Rückgang der Gastronomiebetriebe in Großbritannien: Herausforderungen und Lichtblicke im Sektor
Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der britischen Gastronomie könnte man fast meinen, der Sekt hat seine besten Zeiten hinter sich. Im September 2026 zählte man in Großbritannien noch 98.319 Gastronomiebetriebe mit Alkohollizenz. Eine Zahl, die zwar imposant klingt, doch die Realität sieht anders aus: Im Zeitraum von September 2025 bis September 2026 sank die Zahl netto um 977 Betriebe – das entspricht einem Rückgang von 1,0 %. Es gibt einfach zu viele Hürden, die es den Gastronomen schwer machen, ihre Türen offen zu halten.
Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig. Hohe Betriebskosten setzen den Betreibern zu, während die Verbrauchernachfrage auf niedrigem Niveau verharrt. Es ist schon ironisch, dass die Gastronomie, die in guten Zeiten als Ort des Geselligkeit und der Freude galt, nun unter dem Druck der wirtschaftlichen Unsicherheiten leidet. Laut einer NIQ-Business-Confidence-Umfrage waren nur 37 % der Gastronomieführungskräfte optimistisch, was die Geschäftsaussichten für die kommenden zwölf Monate angeht. Hmm, das klingt nicht gerade nach einem Grund zur Feier.
Die Auswirkungen auf verschiedene Segmente
Besonders betroffen ist das Casual-Dining-Segment, das einen der stärksten Rückgänge verzeichnete. Hier ging die Zahl der Standorte um 2,2 % im Vergleich zum Vorjahr zurück. Seit der COVID-19-Pandemie hat sich das Bild noch weiter verschlechtert: Laut NIQ ist das Segment mittlerweile um 23,4 % geschrumpft. Ein trauriges Schicksal, das vielen etablierten Restaurantmarken zugestoßen ist. Immerhin gab es im dritten Quartal 2026 2.436 Schließungen, während nur 2.191 neue Betriebe eröffneten. Oft genug übernahmen diese Neugründungen die Räumlichkeiten der geschlossenen Betriebe, doch das reichte nicht aus, um die Verluste auszugleichen.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Lichtblicke. Im Unterkunftssektor haben lizenzierte Hotels innerhalb eines Jahres um 0,2 % zugelegt, und die Zahl der Ferien- und Caravanparks wuchs sogar um 0,7 %. Diese positiven Entwicklungen sind nicht zu unterschätzen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Reisende nach der Pandemie wieder Inlandsurlaube bevorzugen. Viele suchen nach günstigeren Reiseangeboten, um den steigenden Lebenshaltungskosten entgegenzuwirken. Ein kluger Schachzug, wenn man bedenkt, dass die Briten in der Gastronomie oft mehr ausgeben als je zuvor.
Die wirtschaftliche Relevanz der Gastronomie
Wirtschaftlich betrachtet ist der Gastronomiesektor in Großbritannien von enormer Bedeutung. Mit einer Bruttowertschöpfung von £69,5 Mrd. macht die Branche 2,8 % der britischen Wirtschaftsleistung aus. Zudem sind 176.685 Unternehmen im Unterkunfts- und Gastronomiesektor registriert – das sind 6,5 % aller britischen Unternehmen! Faszinierend, oder? Die kleinen und mittleren Unternehmen stellen 99,6 % dieser Betriebe dar, wobei 97,7 % als Kleinunternehmen gelten. Man fragt sich, wie lange diese kleinen Perlen noch über Wasser gehalten werden können, wenn die Kosten weiter steigen.
Die durchschnittlichen Ausgaben pro Restaurantbesuch sind auf £18,35 gestiegen, was einem Plus von 5,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Komischerweise gehen zwar immer weniger Menschen auswärts essen – die Teilnahmequote liegt bei 53,3 % der Erwachsenen pro Quartal – aber die aktiven Gäste essen durchschnittlich 1,6-mal pro Woche. Das zeigt, dass der Drang nach der geselligen Atmosphäre eines Restaurants trotz aller Widrigkeiten nicht ganz erloschen ist.
Während die Gastronomie mit den Herausforderungen kämpft, bleibt sie ein dynamisches Feld, das sich ständig wandelt. Die Schließungen sind zahlreich, doch gleichzeitig wird auch immer wieder Neues geboren. Inmitten der Unsicherheit – vielleicht ist es gerade diese Ungewissheit, die die Gastronomie so spannend macht.
