Südtirols Hotelbranche am Scheideweg: Chancen und Herausforderungen im Schatten der Bettenobergrenze
Heute ist der 6.10.2026 und die Hotelbranche in Südtirol steht vor einigen spannenden, aber auch herausfordernden Zeiten. Die Einführung einer Bettenobergrenze für alle Beherbergungsformen hat die Diskussion um den Tourismus in der Region neu entfacht. Klaus Berger, der Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbands (HGV), hat sich klar gegen den Begriff „Bettenstopp“ ausgesprochen, denn er hält ihn für irreführend. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Es bleibt also abzuwarten, ob diese Strategie tatsächlich den gewünschten Effekt hat.
Der HGV, der stolz rund 4.500 Mitglieder vertritt, setzt sich unermüdlich für wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Entwicklung des Gastgewerbes ein. In einer Zeit, in der die Margen immer weiter sinken und der Fachkräftemangel spürbar ist, ist das wichtiger denn je. Die Mitglieder werden in allen möglichen Belangen beraten – sei es in rechtlichen, wirtschaftlichen oder steuerlichen Fragen, sowie in Themen wie Mitarbeitende, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Fachkräftemangel und wirtschaftliche Herausforderungen
Besonders der Fachkräftemangel zeigt sich aktuell als eine große Herausforderung. Die Situation ist prekär, das ist unbestritten. Aushänge in Hotels, Restaurants und Cafés zeugen von einem dringenden Personalbedarf. Laut einer Studie des IW Köln hat sich die Fachkräftelücke im Gastgewerbe im Juni 2024 im Vergleich zum Vorjahr zwar fast halbiert, doch es fehlen immer noch gut 8.800 Fachkräfte. Besonders ausgebildete Köche und Köchinnen sind rar – über 3.400 offene Stellen sprechen eine deutliche Sprache.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Branche sind nicht zu übersehen. Im ersten Halbjahr 2024 verzeichneten Hotels, Restaurants und Cafés trotz gestiegener Preise einen Umsatzrückgang von knapp 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das hat auch Auswirkungen auf die Servicequalität. Immer häufiger müssen Betriebe ihre Leistungsangebote und Öffnungszeiten anpassen. Manchmal hat man das Gefühl, man kommt in ein Restaurant und findet weniger Weinempfehlungen oder eine eingeschränkte Speisekarte vor. Das ist nicht gerade das, was man sich erhofft, wenn man sich auf einen schönen Abend freut.
Familiengeführte Hotels und die Zukunft des Tourismus
Familiengeführte Hotels bleiben das Rückgrat des Südtiroler Tourismus, auch wenn die Herausforderungen bei der Betriebsnachfolge nicht zu unterschätzen sind. Der HGV unterstützt aktiv die nächste Generation von Hoteliers und zeigt damit, dass er die Perspektiven für Betriebsnachfolger im Tourismus ernst nimmt. Die Vision für 2035 ist ein gut gesteuerter Tourismus, der Qualität über Mengenwachstum stellt. Das klingt ja ganz vielversprechend – eine gleichmäßigere Verteilung der Gäste über das Land könnte vielleicht auch die stark belasteten Hotspots entlasten.
Allerdings ist die Anwerbung von Mitarbeitenden entscheidend, um diese Vision Realität werden zu lassen. Bezahlbarer Wohnraum und Mitarbeiterunterkünfte sind hier die Schlüssel. Und der HGV hat die Arbeitgebermarke JOIN hospitality ins Leben gerufen, um Berufe im Tourismus attraktiver zu machen. Dies könnte der richtige Weg sein, um junge Menschen für diesen Berufszweig zu gewinnen. Die Branche plant auch, vermehrt auf ausländische Fachkräfte und Geflüchtete zu setzen, um die Lücken im Personal zu schließen.
Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, dass die Branche in einer kritischen Lage befindet. Im Jahr 2022 stieg die Zahl der Beschäftigten um 224.000, allerdings waren zwei Drittel davon Minijobber. Ein ernstes Thema, denn fast 29 Prozent der Gastronomieunternehmen machen sich Sorgen um ihre Liquidität. Die Zahl der Insolvenzen ist im vergangenen Jahr um 27 Prozent gestiegen – fast 14.000 Unternehmen haben aufgegeben. In Anbetracht dieser Herausforderungen könnte man fast sagen, dass die Branche einen Wendepunkt erreicht hat.
Während die Fußball-EM nicht den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung brachte, muss man sich fragen, wie lange die Betriebe noch unter diesen Bedingungen wirtschaften können. Die steigenden Kosten für Personal und Lebensmittel sowie die Bürokratie sind wie ein schwerer Stein im Rucksack, den niemand tragen möchte. Aber wie sagt man so schön? Aufgeben ist keine Option!
