigen Phase. Die Tourismusindustrie hat sich noch nicht von den Folgen der Corona-Pandemie erholt, und die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zu alten Zeiten schwindet. Die kubanische Regierung plant dennoch weiterhin Investitionen in hochwertige Hotelanlagen. Ein mutiger Schritt, der die Entschlossenheit zeigt, trotz der Herausforderungen nicht aufzugeben.
Ein Blick in die Geschichte der Sanktionen
Um die aktuelle Situation zu verstehen, ist es wichtig, einen Blick in die Geschichte der US-Sanktionen gegen Kuba zu werfen, die seit den 1960er-Jahren bestehen. Diese Sanktionen wurden 1960 nach der kubanischen Revolution von 1959 verhängt und im Laufe der Jahrzehnte mehrmals verschärft und gelockert. Insbesondere unter der Regierung von Donald Trump erreichten die Sanktionen eine neue Härte. Am 29. Januar 2021 stufte Trump die kubanische Regierung als „außergewöhnliche Bedrohung“ ein und rief einen nationalen Notstand aus, was zu Zöllen auf Einfuhren von Staaten führte, die Öl nach Kuba liefern.
Die wirtschaftliche Isolation Kubas hat massive Auswirkungen auf die Energieversorgung und den Zugang zu lebenswichtigen Gütern. Stromausfälle und Versorgungsengpässe sind an der Tagesordnung. Es wird geschätzt, dass zwischen 2020 und 2024 fast 1,4 Millionen Kubaner die Insel verlassen haben, viele von ihnen strebten die USA an. Die internationale Gemeinschaft hat die US-Sanktionen immer wieder kritisiert; die UN-Generalversammlung spricht sich seit 1992 regelmäßig für deren Abschaffung aus. Deutschland unterstützt diese Resolutionen und lehnt extraterritoriale Sanktionen ab.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Ein Dialog zwischen den USA und Kuba könnte möglicherweise in Aussicht stehen, doch bis dahin stehen die mallorquinischen Hotelkonzerne vor einer ungewissen Zukunft. Die Verbindung zwischen diesen beiden weit auseinanderliegenden Orten könnte sich als schicksalhaft erweisen, während die Wellen der Unsicherheit über die Karibik rollen.