Die stille Krise der Biodiversität im Tourismus: Ein Aufruf zum Handeln
Die Stille Krise am Urlaubsort – ein Thema, das uns alle betrifft. Während wir uns auf unsere wohlverdienten Reisen vorbereiten, blüht die Natur oft im Hintergrund und leidet still. Der WWF Deutschland hat anlässlich der UN-Weltnaturschutzkonferenz in Armenien einen Leitfaden für Biodiversitätsstrategien in der Tourismusbranche veröffentlicht. Dieser Leitfaden ist ein Aufruf zum Handeln – und zwar nicht nur für die großen Player in der Branche, sondern für alle, die mit dem Tourismus zu tun haben. Es wird Zeit, dass wir die Auswirkungen unseres Reisens auf die Umwelt systematisch erfassen und reduzieren. Aber wie genau macht man das?
Der Tourismus ist auf intakte Natur angewiesen – das wissen wir alle. Aber in der Realität setzen wir diese Natur gleichzeitig unter Druck. Der WWF hebt hervor, dass der Naturschutz in der Branche oft nicht strategisch verankert ist. Das bedeutet: Wir müssen umdenken! Die Auswirkungen des Tourismus sind vielfältig und erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette. Angefangen beim Rohstoffabbau für Hotels bis hin zur Lebensmittelproduktion und dem Bau neuer Unterkünfte. Ein schockierendes Beispiel: Die Abholzung von Wäldern und die intensive Landnutzung für die Lebensmittel, die in unseren Hotelbuffets landen. Das ist nicht nur ein Schlag für die Umwelt, sondern auch für unsere eigene Lebensqualität.
Warum der Wandel dringend nötig ist
Der WWF fordert ein höheres Tempo und einen grundlegenden Wandel in der Wirtschaft und Politik, um die globalen Naturschutzziele bis 2030 zu erreichen. Das ist keine kleine Aufgabe. Das betrifft uns alle, denn die Natur ist unser wichtigster Verbündeter, nicht nur im Urlaub, sondern auch in unserem Alltag. Unternehmen sind gefordert, ihren Einfluss auf die Natur zu prüfen und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Hierbei stehen die Auswirkungen auf die Natur im Mittelpunkt – nicht die geschäftlichen Risiken. Das bedeutet, dass Biodiversität dauerhaft in die Unternehmensstrategien integriert werden muss. Und das fängt bereits beim Einkauf an.
Ein einfaches „Wir haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach“ reicht nicht aus, um als nachhaltiges Unternehmen zu gelten. Der Leitfaden orientiert sich an fünf Hauptursachen des Biodiversitätsverlusts: Zerstörung von Lebensräumen, Übernutzung natürlicher Ressourcen, Klimawandel, Umweltverschmutzung und die Ausbreitung invasiver Arten. Diese Ursachen müssen wir erkennen und angehen. Nur so können wir den Tourismus nachhaltig gestalten. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit: Im Branchenprojekt „Biodiversität im Tourismus“ haben Unternehmen wie TUI Group und Dertour Group zusammengearbeitet, um eigene Biodiversitätsstrategien zu entwickeln. Workshops und Coachings haben dabei geholfen, Maßnahmen zu erarbeiten, die wirklich einen Unterschied machen.
Die Zahlen sprechen für sich
Jährlich unternehmen die Menschen in Deutschland rund 70 Millionen längere Reisen. Das ist eine immense Zahl, die uns vor die Frage stellt: Wie beeinflussen wir mit all diesen Reisen unsere Umwelt? Die Tourismuswirtschaft hat 2016 etwa 100 Milliarden Euro zur deutschen Bruttowertschöpfung beigetragen – ein beachtlicher Betrag, aber auch ein Grund, Verantwortung zu übernehmen. Der Tourismus hat Auswirkungen auf den Energieverbrauch, Luftschadstoffe, Flächenverbrauch und natürlich auch auf die Biodiversität. Besonders die An- und Abreise verursacht klimaschädliche Emissionen und belastet die Umwelt. Es ist an der Zeit, dass wir uns diesen Herausforderungen stellen.
Für viele von uns mag der Gedanke an umweltfreundliches Reisen noch neu sein. Aber es gibt bereits zahlreiche Initiativen, die uns dabei helfen können. Das Umweltbundesamt bietet Informationen zu umweltbewusstem Reisen und Empfehlungen zur Kompensation von Treibhausgasemissionen. Außerdem ist es wichtig, die Wahl der Verkehrsmittel für An- und Abreise zu überdenken. Schließlich beeinflusst die Art, wie wir reisen, maßgeblich unsere Umweltbilanz. Und seien wir ehrlich, es gibt nichts Schöneres, als mit einem guten Gewissen zu reisen und die Schönheit der Natur zu genießen – ohne sie dabei zu schädigen.
In einer Zeit, in der der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität immer drängender werden, müssen wir alle einen Schritt zurücktreten und über unseren Einfluss nachdenken. Es liegt an uns, den Wandel aktiv zu gestalten und den Tourismus nachhaltig zu gestalten. Denn nur so können wir auch in Zukunft die Schönheit unserer Reiseziele bewahren. Der Schlüssel dazu? Achtsamkeit – nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Umwelt.
