Heute ist der 2.11.2026 und es gibt Neuigkeiten, die in der Hotellerie für ordentlich Aufsehen sorgen. Mehr als 18.000 Hotels haben sich mittlerweile einer europäischen Sammelklage gegen Booking Holdings angeschlossen. Ein gewaltiger Schritt, der zeigt, dass die Geduld vieler Hoteliers am Ende ist. Die Stiftung Hotel Claims Alliance (SHCA) hat am 30. Oktober 2026 die dritte und letzte Gruppe von Teilnehmern beim Bezirksgericht Amsterdam eingereicht. Innerhalb von nur drei Monaten haben sich die Anmeldungen um satte 68 Prozent erhöht. Das geht aus einer Pressemitteilung der SHCA hervor. Und das ist noch nicht alles. Die Klage, die vom Hotelverband Deutschland (IHA) unterstützt wird, richtet sich gegen die Muttergesellschaft von Booking.com und fordert Schadenersatz für finanzielle Einbußen aus dem Zeitraum von 2004 bis 2024.

Die Klage hat ihren Ursprung in wettbewerbswidrigen Preisparitätsklauseln, die es den Hotels untersagten, ihre Zimmer auf eigenen Websites oder anderen Kanälen günstiger anzubieten als auf Booking.com. Diese Regelungen wurden vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Herbst 2024 als kartellrechtswidrig eingestuft. Booking.com rechtfertigte die Klauseln mit dem Argument, dass sie Trittbrettbuchungen verhindern wollten. Aber die Realität sieht anders aus: Die Hotels zahlen für erfolgreiche Vermittlungen Provisionen, die indirekt über die Zimmerpreise von den Gästen getragen werden. Und das hat nicht unwesentliche Auswirkungen auf die Bilanz von Booking Holdings, die laut Schätzungen der SHCA mehrere Milliarden Euro beträgt – plus Zinsen. Die erste Anhörung vor dem Gericht wird für 2027 erwartet. Das ist also erst der Anfang!

Ein Vertrauensverlust in die Plattform

Volker Soyez, der Klageleiter, hat deutlich gemacht, dass die hohe Zahl der Anmeldungen einen Vertrauensverlust der europäischen Hotelpartner gegenüber Booking Holdings widerspiegelt. Und das ist nicht ohne Grund. HOTREC-Präsident Alexandros Vassilikos hat sogar gesagt, dass Tausende europäische Hotels sich zusammengeschlossen haben, um für die Schäden durch wettbewerbswidrige Praktiken von Booking.com Entschädigung zu fordern. Fairer Wettbewerb und die Freiheit, Preise selbst zu gestalten, sind für die Zukunft der Branche entscheidend.

Die Zahlen sprechen für sich. Im Januar 2026 waren erst 3.087 Hotels beteiligt, im Juli 2026 waren es bereits 10.783 und nun, Ende Oktober 2026, sind es 18.135. Die Klage könnte als eine der größten europäischen wettbewerbsrechtlichen Schadenersatzklagen gegen ein einzelnes Unternehmen in die Geschichte eingehen. Trotz der Kritik bleibt Booking.com für viele Hotels wichtig, da die Plattform eine riesige Anzahl potenzieller Gäste erreicht. Im Jahr 2023 hatte Booking Holdings einen Marktanteil von 71 Prozent in Europa und 72,3 Prozent in Deutschland. Ein ziemlich beeindruckender Anteil, der zeigt, wie tief Booking in der Branche verwurzelt ist.

Ein Blick auf die Branche

Der Online-Reisemarkt, der sich auf etwa 670,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 beläuft und bis 2025 auf 750,2 Milliarden US-Dollar anwachsen soll, ist ein heißes Pflaster. Die Wachstumsprognosen sind optimistisch: Bis zum Jahr 2035 wird mit einer Marktgröße von 1,69 Billionen US-Dollar gerechnet, was einer jährlichen Wachstumsrate von 8,4 Prozent entspricht. Mobile Internetnutzung und digitale Zahlungssysteme sind die treibenden Kräfte hinter diesem Wachstum. Die Nutzung digitaler Zahlungen hat sich in den letzten Jahren stark erhöht und wirkt sich positiv auf die Buchungsgewohnheiten der Reisenden aus.

Mit der Einführung des Digital Markets Act hat Booking.com die umstrittenen Preisvorgaben im Europäischen Wirtschaftsraum 2024 abgeschafft. Dies könnte einige Hotels ermutigen, wieder mehr auf Direktbuchungen zu setzen. Zwischen 2013 und 2023 sank der Anteil der Direktbuchungen in Deutschland um über acht Prozent. Die Hotels sehen darin eine Chance, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Schließlich ist es für sie wichtig, dass sie ihre Preise selbst gestalten können, ohne durch Plattformen wie Booking.com eingeschränkt zu werden.

Wir stehen also an einem Wendepunkt in der Hotellerie, und die kommenden Monate könnten entscheidend sein. Die Klage wird nicht nur die Beziehung zwischen Hotels und Online-Reisebüros verändern, sondern auch den gesamten Markt beeinflussen. Wenn die Hotels tatsächlich Entschädigungen erhalten, könnte dies zu einem Umdenken in der Branche führen – und das könnte sich langfristig auch positiv auf die Gäste auswirken. Man darf gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln!