In der Welt der Hotellerie, wo Gastfreundschaft und Service großgeschrieben werden, gibt es eine unsichtbare, aber spürbare Herausforderung: den akuten Fachkräftemangel. Ein Thema, das nicht nur Hoteliers, sondern auch Gäste und die gesamte Branche betrifft. Der europäische Tourismussektor leidet unter einer wachsenden Lücke, die immer schwerer zu schließen ist. Marriott International hat auf diese Situation reagiert, indem sie sich auf die interne Personalentwicklung und Mobilität fokussieren. Die Vision? Aus- und Weiterbildung für die Führungskräfte der nächsten Generation zu fördern. Ein ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass in Europa über zehn Millionen Menschen im Hotel- und Gastgewerbe tätig sind und im Schnitt zehn Prozent der Stellen unbesetzt bleiben.

Hinter diesem Personalmangel stecken verschiedene Ursachen: der demografische Wandel, die Abwanderung talentierter Fachkräfte und nicht zuletzt das oft negative Image der Branche. Viele Mitarbeitende berichten von herausfordernden Arbeitsbedingungen, die nicht gerade einladend wirken. Dazu kommen die gesellschaftlichen Erwartungen an Planbarkeit und Entwicklungsmöglichkeiten, die in der Hotellerie oft nicht erfüllt werden. EcoAustria warnt, dass der anhaltende Personalmangel in Österreich das BIP um 1,2 Milliarden Euro drücken könnte. Ein Grund mehr, die Hintergründe genauer unter die Lupe zu nehmen.

Marriotts Antworten auf den Fachkräftemangel

Marriott hat sich nicht nur dem Problem angenommen, sondern auch konkrete Maßnahmen ergriffen. Sie stellen Mitarbeitende ohne Vorerfahrung ein und bieten ihnen die Möglichkeit, sich intern weiterzuentwickeln. Francisca Martinez, die Chief Human Resources Officer von Marriott, betont, dass viele Positionen ohne tiefgehende Vorkenntnisse erlernbar sind. Das Unternehmen belegt aktuell den 15. Platz auf Fortunes Liste „100 Best Companies to Work For – Europe“. Ein Beweis für die Attraktivität der Marke als Arbeitgeber, auch wenn die Herausforderungen groß sind.

Besonders hervorzuheben sind die Programme „Voyage“ und „Elevate“. Letzteres ist ein sechsmonatiges Training für Frontline-Mitarbeitende, die Managementpositionen anstreben. Bislang haben über 2.600 Mitarbeitende daran teilgenommen, und die Ergebnisse sprechen für sich: Teilnehmer haben eine 2,5-mal höhere Mitarbeiterbindung als nicht teilnehmende Kolleginnen und Kollegen. Ein echter Lichtblick in einer Branche, die von hoher Fluktuation geprägt ist.

Die Herausforderungen bleiben bestehen

Dennoch bleibt die Frage, ob Marriotts Initiativen den strukturellen Fachkräftemangel langfristig mildern können. Die Herausforderungen sind vielschichtig. Die Branche kämpft nicht nur mit unattraktiven Arbeitsbedingungen, sondern auch mit einem großen Bedarf an qualifiziertem Personal, das in der Lage ist, komplexe Systeme zu verstehen und Konflikte zu lösen. Aktuell ist die Personalsituation in den Hotels und Gastronomiebetrieben als „prekär“ zu bezeichnen. Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach ausgebildeten Köchinnen und Köchen, wo allein über 3.400 Stellen offen sind.

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Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. Viele Fachkräfte haben die Branche verlassen oder sich in andere Sektoren orientiert. Aushänge in Hotels und Gastronomiebetrieben belegen den akuten Personalbedarf. In einem Jahr, in dem die Branche auf einen Umsatzrückgang von fast 11 Prozent blickt, ist es umso wichtiger, den Fokus auf die Arbeitgebermarke zu legen. Immerhin fehlen in Deutschland aktuell über 476.730 Fachkräfte, was vier von zehn offenen Stellen betrifft.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die Diskussion über die Attraktivität der Branche wird bleiben. Um die Servicequalität und die Kundenzufriedenheit zu gewährleisten, müssen endlich Anreize für ausländische Arbeitskräfte geschaffen werden. Einige Betriebe setzen bereits Roboter ein, um Personalengpässe zu überbrücken. Aber kann das wirklich die Lösung sein? Oder verlieren wir dabei die menschliche Note, die das Gastgewerbe so besonders macht? Die Frage bleibt offen, während die Hotellerie sich auf die Suche nach geeigneten Lösungen begibt.

Aktuell ist die Stimmung gemischt. Die Branche zeigt sich offen für Quereinsteiger, was neue Perspektiven eröffnen kann. Die Hoffnung bleibt, dass durch gezielte Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie durch ein besseres Arbeitsumfeld die Attraktivität des Sektors als Arbeitgeber nachhaltig gesteigert werden kann. Denn eines ist sicher: Ein starkes Team hinter den Kulissen ist der Schlüssel zu einem unvergesslichen Gästeerlebnis.