Die Sommerhitze, die uns in den letzten Jahren immer mehr zu schaffen macht, hat nicht nur Auswirkungen auf unser persönliches Wohlbefinden, sondern auch auf den Tourismus. Die Alpendestinationen in der Schweiz, wie Luzern, sind auf einmal wieder in den Fokus gerückt. Hitzemüde Touristen, die dem drückenden Klima im Mittelmeer entfliehen wollen, sind auf der Suche nach kühleren Orten. Der Juli 2024 hat das eindrucksvoll gezeigt, als die Temperaturen im Mittelmeerraum in die Höhe schossen und sich die Negativfolgen auf Artenvielfalt und Strandtourismus bemerkbar machten. Die Frage ist: Wie können die Schweizer Destinationen von dieser Entwicklung profitieren?
Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus, sieht das Potenzial klar. Er erwartet, dass die Schweiz aus den extremen Sommertemperaturen in den Mittelmeerdestinationen Kapital schlagen könnte. Das Problem dabei? Viele Schweizer Destinationen sind im Juli und August bereits gut ausgelastet. Die Frage der Kapazitäten wird also immer zentraler. Luzern hat jedoch einiges zu bieten: Die Erlebnisregion Vierwaldstättersee lockt mit einer Fülle an Möglichkeiten, die neuen Gäste zu begeistern.
Die neue Sommerfrische
Schweizer Bergdestinationen sind gefordert, sich auf diese neuen Gästegruppen vorzubereiten. Bergbahnen spielen eine zentrale Rolle, um die Touristen in kühlere Höhen zu bringen. Das Marketing sollte unbedingt die natürlichen Bademöglichkeiten hervorheben, denn die Lust auf ein erfrischendes Bad in einem Bergsee ist ungebrochen. Luzern Tourismus hat bereits einen speziellen Fokus auf Sommerfrischeangebote gelegt, darunter Schwimmen im Vierwaldstättersee und diverse Kulturangebote. Die neu ins Leben gerufene Sommer-Bergkampagne zielt genau darauf ab, die kühlen Bergseen und lauen Sommerabende zu bewerben.
Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Die globale Erwärmung führt zu häufigeren Extremwetterlagen, und die Attraktivität des Mittelmeerraums könnte weiter sinken, wie Fabian Weber vom Competence Center Tourismus an der Hochschule Luzern anmerkt. Die mediterranen Destinationen reagieren darauf, indem sie ihre Saison verlängern und die Infrastruktur im Herbst länger offenhalten. Ein kluger Schachzug, um den Rückgang des Sommergeschäfts zu kompensieren.
Tourismus im globalen Kontext
Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Weltweit wurden 2019 über 1,5 Milliarden Touristenankünfte verzeichnet, wobei Europa die beliebteste Reiseregion ist. Der Tourismussektor hat 10,3% des globalen Bruttosozialprodukts ausgemacht. Das ist eine beeindruckende Zahl, die zeigt, wie wichtig dieser Bereich für die wirtschaftliche Stabilität vieler Länder ist. Doch die Corona-Krise hat die Branche hart getroffen. Für 2024 wird jedoch ein Anstieg der Ankünfte um 2% über dem Niveau vor der Pandemie prognostiziert. Das ist eine positive Wendung!
Der Klimawandel bleibt jedoch die größte Herausforderung für den Tourismussektor im 21. Jahrhundert. Risiken wie Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten und Wetterextreme bedrohen die touristischen Infrastrukturen – insbesondere in Küstenregionen, die für ihre Strände und das milde Klima bekannt sind. Das Mittelmeer, als ein Zentrum des internationalen Tourismus, könnte durch die steigenden Temperaturen und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken für Urlauber an Attraktivität verlieren. Im Jahr 2022 starben allein in Italien und Spanien zehntausende Menschen aufgrund extremer Hitzewellen. Die Wasserversorgung wird zu einem Kernproblem – nicht nur für die Region, sondern auch für die Touristen, die dort Urlaub machen.
Die Prognosen zeigen, dass bei einer Erwärmung um 3-4 °C die Mittelmeerländer mit einem Verlust von Touristen rechnen müssen, während in Mittel- und Nordeuropa ein Anstieg zu erwarten ist. Der Klimawandel führt also zu räumlichen Verlagerungen der Touristenströme, und das sollte die Touristikanbieter in der Schweiz aufhorchen lassen. In Pontresina denkt man bereits über neue Gästegruppen nach, ohne dabei die Qualität der Produkte aus den Augen zu verlieren. Tirol erkennt ebenfalls die Chance, Mittelmeertouristen zu gewinnen, und positioniert sich entsprechend.
Die Natur ist auf unserer Seite. Die Schweizer Berge bieten eine willkommene Abwechslung zur drückenden Hitze, und die Region hat noch Kapazitäten, um mehr Gäste zu empfangen. Die Herausforderung bleibt, die Preisgestaltung im Auge zu behalten, denn viele Mittelmeerdestinationen sind oft günstiger. Die Schweiz hat die Möglichkeit, sich unter dem Schlagwort „Coolcation“ zu positionieren. Es bleibt spannend, wie sich die Touristikanbieter auf diese Trends einstellen werden.