SRV-Generalversammlung in El Gouna: Diskussion um Kundengeldabsicherung und Beitragserhöhungen
Die 99. Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) fand in der malerischen Stadt El Gouna, Ägypten, statt – ein Ort, der sich inzwischen zu einer lebendigen Stadt mit über 20.000 Einwohnern entwickelt hat. Ursprünglich war ja Salalah vorgesehen, aber El Gouna hat sich als hervorragender Gastgeber erwiesen. Orascom und das Egypt National Tourist Office trugen die Verantwortung für die Organisation, und Orascom-Chairman Naguib Sawiris persönlich begrüßte die rund 150 Aktiv- und Passivmitglieder sowie Gäste, die an der Versammlung teilnahmen. Ahmed Youssef, der CEO der Egypt Tourism Authority, war ebenfalls anwesend und steuerte spannende Einblicke bei.
Die Versammlung wurde von der SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa und ihrem Team organisiert. Unter der Leitung von Präsident Martin Wittwer wurden neue Themen und Projekte vorgestellt, die den Verband in eine zukunftsorientierte Richtung steuern sollen. Gastreferenten wie der Journalist Pierre Heumann und EDA-Vizedirektor Laurent Perriard beleuchteten den Nahostkonflikt und gaben wertvolle Reisehinweise, die in der aktuellen geopolitischen Lage besonders wichtig sind. Ein Highlight für viele Anwesende, würde ich sagen!
Ein Antrag sorgt für Diskussion
Ein zentraler Punkt der Versammlung war der Antrag von Barbara Wohlfarth, Inhaberin der Reisecocktail GmbH. Sie hatte im Vorfeld eine ausführliche Diskussion angestoßen, in der sie forderte, dass der SRV Artikel 6.1.3 seiner Statuten konsequent durchsetzt. Dieser Artikel verpflichtet SRV-Aktivmitglieder, die als Reiseveranstalter tätig sind, nur solche Reisebüros zu beliefern, die über eine gesetzmäßige Kundengeldabsicherung verfügen. Wohlfarth sieht hier eine unübersehbare Kluft zwischen der Theorie und der Praxis: Manche Anbieter kooperieren mit Vertriebspartnern, deren Absicherung schlichtweg nicht nachvollziehbar ist.
Insbesondere kritisierte sie die Praxis von getrennten Flugbuchungen und formalen Vertragskonstruktionen, die es ermöglichen, dass nicht abgesicherte Marktteilnehmer auf Kosten der abgesicherten Reisebüros im B2B-Bereich tätig werden können. Ihr Antrag beinhaltete mehrere Maßnahmen, die eine einheitliche Umsetzung von Artikel 6.1.3 forderten. Der Vorstand erhielt deutlich mehr Unterstützung für den Gegenantrag, was Wohlfarth nach der Versammlung enttäuschte. Sie hätte sich eine intensivere Diskussion gewünscht, vor allem, weil ihr Anliegen – die konsequente Umsetzung von Kundengeldabsicherungen – bei unabhängigen Reisebüros teilweise auf offene Ohren stieß.
Beitragserhöhungen und ihre Folgen
Ein weiteres Thema, das nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Erhöhung der Beiträge für Passivmitglieder. Diese Entscheidung fiel überraschend schnell, und da die Passivmitglieder nicht stimmberechtigt waren, wurde die Erhöhung in drei Stufen beschlossen. Einige Mitglieder äußerten sich nicht öffentlich dazu, während Allianz Partners und ERV ihre weitere Mitgliedschaft bestätigten und die Reisebranche weiterhin als einen wichtigen Vertriebskanal bezeichneten. Die Kommunikation über die Beitragserhöhung wurde jedoch kritisiert – hier wäre ein transparenterer Austausch wünschenswert gewesen.
Die neuen Beitragssätze werden für einige Mitglieder eine erhebliche Steigerung bedeuten, mit bis zu sechsmal höheren Kosten. Ein Unternehmen, das mehr als 50 Vollzeitstellen in der Schweiz hat, zahlt zusätzlich CHF 1.000, während Firmen ohne Personal in der Schweiz von dieser Regelung ausgenommen sind. Der SRV hat jedoch auch seine Leistungen für Passivmitglieder ausgebaut, um die neuen Kosten abzufedern.
Wahlen und Abschiede
Bei den Wahlen gab es einige interessante Veränderungen. Nicole Pfammatter, Managing Director von TUI Suisse, wurde erneut in den Vorstand gewählt. Neu im Team ist Carla Riss, die als erste „Future Voice“ in den Vorstand aufgenommen wurde, obwohl sie aus geschäftlichen Gründen nicht anwesend sein konnte. Während David Léchot und Roger Geissberger aus dem Vorstand ausschieden, wurden Olivier Emch, Stéphane Jayet, Stephanie Schulze zur Wiesch und Birgit Sleegers für weitere drei Jahre gewählt.
André Lüthi, CEO der Globetrotter Group und politisch verantwortlich, kündigte seinen Rücktritt auf die nächste Generalversammlung an. Er möchte die Zeit bis dahin nutzen, um seine Nachfolge vorzubereiten. Die nächste Generalversammlung wird zudem Teil der 100-Jahr-Feier des SRV in Bern sein, was die Vorfreude auf dieses Event nur noch steigert.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen um Wohlfarths Antrag weiterentwickeln werden. Der SRV steht wegen der Kundengeldabsicherung unter Zugzwang. Ein Schritt in die richtige Richtung könnte einen positiven Einfluss auf die Glaubwürdigkeit des Verbands haben, während eine Ablehnung vielleicht Fragen aufwirft, die nicht so schnell verschwinden werden.
