Wiener Hotellerie im Preisdruck: Ortstaxe und sinkende Erlöse bedrohen die Zukunft
Heute ist der 25.10.2026 und die Stimmung in der Wiener Hotellerie ist alles andere als rosig. Die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt werfen einen Schatten auf die einst blühende Gastfreundschaft der Stadt. Alexander Ipp von der Österreichischen Hotelvereinigung und Felix Neutatz von der Wirtschaftskammer Wien sprechen von sinkenden Zimmerpreisen. Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für Hoteliers, sondern auch für das gesamte Stadtbild. Trotz gestiegener Kosten ist es den Hotels in Wien nicht gelungen, die Preise anzuheben. Der Markt lässt das einfach nicht zu.
Es ist ein bisschen wie ein Teufelskreis. Seit der Erhöhung der Ortstaxe vor einem Jahr hat sich die Marktlage dramatisch verändert. Im September sank der Erlös pro verfügbarem Zimmer in Wien um 2,7 Prozent. Das klingt dramatisch? Ist es auch! Im August waren es bereits 2,8 Prozent, und im Juli sogar 3,3 Prozent. Im Gegensatz dazu stieg der Erlös in anderen österreichischen Städten um 4 Prozent. Die Differenz liegt bei etwa sieben Prozentpunkten – das ist in der Branche nicht zu übersehen.
Herausforderungen für die Wiener Hotellerie
Wer hätte gedacht, dass selbst die prächtigen Luxushotels in Wien nicht vor diesem Preisdruck gefeit sind? Im Juli lag der durchschnittliche Zimmerpreis um 16 Euro und im August sogar um 25 Euro unter dem Durchschnitt der anderen Städte. Und das, trotz des hohen Anteils an Luxushotels! Zusätzlich haben die Wiener Hotels mit einem Wohnbaubeitrag, einer U-Bahn-Steuer und den höheren Ortstaxen zu kämpfen – da bleibt nicht viel Spielraum für die eigene Marge.
Die Prognosen? Die Nachfrage soll bis zum Jahresende steigen, aber das ist eher ein Lichtblick am Horizont. Im Januar und Februar wird wieder der Rückgang erwartet, und die Branche sieht keinen Ausweg aus dieser Misere. Die ÖHV warnt, dass selbst bis zur geplanten Anhebung der Ortstaxe auf 8 Prozent im Juli die Preise nicht ausreichend steigen können, um die zusätzliche Belastung auszugleichen. Da bleibt die Frage: Was passiert, wenn die nächste Erhöhung der Ortstaxe tatsächlich kommt?
Widerstand gegen die nächste Erhöhung
Die Wiener Hotellerie hat klare Ansagen gemacht und lehnt die für Juli 2027 geplante Erhöhung der Ortstaxe von 5 auf 8 Prozent ab. Die Ortstaxe wurde erst Anfang Juli 2026 von 3,2 auf 5 Prozent angehoben – ein zusätzlicher Pauschalabzug von der Berechnungsbasis fiel ebenfalls weg. Das ist ein schwerer Schlag für die Branche, die ohnehin schon unter Druck steht. Laut STR-Hotelbenchmark haben sich die Kennzahlen für 183 Wiener Hotels im August 2026 im Vergleich zum Vorjahr negativ entwickelt. Die durchschnittliche Auslastung fiel auf 74,1 Prozent, der durchschnittliche Zimmerpreis lag bei 114,1 Euro und der Erlös pro verfügbarem Zimmer sank um 2,8 Prozent auf 84,6 Euro. Es ist, als ob die Stadt im Nebel gefangen ist, während andere Städte im Licht erstrahlen.
Felix Neutatz erwähnt, dass selbst Rekordnächtigungen die sinkenden Erlöse nicht wettmachen können. Alexander Ipp weist auf die sinkenden Einnahmen und gleichzeitig steigenden Kosten hin. Ein Teufelskreis, der immer enger wird. Das Argument, dass die Ortstaxe letztlich vom Gast bezahlt wird, zieht hier nicht. Bei höheren Preisen könnte Wien schnell als zu teuer empfunden werden, und wenn die Kosten nicht weitergegeben werden, bleibt den Hotels nichts anderes übrig, als in der Marge zu verlieren.
Forderungen nach Lösungen
Zusätzlich zur Aussetzung der Erhöhung fordern die Wirtschaftskammer Wien und die ÖHV eine stärkere Zweckwidmung der Ortstaxeneinnahmen für den Tourismus. Unterstützung für die Klima-Anpassung von Hotels und Gastronomiebetrieben steht ebenfalls auf der Liste der Wünsche. Und nicht zu vergessen: die Möglichkeit, die Ortstaxe separat auf der Rechnung auszuweisen. Diese Anliegen sind nicht nur Positionen auf einem Papier – sie sind entscheidend für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Wiens. Schließlich möchte man ja, dass die Stadt weiterhin als attraktives Reiseziel gilt und dass Arbeitsplätze in der Hotellerie erhalten bleiben.
Die aktuellen Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Die Wiener Hotellerie steht an einem Scheideweg. Das Gespräch mit Vizebürgermeisterin Barbara Novak könnte entscheidend sein. Die Zeit drängt und die Luft wird dünner. Es bleibt abzuwarten, welche Lösungen gefunden werden, um die Zukunft der Wiener Hotellerie zu sichern. Die Branche ist gefordert – und das nicht nur in Wien.
