Gastgewerbe am Abgrund: Die Suche nach neuen Wegen in turbulenten Zeiten
Die Lage im deutschen Gastgewerbe ist alles andere als rosig. Im Mai 2023 verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang von 7,1 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ein Blick auf die Gesamtzahlen zeigt, dass der Umsatz des gesamten Gastgewerbes – das umfasst Hotellerie, Gastronomie und Catering – um 6,0 % sank. Auch in der Hotellerie selbst gab es ein Minus von 2,8 %. Und wenn man sich die Ausgaben der deutschen Haushalte für Gastronomieleistungen im Urlaub ansieht, wird das Bild nicht besser: Im letzten Jahr gaben die Menschen 5 % weniger aus. Das ist schon ein ganz schöner Dämpfer!
Das schockierende an der Situation ist, dass Inlandsreisen immer mehr den Auslandsreisen vorgezogen werden. Im Vergleich zum Vormonat April gab es im Gastgewerbe einen weiteren Umsatzrückgang von etwa 2 %, während die Gastronomie um 1,9 % einbrach. Und während die Bundesregierung ein historisch hohes Schuldenvolumen von über 525 Milliarden Euro mobilisiert, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern, bleibt die Frage, ob das wirklich die Lösung ist. Besonders, wenn man bedenkt, dass 2022 rund 3.000 Insolvenzen im Gastgewerbe verzeichnet wurden – ein echter Rekord. Dabei gingen etwa 100.000 Arbeitsplätze im letzten Jahr verloren, ein schmerzhafter Verlust für die Branche, die schon seit 2020 mit Problemen kämpft.
Die Schatten der Pandemie
Die COVID-19-Pandemie hat tiefe Spuren im Gastgewerbe hinterlassen. Geschlossene Geschäfte, stornierte Veranstaltungen und Reisebeschränkungen führten zu einem dramatischen Rückgang der Konsumausgaben. Das Vertrauen der Verbraucher in der EU erreichte im April 2020 den tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2009. Es ist kaum zu fassen, dass das verarbeitende Gewerbe im selben Jahr den stärksten Einbruch seit 1992 erlebte. Und während die Gastronomie unter strengen Schutzmaßnahmen litt, sanken die Übernachtungszahlen dramatisch.
Die staatlichen Maßnahmen, wie das Kurzarbeitergeld, haben zwar den Anstieg der Erwerbslosigkeit etwas gemildert, doch die Herausforderungen bleiben enorm. Junge Menschen sind im EU-Durchschnitt mehr als doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen, was in der Gastronomie besonders spürbar ist. Und leider hat sich die Situation nicht gebessert: Die Preise für Erdgas und Mineralölprodukte stiegen, insbesondere seit dem Ukraine-Konflikt, was die Inflation weiter anheizte. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Ausgaben der Menschen – weniger Geld für Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Substanzverluste im Gastgewerbe haben nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Auswirkungen. Die Qualität deutscher Innenstädte leidet unter dem Rückgang der Gastronomie und Hotellerie. Diese Entwicklungen betreffen nicht nur die Branche selbst, sondern auch die Menschen, die in diesen Städten leben und arbeiten. In einem Land, in dem 7 % des Bruttoinlandsprodukts als Subventionen in staatsnahe Wirtschaftsordnungen fließen, stellt sich die Frage: Wo bleibt der Anreiz zur Revitalisierung der Gastronomie?
Wenn wir uns die aktuellen Entwicklungen anschauen, wird klar, dass die Herausforderungen für die Branche weiterhin groß sind. Der Rückgang von Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie seit 2019 und die Unsicherheiten in der Automobilindustrie schaffen ein wirtschaftliches Klima, das auch das Gastgewerbe nicht unberührt lässt. Die Situation erfordert kreative Lösungen und einen unkonventionellen Ansatz, um die Gastronomie und Hotellerie wieder in Schwung zu bringen. Wir können nur hoffen, dass sich in den kommenden Monaten und Jahren positive Entwicklungen zeigen werden, die den Menschen wieder Freude an gemeinsamen Erlebnissen in der Gastronomie bringen.
