Die Reisebranche hat in den letzten Jahren turbulente Zeiten durchlebt, insbesondere während der Corona-Pandemie. In dieser Zeit wagte Simone Ullmann den Schritt in eine neue berufliche Richtung. Im Frühjahr 2021 trat sie eine Stelle im Rathaus von Oberderdingen an, nachdem ihre langjährige Karriere in der Bus- und Reisebranche durch die Krise ins Wanken geraten war. Mit 25 Jahren Erfahrung im Reisegeschäft hatte sie sich über Umwege dorthin entwickelt, wobei ihre Wurzeln in der DDR liegen und sie Kulturwissenschaften studierte, obwohl ihr Studiengang nach der Wiedervereinigung aufgelöst wurde.

Auf der Suche nach Alternativen während der Pandemie, die sie in eine finanzielle Notlage wegen Kurzarbeit brachte, stellte eine frühere Chefin den Kontakt zum Bürgermeister her. So bewarb sich Ullmann erfolgreich auf eine Stelle in der Verwaltung, wo sie nun als Sachgebietsleiterin tätig ist und sich um Bedarfsplanungen, Betriebskostenabrechnungen, Personalfragen und Beschaffungen kümmert. Die Organisation der Hallenbelegung und die Begleitung von Projekten im Rahmen des LEADER-Förderprogramms gehören ebenfalls zu ihrem Arbeitsalltag.

Der Wechsel zur Verwaltung

Ullmanns Arbeitsalltag gestaltet sich intensiver als erwartet, ganz ohne die saisonalen Ruhephasen, die sie aus der Reisebranche kannte. Der Kontakt zu Menschen ist ihr wichtig, weshalb sie zahlreiche Gespräche mit Kita-Leitungen, Vereinsvorständen und Eltern führt. Der Wechsel ins Rathaus brachte ihr nicht nur Planungssicherheit, sondern auch verbesserte Arbeitszeiten im Vergleich zur Busbranche. Gleitzeit und planbare Arbeitszeiten empfindet sie als echten Vorteil.

Trotz der positiven Aspekte sieht sie auch Herausforderungen in der Verwaltung. Der Umgang mit rechtlichen Vorgaben und die oft längeren Entscheidungsprozesse stellen Hürden dar. Ullmann ist sich jedoch sicher, dass Digitalisierung und flexible Arbeitsmodelle entscheidend sind, um Fachkräfte für Kommunen zu gewinnen. In ihrem Erfahrungsbericht bemerkt sie, dass viele Abläufe im öffentlichen Dienst umständlicher sind als in der Privatwirtschaft. Dennoch bereut sie ihren Wechsel nicht, da er ihr Stabilität gebracht hat. Wenn sie zurückblickt, würde sie sich aus Sicherheitsgründen erneut für diesen Schritt entscheiden, auch wenn nicht unbedingt vom Tätigkeitsfeld her.

Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor

Die Situation, die Ullmann beschreibt, spiegelt wider, was viele im öffentlichen Sektor erleben. Laut einer Analyse von PwC ist der Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor ein drängendes Problem. Um diesem entgegenzuwirken, sollten bestehende Möglichkeiten für flexiblen Renteneintritt ausgeweitet und Pensionär:innen in bestimmten Berufen reaktiviert werden. Zudem ist es wichtig, die Anforderungen im öffentlichen Sektor stärker auf die tatsächlichen Aufgaben zuzuschneiden, um die Dauer und Kosten für Umschulungen zu reduzieren.

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Ein zentraler Aspekt zur Verbesserung der Attraktivität des öffentlichen Sektors als Arbeitgeber sind Imagekampagnen. Auch die Digitalisierung der Verwaltung wird als wesentlicher Hebel gegen den Fachkräftemangel genannt. Hierbei sind schlanke behördeninterne Prozesse und Automatisierung von großer Bedeutung. Ein Digital Check von Gesetzen könnte, ähnlich wie in Dänemark, ein sinnvoller Schritt sein, um die Effizienz zu steigern und die Verwaltung zu modernisieren.

Simone Ullmanns Werdegang ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie individuelle Wege und Umbrüche in der Karriere neue Perspektiven eröffnen können. Ihre Erfahrungen zeigen, dass der öffentliche Dienst oft komplexer und arbeitsintensiver ist, als viele Außenstehende annehmen. Gleichzeitig verdeutlicht es die Notwendigkeit für innovative Ansätze, um den Herausforderungen im Fachkräftemangel zu begegnen und die Attraktivität des öffentlichen Sektors zu steigern.