Wenn man durch die Straßen von Gjumri schlendert, kommt man an einem ganz besonderen Ort vorbei: dem Berlin Art Hotel. Hier steht Max, der Berliner Buddybär, der die Besucher mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Es ist nicht nur ein Hotel, sondern ein Wahrzeichen des Wiederaufbaus, das nach dem verheerenden Erdbeben von 1988 errichtet wurde. Unter der Leitung von Alexan Ter-Minasyan, dem Honorarkonsul und Hotelchef, wurde dieser Ort zum Leben erweckt. Es ist beeindruckend zu wissen, dass der Standort einst ein zerstörtes Kaufhaus war, das durch die Naturkatastrophe in Schutt und Asche gelegt wurde.

Das Erdbeben verwüstete Gjumri und forderte eine schreckliche Anzahl an Menschenleben – mindestens 25.000. Die Stadt hat seitdem viel durchgemacht. Ja, man könnte sagen, sie hat eine Art von Resilienz entwickelt. Die ersten Gäste, deutsche Aufbauhelfer, wurden 1995 im Hotel untergebracht. Ein Jahr später öffnete das Hotel offiziell seine Türen und verzaubert seitdem die Gäste mit einem retro-westdeutschen Stil, der in jedem Zimmer spürbar ist. Die individuell gestalteten Räume und die Kunstwerke lokaler Künstler machen das Hotel zu einem kulturellen Erlebnis.

Ein Stück Kultur und Kunst

Albert Vardanyan, ein talentierter Künstler, hebt die Bedeutung des Hotels für die lokale Kunstszene hervor. In einer Stadt wie Gjumri, die nicht gerade als touristisches Hotspot bekannt ist, ist das Hotel eine Oase der Kreativität. Die Kunstwerke erzählen Geschichten, die den Besuchern helfen, die Kultur und die Menschen Armeniens besser zu verstehen. Gjumri selbst hat eine einzigartige Architektur, die aus steinernen Bürgerhäusern besteht und sogar Erdbeben überstanden hat. An der Kreuzung von Rustaveli-Straße und Abovyan-Straße kann man die bunten Fassaden und Holzbalkone aus dem 19. Jahrhundert bewundern – ein Anblick, der das Herz eines jeden Architektur-Liebhabers höher schlagen lässt!

Doch die Stadt hat auch ihre Herausforderungen. Der Konflikt im benachbarten Iran hat dazu geführt, dass viele Reisende abgesprungen sind. Torsten Flaig, ein engagierter Reiseleiter, hebt hervor, wie wichtig das Hotel für das Kennenlernen des Alltagslebens in Armenien ist. Die Gäste erleben hier authentische Begegnungen und lernen die Menschen hinter den Geschichten kennen. Und ja, das Hotel engagiert sich auch sozial: Es unterstützt Projekte in Gjumri, die nach dem Erdbeben dringend benötigt werden.

Ein Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart

Die Erdbeben von 1988 haben nicht nur Gebäude, sondern auch das Leben vieler Menschen in Gjumri verändert. Noch immer leben viele Menschen in den sogenannten „Domiks“, Blechhütten, die als unzureichende Notunterkünfte dienen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 lebt fast die Hälfte der Bevölkerung in der Region Shirak unterhalb der Armutsgrenze. Die Bedingungen in diesen Hütten sind oft unhygienisch und unzumutbar, was zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führt. Generationen sind in diesen „temporären“ Unterkünften geboren und aufgewachsen.

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Doch es gibt Hoffnung. Der Armenienfonds arbeitet daran, wirtschaftlich benachteiligten Familien in Gjumri zu helfen. Seit 2014 werden Wohnungen gebaut, um den Menschen eine bessere Lebensqualität zu bieten. Es ist ermutigend zu sehen, wie die Gemeinde zusammenarbeitet, um die Lebensumstände zu verbessern. Das Hotel selbst ist ein Teil dieser Veränderung – es bleibt nicht nur ein Ort für Reisende, sondern auch ein Symbol für den unaufhörlichen Wiederaufbau dieser besonderen Stadt.

Ja, Gjumri hat seine Wunden, aber es gibt auch eine unglaubliche Lebensfreude und Kreativität in der Luft. Wenn man durch die Straßen wandert, spürt man die Geschichte, die in den Mauern der alten Bürgerhäuser steckt, und die Hoffnung, die in den Herzen der Menschen lebt. Gjumri ist mehr als nur eine Stadt – es ist ein lebendiges Zeugnis der Widerstandsfähigkeit und der Stärke seiner Bewohner.