Heute ist der 19.05.2026 und das Gastgewerbe in Deutschland zeigt endlich erste positive Signale, nachdem es in den letzten Jahren oft nur bergab ging. Man könnte fast meinen, die Branche hat einen Lichtblick erhascht. Laut dem Datev-Mittelstandsindex ist der Umsatz im mittelständischen Gastgewerbe im April um fast 4% im Vergleich zum Dezember gestiegen und sogar um 7,1% höher als im Vorjahr. Das sind doch mal erfreuliche Nachrichten, oder? Die Freude wird jedoch etwas getrübt, wenn man bedenkt, dass der Umsatzanstieg vor allem durch eine außergewöhnlich schwache Vorjahresbasis begünstigt wurde.
Ein ganz entscheidender Faktor für diese Entwicklung war die Senkung der Umsatzsteuer auf gastronomische Angebote von 19% auf 7% im Januar. Das hat sicherlich einige positive Effekte nach sich gezogen. Ökonom Timm Bönke von Datev ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob diese Steuersenkung tatsächlich die Nachfrage so positiv beeinflusst hat – schließlich werden solche Erleichterungen oft nicht direkt an die Kunden weitergegeben. Dennoch ist klar: Die Gewinnlage der kleinen Betriebe hat sich durch die Steueranpassung verbessert.
Schwankende Zahlen im Mittelstand
Der Datev-Mittelstandsindex zeigt, dass der nominale Umsatz im Mittelstand insgesamt nur um 1,2% gestiegen ist – was nicht gerade für eine breite Erholung spricht. Das Baugewerbe hat im April ein Minus von 6,1% im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen müssen, im Handel war das Minus mit 2,7% ebenfalls spürbar. Man könnte fast sagen, der Mittelstand ist in einer Art Seitwärtsbewegung gefangen. Die Beschäftigung im Mittelstand schrumpfte zudem um 0,2% im Vergleich zum Vorjahr, und das Beschäftigungsvolumen im Gastgewerbe hat sich seit dem Hoch im Frühjahr 2024 um 3,6% reduziert. So ganz rosig sieht das Bild also nicht aus.
Der April brachte einen saison- und kalenderbereinigten Umsatz von 98,4 Punkten, was einen leichten Rückgang gegenüber dem Vormonat um 0,2% bedeutet. Immerhin gibt es aber eine positive Entwicklung im Lohnbereich: Der Lohnindex stieg um 4,9% im Vergleich zum Vorjahr und zeigt, dass die Löhne schneller steigen als die allgemeine Preisentwicklung. Das könnte für die Mitarbeiter eine gute Nachricht sein, auch wenn die Beschäftigungsentwicklung insgesamt eher verhalten bleibt.
Die Rolle der kleinen Unternehmen
Interessanterweise zeigen die Ergebnisse je nach Unternehmensgröße deutliche Unterschiede. Kleine Unternehmen scheinen sich positiv auf die Entwicklungen auszuwirken, während Kleinstunternehmen nach wie vor unter dem Vorjahresniveau liegen. Man fragt sich, ob der Beschäftigungsabbau bei kleinen und mittleren Unternehmen nicht langfristig auch zu einer entspannteren Situation auf dem Arbeitsmarkt führen könnte. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Dynamik weiterentwickelt.
Insgesamt zeigt sich im Gastgewerbe seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung, die jedoch nicht über die schwache Vorjahresbasis hinwegtäuschen kann. Sondereffekte verstärken diese Aufwärtsbewegung, aber ohne eine branchenübergreifende Dynamik wird es schwer, von einem echten Aufschwung zu sprechen. Die Frage bleibt: Wird das Gastgewerbe weiterhin florieren oder handelt es sich nur um eine kurzfristige Erholung? Das ist, ehrlich gesagt, auch für uns im Hotelmanagement ein spannendes Thema, dem wir mit einem wachsamen Auge folgen werden.