Heute ist der 9.06.2026 und während wir hier im Gastgewerbe stehen, spüren wir den Puls der Branche. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind da und sie erzählen eine gemischte Geschichte. Im März 2026 waren im Gastgewerbe rund 1.088.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Das sind 20.201 mehr als im März 2019, ein Anstieg von 1,9 %. Das klingt doch eigentlich ganz positiv, oder? Doch wenn wir genauer hinsehen, gibt es auch Schattenseiten. Im Vergleich zu März 2025 ist die Zahl nur um 7.199 Beschäftigte gewachsen und die Zahlen der offenen Stellen sind alarmierend. Im Mai 2026 gab es 18.785 offene Stellen im Gastgewerbe, was einen Rückgang im Vergleich zum Vormonat darstellt und im Vergleich zu Mai 2019 fehlen uns fast 21.000 Stellen.
Die DEHOGA warnt vor einem Fachkräftemangel und dem wirtschaftlichen Druck, der auf den Betrieben lastet. Besonders die Abhängigkeit von Minijobbern ist ein Thema, das nicht ignoriert werden kann. Fast 76.000 geringfügig Beschäftigte mehr als 2019 sind zwar eine positive Zahl, aber die Frage bleibt: Sind diese Arbeitsplätze wirklich nachhaltig? Die Arbeitslosenzahlen variieren stark je nach Bereich – die Hotellerie hat mit einem Anstieg von 2,8 % im Mai 2026 im Vergleich zum Vorjahr zu kämpfen, während die Gastronomie nur um 0,3 % zulegte. Hier wird deutlich, dass die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt begrenzt ist.
Die Herausforderungen der Branche
So viele Beschäftigte klagen über schlechte Bezahlung, Überstunden und Zeitdruck. Ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat während der Pandemie die Branche gewechselt, viele fanden neue Tätigkeiten im Einzelhandel oder in der Logistik. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass vor der Coronakrise über zwei Millionen Menschen im Gastgewerbe arbeiteten. Im April 2020 gab es dann einen dramatischen Rückgang um 330.000 Beschäftigte, trotz aller Unterstützungsmaßnahmen.
Und was ist mit den Arbeitsbedingungen? Die Beschäftigten fordern nicht nur bessere Bezahlungen – die Branche hat zwar den Mindestlohn auf zwölf Euro angehoben, aber das Lohnniveau bleibt niedrig. Wir reden hier von einem Vorschlag der Gewerkschaft NGG, der einen Einstiegslohn von mindestens 3000 Euro brutto für Vollzeitarbeit nach der Ausbildung fordert. Kein Wunder, dass viele sich nach Alternativen umsehen. Der Druck, flexibel zu sein, ist in vielen Betrieben allgegenwärtig, die Organisation der Arbeit ist oft der wahre Feind. Unklare Arbeitszeiten und kurzfristige Einsätze sind an der Tagesordnung.
Ein Lichtblick?
Ein bisschen Hoffnung gibt es dennoch: Die Branche hat begonnen, die Bezahlung zu verbessern und neue Tarifverträge zu schließen. Aber das allein wird nicht ausreichen. Die DEHOGA fordert flexiblere Regelungen bei den Arbeitszeiten und setzt sich für eine Kampagne #wochenarbeitszeitjetzt ein, um die wöchentliche Höchstarbeitszeit im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie einzuführen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Akzeptanz dieser Maßnahmen wird entscheidend sein.
Wenn wir uns die Daten von Statistik der Arbeitsagentur ansehen, wird deutlich: Die Herausforderungen sind gewaltig. Die Coronakrise hat nicht nur die Zahlen, sondern auch die Menschen hinter den Zahlen beeinflusst. Die Branche muss sich wandeln, um die ehemaligen Beschäftigten zurückzugewinnen. Das wird nicht nur durch höhere Löhne geschehen, sondern auch durch eine berechenbare Arbeitsorganisation und verbesserten Arbeitsbedingungen. Die Zukunft des Gastgewerbes hängt davon ab, wie es gelingt, diese Herausforderungen zu meistern und eine nachhaltige Arbeitsumgebung zu schaffen.