Gesundheitskrise im Gastgewerbe: Ein Weckruf für die Hotellerie
Heute ist der 7.08.2026 und wir werfen einen Blick auf die aktuelle Situation im Hotel- und Gastgewerbe, das sich weiterhin in einem schwierigen Dilemma befindet. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im Jahr 2025 waren im Schnitt zwischen fünf und sechs von 100 Beschäftigten krankgeschrieben. Ein Wert, der, wie die Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg zeigt, mit 5,9 Prozent auf einem hohen Niveau bleibt. Besonders auffällig ist der Anstieg des Krankenstands um satte 26 Prozent im Vergleich zu 2015, als er lediglich 4,6 Prozent betrug. Die Tendenz ist alarmierend und wirft ein Licht auf die Herausforderungen, die dieser Sektor bewältigen muss.
Die Schwierigkeiten im Gastgewerbe sind vielfältig. Während die Preise sich weiter nach oben bewegen, achten die Gäste verstärkt auf ihre Ausgaben. Diese Situation wird durch einen Mangel an Aushilfen und Fachpersonal noch verschärft. Krankheitsbedingte Ausfälle tun ihr Übriges. In Nordrhein-Westfalen lag der Krankenstand im Jahr 2025 bei etwa 5,7 Prozent, während er deutschlandweit bei 5,2 Prozent zu verzeichnen war. Im Vergleich zum Vorjahr gab es allerdings eine kleine Entspannung, denn der Krankenstand in Rheinland und Nordrhein-Westfalen ist im Vergleich zu 2024 gesunken. Allerdings bleibt der Gesamttrend besorgniserregend.
Psychische Belastungen und körperliche Beschwerden
Die Gründe für die hohen Fehlzeiten sind vielschichtig. Psychische Erkrankungen sind ein bedeutender Faktor, der zunehmend in den Vordergrund rückt. Im Jahr 2025 machten sie 15,9 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage aus und überholten damit sogar die Atemwegserkrankungen. Vor zehn Jahren war dieser Anteil noch bei 4,7 Prozent. Muskel-Skelett-Erkrankungen hingegen verursachten 19,4 Prozent der AU-Tage. Es ist klar: Die körperliche und psychische Belastung der Beschäftigten ist enorm. Schichtarbeit, Zeitdruck und personelle Engpässe tragen dazu bei, dass die Gesundheit der Mitarbeiter oft auf der Strecke bleibt.
Was bedeutet das für die Branche? Michael Wenninghoff, Geschäftsführer des BGF-Instituts, hebt hervor, dass die Mitarbeiter in der Hotellerie eine hohe körperliche Belastbarkeit und emotionale Resilienz benötigen. Doch genau diese Resilienz wird durch die aktuelle Situation auf die Probe gestellt. In einer Zeit, in der die Branche nach der Pandemie wieder Fuß fassen möchte, ist es unerlässlich, Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu ergreifen. Stressmanagement, Ernährung und Rückengesundheit sind Themen, die immer wichtiger werden und die Unternehmen nicht ignorieren können.
Ein Blick in die Zukunft
Die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) könnte dazu beitragen, dass Krankheitsfälle genauer erfasst werden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, um den hohen Krankenstand besser zu verstehen und zu bekämpfen. Dennoch bleibt die Frage, wie lange die Branche mit diesen Herausforderungen umgehen kann. Die Beschäftigten sind im Schnitt jünger als in vielen anderen Branchen, fast 30 Prozent sind unter 30 Jahre alt und das Durchschnittsalter liegt unter 40 Jahren. Diese junge Belegschaft bringt frischen Wind mit sich, doch sie muss auch in einem stabilen und gesunden Umfeld arbeiten können.
Die AOK hat über 20,9 Millionen Mitglieder, und die Zahlen verdeutlichen, dass die Hotellerie nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort ist, an dem die Gesundheit der Beschäftigten im Fokus stehen muss. Die Branche hat viel zu bieten, aber sie steht auch vor gewaltigen Herausforderungen, die nicht ignoriert werden dürfen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, aber eines ist sicher: Die Gesundheit der Mitarbeiter ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft im Hotel- und Gastgewerbe.
