Zwei Geschwindigkeiten im Gastgewerbe: Hoffnung und Realität 2026
Heute ist der 19.08.2026 und die Stimmung im Gastgewerbe ist – gelinde gesagt – angespannt. Vor Kurzem luden die WKÖ-Fachverbände für Hotellerie und Gastronomie zu einem Pressegespräch ein. Georg Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie, und Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, gaben einen Einblick in die Ergebnisse einer Umfrage des Market-Instituts zur aktuellen Lage der Betriebe. Die Umfrage, die zwischen dem 20. Juli und dem 1. August 2026 durchgeführt wurde, umfasste rund 600 Betriebe, aufgeteilt in 300 Gastronomiebetriebe und 300 Hotels.
Die Ergebnisse sind, ehrlich gesagt, nicht gerade ermutigend. Während die Hotellerie einen leichten Umsatzrückgang verzeichnet, sieht es in der Gastronomie deutlich düsterer aus. Auch die Erträge sinken, und Imlauer sowie Rainer betonen die drückende Kostenproblematik, die viele Betriebe zu schaffen macht. Sie fordern dringend eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie der Mehrwertsteuer. Ein kurzer Blick auf die Zahlen zeigt: In Österreich liegt die Übernachtungs-Mehrwertsteuer bei 13 % (in Deutschland bei 7 %), während die Gastronomie mit 10 % belastet wird (in Deutschland ebenfalls bei 7 %).
Herausforderungen und Hoffnungen
Trotz aller Widrigkeiten gibt es die Hoffnung auf ein Übernachtungsplus von 1-2 % in der Sommersaison. Im Mai und Juni 2025 konnte ein Plus von 1,5 % verzeichnet werden, und auch das erste Halbjahr 2026 brachte immerhin ein Wachstum von 1,0 %. Doch die Realität sieht anders aus. Im Juli und August 2026 bleiben die deutschen Gäste kürzer in Österreich, was alarmierend ist, wenn man bedenkt, dass sie 32 % aller Ankünfte und 37 % aller Nächtigungen ausmachen.
Das Gastgewerbe steht jedoch nicht alleine da. Der DEHOGA Bundesverband berichtet von spürbarem Gegenwind für die Branche zu Beginn des Jahres 2026. Real betrachtet gab es im ersten Quartal Umsatzverluste von 5,1 % im Vergleich zum Vorjahresquartal, während die nominalen Umsätze um 2,1 % stiegen. Ein eher frustrierendes Bild, wenn man bedenkt, dass die Branche im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 um 19,7 % hinterherhinkt. Die steigenden Kosten für Energie, Waren und Personal lasten schwer auf der Ertragslage.
Ein Blick auf die Zahlen
<pGanz besonders beunruhigend ist die Kluft zwischen der Übernachtungsnachfrage und den realen Umsätzen im Gastgewerbe. Im ersten Quartal 2026 wurden insgesamt 86,6 Millionen Übernachtungen im Beherbergungsgewerbe gezählt, was einem Plus von 2,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Allerdings liegen die Übernachtungszahlen knapp unter dem Niveau von 2019. In Hamburg beispielsweise betrug die durchschnittliche Zimmerauslastung im ersten Quartal 2026 65,4 %, was über dem Bundeswert von 51,3 % liegt.
Die Herausforderungen für die Branche sind vielfältig. Personalkosten, Bürokratie und steigende Energiekosten belasten die Betriebe enorm. Über 72 % der Betriebe gaben an, seit 2022 nicht investieren zu können, was langfristig die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Die Experten warnen bereits vor einem Anstieg der Insolvenzen, die seit 2020 über 11.200 in der Gastronomie erreicht haben.
Die Situation ist angespannt, und die Betriebe brauchen dringend verlässliche Rahmenbedingungen und politische Entscheidungen, um die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Auch der MICE-Sektor, der als stabilisierender Faktor für die Hotellerie gilt, kann die allgemeine Tendenz nicht umkehren. Es bleibt ein Markt mit zwei Geschwindigkeiten – während die Hotellerie auf Wachstum hofft, kämpft die Gastronomie ums Überleben.
