In der Welt des Schweizer Gastgewerbes wird es langsam brenzlig. Die Branche kämpft nicht nur um ihre Existenz, sondern vor allem um qualifizierte und motivierte Mitarbeitende. Dabei ist das nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern eine bittere Realität. Die Mitarbeitenden schuften oft abends und an Wochenenden in Restaurants, Hotels und Küchen – und das zu Bedingungen, die nicht immer fair sind. Syna, die Gewerkschaft, die sich um die Belange dieser Arbeitnehmer kümmert, schlägt Alarm: Es braucht faire Löhne, verlässliche Arbeitszeiten und echte Entwicklungsperspektiven, um die Attraktivität des Sektors zu steigern.

Doch das ist nicht alles. Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV) legt wichtige Mindeststandards fest, doch die Verhandlungen darüber waren seit 2019 auf Eis gelegt. Erst im November 2025, nach einer gefühlten Ewigkeit von 2380 Tagen, gab es wieder Bewegung. Die Sozialpartner haben die Verhandlungen wieder aufgenommen, und Syna hat sich stark für diese Wiederbelebung eingesetzt. Ziel ist es, den neuen L-GAV bis zum 1. Januar 2028 in Kraft zu setzen, um die Arbeitsbedingungen in der Branche nachhaltig zu verbessern.

Die Herausforderung der Fachkräfte

Die Notwendigkeit einer Reform ist dringlich. Laut aktuellen Berichten fehlt es besonders an ausgebildeten Köchinnen und Köchen sowie Service- und Hotelpersonal. In der Hochsaison 2026 übersteigt die Nachfrage in vielen Betrieben das verfügbare Personal. Diese Situation führt nicht nur zu längeren Wartezeiten für Gäste, sondern auch zu einem erhöhten Druck auf die verbliebenen Mitarbeitenden. Eine Umfrage von GastroSuisse zeigt, dass 39,3 Prozent der Betriebe die Rekrutierung von Personal als eine der größten Herausforderungen sehen.

Die Gründe sind vielschichtig: Unregelmäßige Arbeitszeiten, kaum Möglichkeiten für Homeoffice und die Konkurrenz durch andere Branchen, die ähnliche Löhne bieten, aber planbarere Arbeitszeiten haben. Besonders betroffen sind touristische Regionen wie Graubünden, das Tessin und die Genferseeregion. Hier bleiben offene Stellen teils monatelang unbesetzt, was dazu führt, dass einige Betriebe ihre Öffnungszeiten einschränken oder Menüs reduzieren müssen.

Ein Weg in die Zukunft

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, sind Maßnahmen dringend notwendig. Syna fordert nicht nur eine bessere Bezahlung und verlässlichere Dienstzeiten, sondern auch mehr bezahlte Feiertage und ausreichend Erholungszeit. Außerdem ist es wichtig, dass Aus- und Weiterbildung weiterhin gefördert werden. Denn junge Menschen müssen durch gute Ausbildungsbedingungen und langfristige Perspektiven für das Gastgewerbe gewonnen werden. Die Neuverhandlungen des L-GAV sollen hier Abhilfe schaffen, denn der aktuelle Vertrag stammt immerhin aus dem Jahr 2017 und ist längst nicht mehr zeitgemäß.

Die Herausforderungen sind groß, aber es gibt Hoffnung. Projekte wie „Avanti!“, das vom Bund unterstützt wird, setzen auf bessere Ausbildungsqualität und ein attraktiveres Branchenimage. Auch die digitalen Lösungen, wie eine transparente Schichtplanung, könnten dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Die Branche muss sich wandeln, um in Zukunft nicht nur die Gäste, sondern auch die Mitarbeitenden zu begeistern. Denn nur mit zufriedenen und gut ausgebildeten Fachkräften kann das Schweizer Gastgewerbe die Herausforderungen meistern und auch in Zukunft bestehen.