Kampf ums Überleben: Die Gastronomie zwischen Krise und Kreativität
Heute ist der 7.08.2026 und der Druck auf die Gastronomie ist greifbar. In Belgien hat sich die Lage dramatisch verschärft. Die Insolvenzen im Gastgewerbe stiegen im Juni um fast 38 Prozent, ein alarmierendes Zeichen, das die besorgniserregende Situation vieler Betriebe widerspiegelt. Gastronomen klagen über ein vorsichtigeres Konsumverhalten, insbesondere in der Mittelschicht, die sich von steigenden Ölpreisen beeinflussen lässt. Während der Weinverkauf rückläufig ist, erfreuen sich alkoholfreie Getränke wachsender Beliebtheit – ein Zeichen der Zeit, könnte man sagen.
Gaëtan Halleux, Co-Manager von L’Effet Bœuf und La Manda, hat die Situation im Gastgewerbe bestens erfasst. Die Hauptschwierigkeit? Ein eklatanter Mangel an Personal – sowohl in der Quantität als auch in der Qualität. Viele Festangestellte zeigen Motivationsprobleme und die Angst vor plötzlichen Kündigungen schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Mitarbeiter. Dazu kommt der erdrückende Papierkrieg: administrative Belastungen und hohe Geldstrafen bei kleinsten Fehlern machen den Alltag zur Herausforderung.
Die Krise in Deutschland
Ein Blick nach Deutschland zeigt ein ähnliches Bild. Laut Creditreform steigen die Insolvenzen in der Gastronomie weiter – und das bereits zum vierten Mal in Folge. Im vergangenen Jahr waren über 2.900 Betriebe betroffen, das höchste Niveau seit 2011! Ein Anstieg von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist alarmierend. Und das Gastgewerbe ist nicht nur stärker betroffen als die Gesamtwirtschaft, sondern hat zwischen 2020 und 2025 mehr als 11.200 Insolvenzen verzeichnet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Pandemie, Energiekrise und anhaltende Inflation haben die Branche hart getroffen.
Besonders die kleinen, inhabergeführten Betriebe kämpfen ums Überleben. Viele haben Eigenkapitalquoten unter 10 Prozent und ein Drittel arbeitet sogar defizitär. Die steigenden Kosten für Waren, Personal und Energie – teilweise um bis zu 40 Prozent – können oft nicht an die Gäste weitergegeben werden. Stattdessen sparen die Verbraucher bei Restaurantbesuchen und Freizeitaktivitäten. Laut einer YouGov-Umfrage gibt fast die Hälfte der Befragten an, dass sie bei ihrem Freizeitbudget kürzertreten.
Der strukturierte Wandel
Die Gastronomie steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Zunahme von Lieferdiensten und der Rückgang der Restaurantbesuche sind nicht zu übersehen. Besonders betroffen sind Restaurants, Gaststätten und Imbissbetriebe, die Zuwächse von über 30 Prozent bei den Insolvenzen verzeichnen. In ländlichen Regionen verschwinden die gastronomischen Angebote praktisch von der Bildfläche, was die Situation noch prekärer macht.
Und die Aussichten? Nun, die Zukunft der Gastronomie in Deutschland scheint ungewiss. Politische Maßnahmen wie steuerliche Entlastungen kommen für viele Betriebe zu spät, während die Branchenexperten mit einer weiteren Zunahme der Insolvenzen auch in den kommenden Jahren rechnen. Die Notwendigkeit für Anpassungen und neue Konzepte ist dringender denn je. Hier ist Kreativität gefragt – und vielleicht auch ein bisschen Mut.
