Demonstration in Bozen: HGV warnt vor Auswirkungen der Kurzzeitvermietungen auf den Wohnungsmarkt in Südtirol
Am vergangenen Freitag fand in Bozen eine eindringliche Demonstration statt, die den drängenden Themen der steigenden Lebenshaltungskosten und der Wohnraumsituation in Südtirol eine Stimme gab. Der Hotel- und Gastronomieverband (HGV) schaltete sich in die Debatte ein und lenkte die Aufmerksamkeit auf die wachsende touristische Nutzung von Wohnungen sowie den Boom der Kurzzeitvermietungen. Klaus Berger, der Präsident des HGV, betonte, dass leistbarer Wohnraum die Grundlage für die Zukunft junger Menschen und Familien in der Region sei. Eine klare Botschaft, die nicht nur in den Hallen des Parlaments, sondern auch in den Herzen vieler Einwohner Südtirols Widerhall fand.
Die Studie „Turismo e shadow economy – Edizione ottobre 2026“ von Federalberghi zeigt auf, dass allein im August 2026 in Südtirol 9.351 Airbnb-Inserate zu verzeichnen waren – ein Anstieg von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Umgerechnet bedeutet das, dass diese Inserate Platz für 38.231 Gäste bieten. Bei einer angenommenen Auslastung von 40 Prozent und einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von vier Nächten könnte dies zu etwa 1,33 Millionen Gästeankünften und über 5,5 Millionen Übernachtungen pro Jahr führen. Das sind rund 15 Prozent aller Gäste in Südtirol! Die Zahlen sprechen für sich und machen deutlich, wie stark die Kurzzeitvermietungen den Wohnungsmarkt beeinflussen.
Die Verteilung der Inserate
Ein Blick auf die Städte zeigt, dass Meran mit 505 Inseraten und 1.818 rechnerischen Gästeplätzen die Nase vorn hat, gefolgt von Bozen (340 Inserate, 1.178 Plätze) und Brixen (261 Inserate, 1.041 Plätze). Auch Bruneck mit 155 Inseraten und 624 Plätze ist nicht zu vernachlässigen. In diesen vier Städten zusammen summieren sich die Inserate auf mehr als 4.600 Gästebetten. Eine beachtliche Zahl, die verdeutlicht, wie sehr die Kurzzeitvermietung auch in Orten mit bereits umfangreichem touristischen Angebot präsent ist.
Interessanterweise konzentriert sich die Kurzzeitvermietung zunehmend auf wenige Anbieterprofile. Der HGV berichtet, dass 74 Profile alleine 4.026 Inserate kontrollieren, was rund 43 Prozent des Marktes ausmacht. Oft stehen hinter diesen Profilen professionelle Vermittler, die mehrere Wohnungen verwalten. HGV-Direktor Raffael Mooswalder macht deutlich, dass sich durch diese Entwicklung ein professioneller Markt etabliert hat, der mit dem klassischen Gastgewerbe in Konkurrenz tritt. Diese Dynamik könnte zu einer Verknappung und Verteuerung des Wohnraums führen, was insbesondere für die einheimische Bevölkerung problematisch ist.
Regulierungen im Wandel
Die Situation wird auch durch die neuen Vorschriften auf EU- und italienischer Ebene beeinflusst, die seit Jahresbeginn in Kraft sind. Ziel ist es, mehr Transparenz und Verantwortung bei Online-Plattformen zu schaffen und den Verbraucherschutz zu verbessern. Italien hat sich verpflichtet, eine umfassende Datenbank für Kurzzeitvermietungen einzuführen, um bestehende Unregelmäßigkeiten zu beheben. Italiens Gesetz Nr. 213 von Ende 2023 hat die Regeln für Ferienvermietungen und die Steuerpflichten gewerblicher Anbieter geändert – ein Schritt in die richtige Richtung, der jedoch noch viele offene Fragen zur Regulierung von Immobilienverwaltern aufwirft.
Das Bedürfnis nach verlässlichen Daten zur tatsächlichen Nutzung der Wohnungen wird immer dringlicher. Der HGV fordert konsequente Überprüfungen der geltenden Vorschriften und eine bessere Erfassung der touristischen Nutzung von Wohnungen. Schließlich muss ein fairer Wettbewerb für alle Beherbergungsformen gewährleistet sein. Nur so kann ein verantwortungsvoller Umgang mit Wohnraum sichergestellt werden, der sowohl den Bedürfnissen der Gäste als auch denen der Einheimischen gerecht wird.
Mit einer Vielzahl von Herausforderungen und Chancen stehen wir an einem Wendepunkt. Der Trend zur Kurzzeitvermietung wird sich weiterentwickeln, und es bleibt spannend zu beobachten, wie die Verantwortlichen auf diese Entwicklungen reagieren. Ein klarer Blick auf die Fakten ist unerlässlich, um die richtige Balance zwischen Tourismus und Wohnraumsituation zu finden.
