In der Reisebranche gibt es immer wieder Themen, die die Gemüter erregen – und das nicht ohne Grund. Vor kurzem hat Barbara Wohlfarth, Inhaberin von Reisecocktail und Mitglied des Schweizer Reiseverbands (SRV), einen Antrag zur Generalversammlung eingebracht, der für ordentlich Aufsehen sorgt. Es geht um nichts Geringeres als die Kundengeldabsicherung, ein Thema, das für viele Reisebüros in der Schweiz von enormer Bedeutung ist. Wohlfarth sieht die Notwendigkeit, klare Regeln durchzusetzen, die sicherstellen, dass nur Reisebüros mit gesetzmäßiger Kundengeldabsicherung beliefert werden. Ein Anliegen, das nicht nur auf Zustimmung stößt, sondern auch Fragen aufwirft.

Mit einem Blick auf die Zahlen wird deutlich, dass dieses Thema relevant ist: Rund 40 % der Reisebüros in der Schweiz haben keine Kundengeldabsicherung. Das ist fast die Hälfte des Marktes! Wohlfarth kritisiert, dass viele Veranstalter und B2B-Plattformen immer noch Vertriebspartner unterstützen, die sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten. Während gesetzestreue Reisebüros die Kosten für die Absicherung tragen, sparen sich nicht abgesicherte Marktteilnehmer diese Ausgaben – ein Ungleichgewicht, das nicht länger hinnehmbar ist.

Die Forderungen von Barbara Wohlfarth

Der Antrag von Wohlfarth fordert einen Lieferstopp für alle Partner, die keine Kundengeldabsicherung nachweisen können. Damit soll sichergestellt werden, dass kein Reisebüro mehr von unzulässigen Praktiken profitiert. Der Vorstand des SRV wird aufgefordert, bei Missachtung schriftliche Ermahnungen auszusprechen und gegebenenfalls ein Ausschlussverfahren einzuleiten. Ein regelmäßiger Abgleich mit Verzeichnissen anerkannten Absicherungseinrichtungen wird als ausreichend erachtet, um die Einhaltung der Vorschriften zu garantieren. Es wird deutlich, dass Wohlfarth nicht nur eine kurzfristige Lösung sucht, sondern eine nachhaltige Veränderung im Markt anstrebt.

Die Statuten des SRV bilden die Grundlage für die Geschäftsbeziehungen im Verband, und die Kontrolle der Mitglieder wird als essenziell erachtet, besonders mit neuen Marktteilnehmern, die vielleicht nicht so transparent arbeiten. Sollte der Antrag bei der Generalversammlung 2024 angenommen werden, wird auch eine Kontrolle der Veranstalter gefordert. Ein klares Signal, dass die Einhaltung des Pauschalreisegesetzes und der Kundengeldabsicherung ernst genommen werden muss.

Ein Blick über die Grenzen

Aber nicht nur in der Schweiz wird über Kundengeldabsicherung diskutiert. Auch auf europäischer Ebene gibt es Entwicklungen, die für die gesamte Reisebranche von Bedeutung sind. Am 5.7.2023 legte die EU-Kommission neue Vorschläge zur Payment Services Directive 3 (PSD3) und zur Payment Services Regulation (PSR) vor. Diese beinhalten Neuerungen zur Sicherung von Kundengeldern. Die Vorschläge sind zwar noch nicht endgültig, aber sie zeigen, dass auch auf europäischer Ebene ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Kundengeldabsicherung geschaffen wird.

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Unter anderem regelt Art. 9 der PSD3-E die Anforderungen an die Sicherung von Kundengeldern, die von Zahlungsinstituten entgegengenommen werden. Diese Gelder müssen für den Fall einer Insolvenz abgesichert sein – denn sie fallen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Zahlungsinstitute haben die Möglichkeit, zwischen einer Treuhandlösung und einer Garantielösung zu wählen. In der Praxis ist es oft die Treuhandlösung, die gewählt wird. Allerdings haben viele Zahlungsinstitute Schwierigkeiten, Treuhandkonten zu eröffnen, da die Risiken von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung von den Kreditinstituten als zu hoch eingeschätzt werden.

Der Weg in die Zukunft

Die PSD3 wird nicht nur die Banken betreffen, sondern auch FinTechs und Plattformen, die im Zahlungsverkehr tätig sind. Es ist klar, dass Unternehmen in die IT-Infrastruktur und Sicherheit investieren müssen, um den neuen Vorschriften gerecht zu werden. Verbraucher können sich auf erweiterte Rückerstattungsrechte und transparente Gebührenregelungen freuen. Die Einführung dieser neuen Vorschriften bis spätestens 2026 ist ein Schritt, der die europäische Zahlungslandschaft im digitalen Zeitalter grundlegend ändern könnte.

Das Thema Kundengeldabsicherung ist also nicht nur ein Punkt auf der Agenda des SRV, sondern ein zentrales Anliegen, das die gesamte Branche betrifft. Die Entwicklungen in der Schweiz und in Europa zeigen, dass es höchste Zeit ist, für mehr Sicherheit im Reisegeschäft zu sorgen. Wohlfarths Initiative könnte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, denn letztlich profitieren alle davon, wenn wir gemeinsam für transparente und faire Bedingungen im Reisegeschäft eintreten.