Der Tourismus auf den Kanarischen Inseln zeigt sich im dritten Quartal 2026 als ein höchst dynamischer Sektor, der trotz geringer Besucherzahlen eine beachtliche Wertschöpfung und eine florierende Beschäftigung aufweist. Laut dem aktuellen Bericht des Wirtschaftsforschungsdienstes der Handelskammer Santa Cruz de Tenerife haben die Inseln von Juli bis September 3.561.777 ausländische Touristen empfangen. Das sind zwar rund 10.800 weniger als im Vorjahreszeitraum – ein Rückgang von 0,3 % – aber die Gesamtbeobachtungen deuten darauf hin, dass die Kanaren weiterhin ein beliebtes Ziel sind. Spanien insgesamt verzeichnete dagegen mehr als 33,9 Millionen Besucher, ein Anstieg von fast zwei Millionen (+6,1 %).

Die durchschnittlichen Ausgaben pro Besucher haben in der Zwischenzeit einen erfreulichen Anstieg auf etwa 220 Euro täglich erreicht – das ist fast ein Fünftel mehr als vor der Pandemie! In Zahlen ausgedrückt: Die Gesamtausgaben im Sommer haben historische Höhen erreicht und belaufen sich auf 6,194 Milliarden Euro. Das Wachstum war zwar schwächer als im Vorjahr, doch das zeigt, dass die Strategie der Kanaren, sich auf höhere Einnahmen pro Gast zu konzentrieren, Früchte trägt.

Wachstum trotz Herausforderungen

Die Hotels auf den Kanarischen Inseln konnten 3,4 % mehr Gäste empfangen als im Vorjahr, obwohl die Aufenthaltsdauer etwas kürzer wurde. Die Auslastung im September lag bei rund 73 % – das übertrifft den spanischen Durchschnitt. Ein erfreulicher Trend: Die Einnahmen pro verfügbarem Zimmer waren in allen drei Sommermonaten höher als in 2025. Mit einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 136 Euro haben sich die höheren Betriebskosten aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen jedoch auch auf die Preise ausgewirkt.

Im Hinblick auf die Beschäftigung ist die Situation ebenfalls positiv. Hotels haben im Sommer rund 63.300 Menschen beschäftigt – das ist ein historischer Höchststand! Insgesamt verzeichnete das Gastgewerbe im September 176.831 sozialversicherte Beschäftigte, was einen Anstieg von 5.600 im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Ein beeindruckender Fakt: Etwa jeder fünfte neue sozialversicherte Beschäftigte auf den Kanaren kam im vergangenen Jahr aus dem Gastgewerbe. Die Arbeitslosigkeit in diesem Sektor ist weiterhin rückläufig.

Wirtschaftliche Perspektiven und Risiken

Die Geschäftserwartungen für das vierte Quartal sind optimistisch: Fast neun von zehn Unternehmen im Transport- und Gastgewerbe erwarten eine stabile oder sogar steigende Geschäftstätigkeit. Doch es gibt auch Schattenseiten. Die Inflation, insbesondere die steigenden Kraftstoff- und Brennstoffpreise, stellt ein erhebliches Risiko dar. Höhere Ticketpreise könnten die Wettbewerbsfähigkeit der Inseln beeinträchtigen. Zudem ist eine zunehmende Abhängigkeit von wohlhabenderen, aber möglicherweise preissensiblen Gästen zu beobachten – ein Balanceakt, der nicht ganz unproblematisch ist.

Ein weiterer Aspekt, der nicht unbeachtet bleiben sollte, ist die steigende Belastung der Infrastruktur durch den Tourismus. Die Kanaren stehen vor Herausforderungen wie höheren Lebenshaltungskosten, steigenden Miet- und Immobilienpreisen sowie zusätzlichen Belastungen für öffentliche Dienstleistungen. Es ist kein Geheimnis, dass der Druck auf den Wohnungsmarkt enorm ist. Die Zahl der Übernachtungen in Ferienwohnungen ist seit 2018 stark gestiegen, was zu einer Verdopplung der Buchungen durch Spanier innerhalb Spaniens geführt hat.

Qualität statt Quantität

Die kanarische Regionalregierung verfolgt einen klaren Kurs: „Qualität statt Quantität“ – das Ziel ist es, kaufkräftige Gäste anzuziehen. Die Hoffnung ist, dass durch diese Strategie nicht nur die Einnahmen steigen, sondern auch die Herausforderungen, die mit dem Massentourismus einhergehen, besser gemeistert werden können. Ein Beispiel dafür ist das neue Gesetz zur nachhaltigen Ordnung der touristischen Nutzung von Wohnungen, das darauf abzielt, die Wohnungskrise zu bekämpfen und die Verdrängung von Einheimischen zu verhindern.

In diesem Kontext ist es wichtig zu betonen, dass die Kanarischen Inseln im europäischen Vergleich unter den Regionen mit dem höchsten touristischen Druck stehen. Die Entwicklung hin zu intensiveren, kürzeren und teureren Aufenthalten könnte also sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Die Diskussion um die Auswirkungen des Tourismus auf die Lebensqualität vor Ort wird mit Sicherheit weiter an Fahrt gewinnen.