Löhne im Südtiroler Tourismus: Ein heißes Eisen zwischen Fakten und Fiktion
Die hitzige Diskussion über die Löhne im Südtiroler Tourismus nimmt immer wieder Fahrt auf. Ein klarer Standpunkt kommt von Harald Stauder, dem SVP-Fraktionsvorsitzenden, der die jüngsten Äußerungen der Landtagsabgeordneten Elisabeth Rieder vehement zurückweist. Ihr Vorwurf, der Tourismus könne seine Mitarbeiter nicht angemessen bezahlen, wird von Stauder als unzutreffend abgelehnt. Er verweist auf die speziellen kollektivvertraglichen Regelungen im Südtiroler Gastgewerbe, die es in dieser Form nicht überall gibt.
Seit Dezember 2025 gibt es ein provinziales Lohnelement von monatlich 150 Euro, das allen Beschäftigten zusteht, unabhängig von ihrer Anstellung. Besonders interessant: Rund 70 Prozent der Belegschaft sind saisonale oder befristete Mitarbeiter. Für sie gibt es zusätzlich einen Saisonzuschlag von acht Prozent auf die Bruttoentlohnung. Das bedeutet, ein saisonaler Beschäftigter in der siebten Lohnstufe, wie etwa ein Abspüler, verdient in Südtirol etwa 275 Euro brutto mehr als im Rest Italiens. Ein Lichtblick in einem oft kritisierten Bereich.
Besondere Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe
Doch die Realität ist oft vielschichtiger. In der Praxis werden häufig übertarifliche Löhne auf Basis individueller Vereinbarungen gezahlt. Ja, das klingt kompliziert, und repräsentative Zahlen zu diesen zusätzlichen Zahlungen gibt es nicht. Außerdem erhalten viele Beschäftigte oft Unterkunft und Verpflegung zusätzlich zum Lohn. Das alles muss man im Hinterkopf behalten, wenn man über die Löhne im Tourismus spricht.
Eine weitere Herausforderung ist die Jahresbetrachtung der Einkommen. Die angegebenen Bruttojahreseinkommen beziehen sich oft nur auf acht bis zehn Arbeitsmonate. Zeiten, in denen Arbeitslosengeld bezogen oder in anderen Sektoren gearbeitet wird, fließen dabei häufig nicht mit ein. Stauder findet es daher unzureichend, pauschale Vergleiche der Löhne im Tourismus anzustellen. Er fordert, dass bei der Diskussion über faire Löhne auch diese Fakten berücksichtigt werden, statt die gesamte Branche über einen Kamm zu scheren.
Vorankommen in der Verhandlung
Ein weiterer Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die aktuelle Verhandlungssituation im Tourismus. Zu Beginn der Verhandlungen schien es zwischen den Sozialpartnern keine größeren Hindernisse für die Erneuerung des lokalen Zusatzvertrags zu geben. Doch wie es oft der Fall ist, traten in der Schlussphase vor der Unterzeichnung unterschiedliche Auffassungen zutage – besonders zwischen der Arbeitgeberseite und der Gewerkschaft Filcams-Cgil/Agb. Hier sah man unüberbrückbare Differenzen, was die Regelungen angeht. Die Details sind da… aber die sind nur für Abonnenten zugänglich.
In jedem Fall bleibt die Debatte spannend. Die Herausforderungen sind vielfältig, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation im Südtiroler Tourismus entwickeln wird. Das Gastgewerbe, ein Herzstück der Region, bleibt im Fokus. Ob die Löhne fair sind oder nicht – das ist und bleibt ein heißes Eisen. Aber eines ist sicher: Die Diskussion wird weitergehen.
