Dertour und Hotelplan: Bedrohung durch Monopol im Schweizer Reisemarkt?

Die Dertour-Übernahme von Hotelplan steht unter der Prüfung der WEKO. Umfragen zeigen gemischte Meinungen zum Markteinfluss.
Die Dertour-Übernahme von Hotelplan steht unter der Prüfung der WEKO. Umfragen zeigen gemischte Meinungen zum Markteinfluss. (Symbolbild/UH)

Dertour und Hotelplan: Bedrohung durch Monopol im Schweizer Reisemarkt?

Schweiz - Ein wichtiger Umbruch steht an in der Schweizer Reisebranche: Die geplante Übernahme der Hotelplan-Gruppe durch Dertour zieht immer weitere Aufmerksamkeit auf sich. Leider verzögert sich die finale Vollzugsmeldung des Übernahmedeals, während die Wettbewerbskommission des Bundes (WEKO) bereits Anhaltspunkte für eine marktbeherrschende Stellung festgestellt hat. Sollte der Deal genehmigt werden, würde Dertour zusammen mit Hotelplan zum größten Reiseveranstalter in der Schweiz aufsteigen, ein ganz schöner Brocken, den sich die Branche da ins Boot holen würde. About Travel berichtet, dass die Meinungen zu dieser Fusion innerhalb der Reisecommunity stark auseinandergehen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 38 Prozent der Befragten ein Risiko eines faktischen Monopols sehen, während 18,5 Prozent befürchten, dass die Marktverhältnisse erheblich verzerrt werden. Demgegenüber glaubt aber auch etwa 17,5 Prozent, dass der Wettbewerb durch alternative Anbieter stark bleibt. Dieses gespaltene Meinungsbild wirft Fragen auf über die künftige Landschaft im Reisemarkt und die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher.

Stimmen aus der Branche

Die Bedenken sind greifbar: Laut der Umfrage wagen 26 Prozent der Teilnehmenden die Übernahme negativ einzuordnen und erwarten steigende Preise. Ein weiteres Drittel stuft die Auswirkungen als eher negativ ein, mit der Sorge um einen eine Art von Produkte-Einheitsbrei. Die Standpunkte dazu sind jedoch unterschiedlich, denn 15 Prozent der Befragten sehen die Fusion positiv, mit der Hoffnung auf mehr Vielfalt und verbesserte Konditionen. Die NZZ verweist darauf, dass die Diskussion auch die Rolle der Reiseagenturen beleuchtet, die trotz vieler Selbstbuchungsoptionen nach wie vor wichtig sind.

Wie sieht es mit den Reiseprofis aus? 33 Prozent befürchten eine stärkere Abhängigkeit von einem dominanten Anbieter im Markt, während 15 Prozent mit schlechteren Einkaufskonditionen und Margen rechnen. Interessanterweise glauben 14 Prozent an mehr Vorteile durch eine vereinfachte Produktelandschaft. Dies lässt darauf schließen, dass die Meinungen über die Fusion nicht nur von den Endkunden geteilt werden. 20 Minuten informiert zudem, dass Dertour bereits bereits mit Marken wie Kuoni und Helvetic Tours im Portfolio aufwartet, was die Übernahme umso gewichtig macht.

Aussichten der Übernahme

Die WEKO führt aktuell ein vertieftes Verfahren zur Analyse der möglichen Marktbeherrschung durch Dertour durch. Dertour plant, nach der Übernahme etwa 150 Reisebüros in der Schweiz zu betreiben — bei einem Mitbewerber wie Tui, der nur rund 50 Filialen unterhält, ist das ein klarer Vorteil. Auch wenn die WEKO den Verkauf eventuell genehmigen könnte, bleibt ungewiss, wie die Reisebüros in Zukunft die Kundenbindung aufrecht erhalten können und ob der Wettbewerb in einem solch stark konzentrierten Markt tatsächlich bestehen bleibt.

Für Hotelplan bleibt unterdessen alles beim Alten – die Gruppe wird bis zur finalen Entscheidung der WEKO eigenständig weitergeführt. Bis dahin bleibt den Akteuren in der Branche nur abzuwarten und sich auf die Änderungen einzustellen, die diese Fusion möglicherweise mit sich bringen wird. Diese Entwicklungen könnten nicht nur für private Reisende von Bedeutung sein, sondern auch für die gesamte Hotelbranche. In der Hoffnung auf ein gutes Händchen zur Stärkung des Wettbewerbs bleibt es spannend.

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