Die Hotellerie und Gastronomie stehen vor einem ganz besonderen Jubiläum. Sabrina Camenzind hat allen Grund, den 100. Geburtstag der HGf (Hotellerie und Gastronomie) zu feiern. Seit einem Jahrhundert fördert und entwickelt die HGf die Berufsbildung in dieser lebendigen Branche. Jedes Jahr werden etwa 3000 neue Berufsleute ausgebildet, die frischen Wind in die Gastro-Szene bringen. Die Feierlichkeiten, die Mitte September stattfinden, versprechen ein fröhliches Wiedersehen mit Freunden, Wegbegleitern und Partnern, die die Reise der HGf mitgeprägt haben. Unter den Pionieren, die einen bedeutenden Beitrag geleistet haben, stechen Max Züst und Heinz Berger hervor.

Doch trotz dieser feierlichen Stimmung gibt es auch Herausforderungen, die die Branche nicht ignorieren kann. Die Attraktivität von Dienstleistungsberufen schwindet, und die Notwendigkeit, Berufe zukunftsfähig zu gestalten, wird immer dringlicher. Ursprünglich vor 100 Jahren als „Schweizerische Fachkommission für das Gastgewerbe“ gegründet, hat die HGf die nationale Ausbildung im Auftrag der Branche koordiniert – mit Unterstützung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Ihr Ziel ist es, mehr Menschen für die Branche zu begeistern und sie langfristig zu halten.

Die Ausbildung neu denken

Ein frischer Wind weht durch die Ausbildungslandschaft: Mit dem neuen Qualifikationsprogramm Hotel Gastro 365 sollen Menschen mit Migrationshintergrund, Quereinsteiger oder Erwerbslose integriert werden. In zwei Pilotkursen, die in Basel und Luzern starten, wird gezeigt, dass die Branche offen für Vielfalt ist. Progresso bleibt zudem ein zentrales Angebot für die Basisbildung im Gastgewerbe. Bestehende Programme wie Riesco oder Perfecto bleiben selbstverständlich erhalten. Die Kantone entscheiden über die Nutzung dieser Angebote, was uns Flexibilität in der Gestaltung der Ausbildungsinhalte bietet.

Die Hotellerie und Gastronomie sind stark auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Berufliche Bildung ist entscheidend für Qualität, Wirtschaftlichkeit und die Zufriedenheit der Gäste. Und die Ausbildung von heute umfasst mehr als nur das Erlernen von Handgriffen; sie beeinflusst die Karrierechancen und die Zukunftsfähigkeit der Branche. Doch der demografische Wandel, die steigende Akademisierung und die Digitalisierung stellen große Herausforderungen dar. Die Anforderungen an Jobs ändern sich, und damit auch die Erwartungen an die Ausbildung.

Qualität im Fokus

Das Qualitätsmonitoring wird immer bedeutender, um die Ausbildungsinhalte messbar zu machen. Klare Kennzahlen helfen dabei, die Qualität der Ausbildung zu bewerten und anzupassen. Internationale Initiativen, wie die der OECD, zielen darauf ab, Kompetenzen messbar und vergleichbar zu machen. Schließlich zeigt sich die Qualität im Gastgewerbe nicht nur im Zeugnis, sondern im Alltag – beim Servieren eines Gerichts, beim Empfang der Gäste oder beim Lächeln des Personals.

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Die Vorteile für Arbeitgeber sind nicht von der Hand zu weisen: Bessere Ausbildungssteuerung und eine höhere Servicequalität durch gut ausgebildete Mitarbeiter führen zu einer stärkeren Mitarbeiterbindung und reduzieren Fluktuation. Das wiederum bietet Wettbewerbsvorteile im Recruiting. Für Arbeitnehmer ergibt sich eine stabilere Beschäftigungsperspektive, bessere Aufstiegschancen und höhere Einkommensmöglichkeiten. Gerade in einer Branche, in der ein hoher Anteil der Beschäftigten einen Migrationshintergrund hat, wird deutlich, wie wichtig berufliche Bildung für die gesellschaftliche Integration ist.

Die Zukunft gestalten

Um die Herausforderungen zu meistern, sollten Betriebe die Ausbildungsqualität aktiv überprüfen und moderne Inhalte wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit integrieren. Eine engere Verzahnung zwischen Betrieb und Berufsschule sowie die systematische Planung von Weiterbildungen sind entscheidend. Die Qualität der beruflichen Bildung entscheidet zunehmend über den Erfolg eines Betriebs. Auch die nächsten Schritte der HGf sind vielversprechend: Mit dem Projekt „Gastgewerbliche Berufsbildung 2030“ wird die Grundbildung überprüft und an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Eine Revision der Berufsprüfungen und höheren Fachprüfungen steht ebenfalls an. Synergien, eine gemeinsame Sprache und Modularisierung in der Ausbildung sind dabei zentrale Punkte.

Eine wertschätzende Führungskultur ist unerlässlich für die Mitarbeiterbindung. Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden trägt direkt zum Erfolg eines Unternehmens bei. Gute Personalführung strebt an, Unternehmens- und Mitarbeiterziele in Einklang zu bringen. Klare Kommunikation, Offenheit und Empathie sind Schlüsselfaktoren. Fehler sollten nicht tabuisiert werden, sondern als Chancen zur Weiterentwicklung angesehen werden. Eine positive Fehlerkultur fördert nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, sondern auch das Wachstum der gesamten Branche.