Lüthi kritisiert L'tur: Fette Ferien missachtet Reisewerte!

André Lüthi kritisiert die L’tur-Werbung und beleuchtet Herausforderungen der Reisebranche, darunter Overtourism und Digitalisierung.
André Lüthi kritisiert die L’tur-Werbung und beleuchtet Herausforderungen der Reisebranche, darunter Overtourism und Digitalisierung. (Symbolbild/UH)

Lüthi kritisiert L'tur: Fette Ferien missachtet Reisewerte!

Luzern, Schweiz - In der Schweiz sorgt eine Werbeaktion für Aufregung, die sich mit dem Thema Reisen beschäftigt. André Lüthi, der CEO von Globetrotter, hat sich kürzlich über ein Plakat von L’tur mit dem Slogan „Schmaler Preis, fette Ferien“ beschwert. Seiner Meinung nach ist diese Darstellung respektlos gegenüber sowohl der lokalen Bevölkerung als auch der gesamten Reisebranche. Lüthi betont auf LinkedIn, dass Reisen eine Lebensschule ist, die zur Völkerverständigung beiträgt. Er kritisiert vehement, dass solche Werbeformate einen ganzen Berufsstand in ein schlechtes Licht rücken und den Reiseländern nicht gerecht werden. Besonders hervorzuheben ist, dass er bereits zuvor die Werbegelder von Schweiz Tourismus hinterfragt hat und auf die Wichtigkeit von zufriedenen Kunden als die beste Werbung hinweist. Auch andere Schweizer Werber haben sich der Kritik angeschlossen. Kaspar Loeb, Senior Consultant bei CRK, betont, dass Provokation in der Werbung zwar berühren, aber nicht verletzen sollte, während Frank Bodin, CEO von bodin.consulting, die Kampagne als unangemessen bezeichnet. Die Werbeagentur L’tur hat bislang nicht auf die Bedenken reagiert.

Die Diskussion über die Werbung fällt in eine Zeit, in der der Tourismussektor vor großen Herausforderungen steht. Die SRV Fachtagung hat thematisch an Relevanz gewonnen. Im neuen Format der SRV-Arena, inspiriert von der SRF-Sendung Arena, hat SRV-Präsident Martin Wittwer das Event nach eher mäßigen Ergebnissen in den früheren Tagungen in Sevilla und Parma neu aufgelegt. Dabei wurden Themen wie die sich verändernde Reiselandschaft und Overtourism ausführlich diskutiert. Unter den Diskutierenden waren prominente Vertreter der Branche, unter anderem Birgit Sleegers von Helbling Reisen und Pierre-Alain Regali, Mitgründer von Ebookers. Regali stellte die Frage nach der Zukunft der Reiseexperten und betonte die Notwendigkeit von Service und Innovation in der Branche. Angesichts von Overtourism äußerten sich auch diverse Experten besorgt über die Auswirkungen auf die Einheimischen. Lüthi plädierte in diesem Kontext für exklusivere und teurere Reisen und stellte die Frage, ob dies für Familien finanziell tragbar sei.

Prognosen für die Reisebranche

In den letzten Jahren hat sich die Stimmung im Tourismus merklich gewandelt. Während 2023 als das Jahr der langsamen Genesung nach der Corona-Krise galt, zeigen die Buchungszahlen für 2024 eine klare Rückkehr zur Normalität. Deutschland verzeichnete einen Anstieg der Urlaubsreisen von 65 Millionen im Vorjahr auf 71 Millionen. Diese positive Entwicklung wird laut Euromonitor International auch global sichtbar: Weltweit wurden 2024 im internationalen Urlaubs- und Geschäftsreiseverkehr geschätzte 4,7 Billionen US-Dollar umgesetzt, mit einer Prognose von etwa 5 Billionen US-Dollar für 2025. Trotz der Herausforderungen wie Inflation bleibt die Reiselust hoch, wobei mehrwöchige Urlaubsreisen bei vielen Haushalten einen hohen Stellenwert haben.

Diese dynamische Marktentwicklung bringt auch Veränderungen mit sich. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind zentrale Themen, die in Zukunft die Branche prägen werden. Aktuell werden bereits 66 % aller Reisebuchungen online getätigt, und es wird ein Anstieg auf über 70 % bis 2027 prognostiziert. Dies stellt traditionelle Geschäftsmodelle von Reisebüros und Veranstaltern vor immense Herausforderungen. Während die Integration von KI in Buchungsprozesse bereits bei einem Drittel der Unternehmen abgeschlossen ist, befinden sich viele noch in der Testphase. Die Reisebranche sieht sich 2025 etwa vor Unwägbarkeiten, die sich aus neuen Technologien und geopolitischen Faktoren ergeben könnten.

Angesichts all dieser Entwicklungen ist klar, dass die Diskussion um die Werbestrategien und den Umgang mit Overtourism und anderen Herausforderungen für die Branche von entscheidender Bedeutung ist. Die Stimmen, die für mehr Qualität in der Reisebranche plädieren, gewinnen an Gewicht, während gleichzeitig neue Lösungen für die anhaltenden Herausforderungen gefunden werden müssen.

Details
OrtLuzern, Schweiz
Quellen