Grenzenloses Chaos: Wie das Entry-Exit-System den Reisestress erhöht
Die Reisewelt steht Kopf, und das nicht nur wegen der schönsten Strände oder der besten Skigebiete. Seit April 2023 ist das Entry-Exit-System (EES) an den Schengen-Außengrenzen in Betrieb, und es hat einiges durcheinandergebracht. Reisende aus Drittstaaten, die in den Schengen-Raum einreisen, müssen sich nun auf eine biometrische Registrierung einstellen. Das bedeutet Fingerabdrücke und ein Gesichtsfoto – ein bisschen wie beim großen Bruder, der immer aufpasst, dass alles nach Regel läuft. Aber hey, Schweizer Reisende und EU-Bürger sind nicht registrierungspflichtig – ein kleiner Lichtblick!
Doch wie sich zeigt, hat diese neue Regelung ihre Schattenseiten. An den Grenzkontrollen der EU kommt es zu Rückstaus und längeren Wartezeiten. Griechenland hat bereits von mehrstündigen Passagierstaus berichtet. Das lässt die Nerven vieler Reisender blank liegen! Flugverspätungen und zurückgelassene Passagiere sind die unangenehmen Folgen. Um dem Chaos ein wenig entgegenzuwirken, hat Swiss die Transferzeit zwischen Flügen von 40 auf 50 Minuten erhöht. Auch die Flughäfen in der Schweiz, wie Zürich und Euroairport, setzen zusätzliches Personal ein, um die Lage im Griff zu behalten. Am Euroairport gab es sogar Wartezeiten von bis zu 90 Minuten, wenn man aus dem Nicht-Schengen-Raum einreiste. Und wenn das noch nicht genug ist, empfehlen mehrere Airlines, zusätzlich Zeit für die Grenzkontrollen einzuplanen.
Was kommt auf uns zu?
Die Situation könnte sich im Herbst noch weiter zuspitzen, denn eine Übergangsregelung, die es den Grenzbehörden erlaubte, die biometrische Registrierung bei hohem Andrang auszusetzen, läuft im September aus. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) setzt sich zwar für eine Verlängerung dieser Regelung ein, doch ob das hilft, bleibt abzuwarten. Die Sorgen sind da, und die Reisenden sind alles andere als entspannt.
Das digitale EES wird von allen EU-Mitgliedstaaten (außer Irland und Zypern) sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz an ihren Außengrenzen eingesetzt. Es registriert digital die Ein- und Ausreisen von Personen, die für einen Kurzaufenthalt von maximal 90 Tagen in den Schengen-Raum reisen. Doch keine Sorge: Die EES-Regelung ändert nichts an den Einreise- und Aufenthaltsvoraussetzungen – nur die Abläufe an den Grenzkontrollstellen werden betroffen sein. Statt blauer Stempel im Pass gibt’s jetzt digitale Einträge. Was für eine Umstellung!
Die Realität an den Flughäfen
Der deutsche Flughafenverband ADV hat auch seine Bedenken geäußert. Lange Wartezeiten bei Grenzkontrollen sind keine Seltenheit mehr. Abfertigungszeiten für Reisende aus Drittstaaten sind seit Einführung des EES gestiegen. Aletta von Massenbach, die Präsidentin des ADV, berichtet von Wartezeiten von bis zu zwei Stunden an einzelnen Flughäfen. Man fragt sich wirklich, ob das alles so sein muss – denn das neue Verfahren über Selbstbedienungskioske dauert länger als das alte.
Das neue System hat seine Berechtigung: Es soll der Terror- und Kriminalitätsabwehr dienen. Aber die Realität sieht oft anders aus. Laut EU-Kommission wurden seit der Einführung Tausende Einreisen verweigert und Hunderte Verdächtige identifiziert. Reisende aus dem Schengenraum sind nicht betroffen, was die Sache etwas einfacher macht. Aber die ADV fordert digitale Lösungen, um die Abfertigung zu beschleunigen. Engpässe entstehen vor allem durch die zeitaufwendige biometrische Erfassung und das Fehlen einer digitalen Vorab-Registrierung der Passagierdaten.
Ein Lichtblick könnte die Smartphone-Anwendung zur Vorbereitung auf die Kontrolle sein, die bereits verfügbar ist. Leider wurde sie bisher nur von Schweden und Portugal übernommen. Wer weiß, vielleicht wird der Rest Europas auch bald nachziehen. Mit ein bisschen Glück wird es also bald einfacher und schneller an den Flughäfen, auch wenn die momentane Lage alles andere als rosig aussieht.
