Heute ist der 5.11.2026 und die Stimmung in der Branche ist angespannt. Das Bundeskabinett hat kürzlich beschlossen, das jährliche Kontingent für den erleichterten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt für Menschen aus den Westbalkan-Staaten ab 2027 von 50.000 auf 25.000 Zustimmungen zu halbieren. Eine Entscheidung, die nicht nur in den politischen Kreisen für Aufregung sorgt, sondern auch die Wirtschaftsverbände auf den Plan ruft. Besonders betroffen sind Branchen wie das Gastgewerbe, die Bauwirtschaft, Logistik und Pflege, die schon jetzt unter Personalmangel leiden.

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde diese Maßnahme festgelegt, um offene Stellen prioritär mit Arbeitslosen in Deutschland zu besetzen. Die Union hat diese Initiative vorangetrieben, aber die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zeigt sich alles andere als begeistert. Sie befürchtet, dass eine Halbierung des Kontingents zusätzliche Engpässe schaffen wird. Besonders im Gastgewerbe ist der Bedarf an Arbeitskräften ungebrochen hoch. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat bereits Kritik an der geplanten Begrenzung geübt – sie sei nicht sachgerecht, sagen sie, angesichts der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften.

Die Westbalkanregelung im Detail

Seit 2016 ermöglicht die Westbalkanregelung Staatsangehörigen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien einen vereinfachten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Rund 546.000 Menschen aus diesen Ländern sind mittlerweile sozialversicherungspflichtig beschäftigt, und die Zahl steigt. Fast 20 Prozent aller Erstaufenthaltstitel zur Erwerbsmigration entfallen auf diese Regelung. Ein Arbeitsvertrag ist Voraussetzung für die Einreise, und die Bundesagentur für Arbeit prüft, dass die Beschäftigungsbedingungen fair sind. Das soll sicherstellen, dass die neuen Arbeitnehmer nicht schlechter behandelt werden als ihre deutschen Kollegen.

Die BDA hat sich am 15. Oktober 2026 gegen die Halbierung ausgesprochen und fordert stattdessen, die Kontingentgrenze ganz aufzuheben. Sie argumentiert, dass der Aufwand für die Verwaltung des Kontingents bei der Bundesagentur für Arbeit nicht zu unterschätzen ist. Immer wieder kommt es vor, dass Anträge abgelehnt werden müssen, wodurch Arbeitsplätze unbesetzt bleiben. Ironischerweise ist das Kontingent für 2025 bereits Ende November erschöpft gewesen, und auch 2026 zeigt sich die hohe Nachfrage.

Die Stimmen der Branche

Wolfgang Schubert-Raab, ein Bauunternehmer aus Ebensfeld, hat in den letzten Jahren zahlreiche Mitarbeiter über die Westbalkanregelung eingestellt. „Ich habe keine einzige Einstellung bereut“, sagt er. Er betont, dass die Bewerber aus dem Westbalkan oft sprachliche Unterstützung benötigen, aber sie bringen auch eine hohe Motivation mit. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sieht er nicht genügend geeignete Arbeitskräfte, und die Kürzung des Kontingents könnte für ihn und viele andere Unternehmer katastrophale Folgen haben. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe schätzt, dass der Branche durch die Kürzung etwa 9.000 Arbeitskräfte fehlen könnten. Das ist ein Loch, das schwer zu stopfen sein wird.

Die BDA plädiert für digitale Visaverfahren und eine zentrale Bearbeitung durch das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten, um die Wartezeiten zu verkürzen. Der demografische Wandel wird die Situation in den kommenden Jahren nicht einfacher machen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung müssen jährlich rund 400.000 Menschen nach Deutschland einwandern, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Doch die Halbierung des Kontingents? Die scheint alles andere als eine Lösung zu sein.

Es bleibt abzuwarten, ob der Bundesrat den Beschluss der Bundesregierung billigt. Sieben Bundesländer sprechen sich gegen die Kürzung aus. In einer Zeit, in der offene Stellen und Fachkräftemangel omnipräsent sind, könnte diese Entscheidung letztlich nicht nur den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden, sondern auch die Vielfalt und den kulturellen Austausch bereichern, den die Zuwanderung mit sich bringt. Der Ball liegt nun bei den Entscheidungsträgern.