Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Gastronomie und Hotellerie stehen derzeit unter einem ungünstigen Stern. Alois Rainer und Georg Imlauer, die Obleute des Fachverbandes, haben sich deutlich zu den Vorwürfen der Gewerkschaft vida geäußert, die das Verhandlungsklima mit populistischen Angriffen zu belasten droht. Wie es scheint, hat die Arbeitgeberseite den ersten Verhandlungstermin abgesagt, weil es an einer Vertrauensbasis mangelte. Verständlich, denn wie sollte man verhandeln, wenn man sich nicht auf Augenhöhe begegnet?

Ein wenig wie im Schachspiel – jede Bewegung wird genau überlegt. Rainer und Imlauer zeigen kein Verständnis für den Umgang der Gewerkschaft mit der Branche. Und die Situation ist alles andere als einfach. Analysen von WIFO, IHS, Statistik Austria und der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank zeigen, dass die steigenden Nächtigungszahlen und Umsätze nicht unbedingt auf ein florierendes wirtschaftliches Wachstum hindeuten. Denn die realen Umsätze geraten unter Druck, vor allem durch die gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und Mitarbeiter.

Die Realität der Branche

Ein weiterer Punkt, der zur Verwirrung beiträgt, ist die anhaltend niedrige Gästefrequenz, die noch unter dem Vor-Pandemie-Niveau liegt. Das macht die Sache für die Akteure in der Branche nicht einfacher. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind angespannt, und das Konsumverhalten der Gäste ist zurückhaltend. Rainer und Imlauer widersprechen der Darstellung der Gewerkschaft, dass es einen „Tourismusboom ohne Beschäftigte“ gebe. Auch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Im März 2026 gab es einen Anstieg auf 230.899 Beschäftigte im Tourismus – ein Plus von 5 % im Vergleich zu März 2025 und 4,9 % im Vergleich zu März 2019.

Diese Fakten scheinen jedoch der Gewerkschaft vida nicht zu passen, da sie laut Rainer und Imlauer die relevanten Zahlen und Fakten in den Kollektivvertragsgesprächen ignoriert. Die Verhandlungsführer betonen ihren Einsatz für einen sozial und wirtschaftlich tragfähigen Abschluss. Ein faires Angebot mit einer durchschnittlichen Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter um 3 % wurde vorgelegt. Es scheint, als wäre ein Kompromiss in Reichweite, wenn die Gewerkschaft bereit ist, einen Schritt auf die Arbeitgeberseite zuzugehen.

Vergleich mit anderen Branchen

Wie sieht es eigentlich in anderen Sektoren aus? Nun, die Kollektivverhandlungen sind in vollem Gange. Im Finanzsektor steigen die kollektivvertraglichen Mindestgehälter um 3 % plus 5 Euro für 68.000 Beschäftigte. Auch in der Bauindustrie können sich die Mitarbeiter über Erhöhungen zwischen 3 % und 3,6 % freuen. Die Liste der Lohnerhöhungen in verschiedenen Branchen ist lang: von den Löhnen in der Seilbahnwirtschaft, die um 3,57 % steigen, bis hin zu den Gehältern für Buslenker:innen, die um 3,3 % angehoben werden.

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Das zeigt, dass viele Sektoren bereit sind, ihren Beschäftigten eine faire Entlohnung zu bieten, während die Gastronomie und Hotellerie sich um eine Einigung bemühen. Der Druck steigt, und die Augen sind auf die Verhandlungsführer gerichtet. Was wird das Ergebnis dieser Verhandlungen sein?

Die nächsten Wochen könnten entscheidend für die Branche werden. Es bleibt abzuwarten, ob Rainer und Imlauer ihren Wunsch nach einem fairen Abschluss durchsetzen können und ob die Gewerkschaft vida bereit ist, die Diskussion auf eine konstruktive Ebene zu heben.