In der heutigen Hotellerie stehen viele Hotels vor einem Dilemma. Die Rahmenbedingungen haben sich drastisch verändert: steigende Kosten, Fachkräftemangel und eine zunehmende operative Komplexität machen es schwer, den Betrieb am Laufen zu halten. Ein Beispiel für die Herausforderungen, mit denen die Branche konfrontiert ist, ist die Situation bei BWH Hotels Central Europe, einem Teil der DEHAG Hospitality Group und Eigentümerin der Marke Best Western. Hier wird klar, dass die Vermarktung von Hotels nicht mehr „nebenbei“ gelöst werden kann. Es bedarf einer durchdachten Strategie, bei der Vertrieb, Digitalisierung und operative Prozesse ineinandergreifen und gleichzeitig funktionieren müssen.
Die Rolle von Franchiseanbietern hat sich in diesem Kontext ebenfalls gewandelt. Es reicht nicht mehr aus, einfach nur als Marke oder Plattform zu agieren. Die BWH Hotels positioniert sich zwischen klassischer Kooperation und Kette, um sowohl die unternehmerische Freiheit der Hotels zu wahren als auch Unterstützung im Alltag zu bieten. Dazu hat die Organisation das PRO Konzept (Property Relationship Optimization) entwickelt, das die Zusammenarbeit mit Partnerhotels neu ausrichtet. Ein PRO Team aus fünf Mitarbeitenden arbeitet direkt mit den Hotels zusammen, analysiert Kennzahlen und entwickelt gezielte Maßnahmen, um Prozesse effizienter zu gestalten und Wissenslücken zu schließen, die durch den Fachkräftemangel entstanden sind.
Fachkräftemangel als zentrales Problem
Der Fachkräftemangel stellt ein zentrales Problem dar, das viele Hotels betrifft. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen, die qualifizierte Fachkrafttätigkeiten suchen, ist auf die Hälfte des Vor-Corona-Werts gesunken. Trotz der steigenden Zahl offener Stellen liegt diese jedoch weiterhin unter dem Wert vor der Pandemie. Besonders in bestimmten Berufen gibt es Engpässe, die durch ein gesunkenes Arbeitsangebot bedingt sind. Der Rückgang neuer Beschäftigungsverhältnisse in der Hotel- und Gastronomiebranche ist ebenfalls alarmierend: von 126.000 Wechseln im Jahr 2019 auf nur 74.000 im Jahr 2021.
Die Situation wird durch die sinkende Zahl der Bewerber für Ausbildungsstellen in Hotel- und Gaststättenberufen noch verschärft. Diese ist von 33.000 im Jahr 2009 auf lediglich 12.000 im Jahr 2022 gefallen. Auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen ist rückläufig, was sich in einem Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen von 21,5 % bei Kaufleuten für Hotelmanagement und 18,3 % in der Systemgastronomie niederschlägt. Im Vergleich dazu liegt der Anteil unbesetzter Stellen über alle Berufe hinweg bei nur 12,6 %.
Integration von Digitalisierung und KI
Ein weiterer Aspekt, der für die Zukunft der Hotellerie entscheidend sein wird, ist die Integration von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Diskussion hat sich mittlerweile von „Ob“ auf „Wie“ verlagert. Über 70 % der Hotels halten KI für wichtig für ihren Erfolg in den kommenden zwei Jahren. Dennoch gibt es eine signifikante Lücke zwischen dem Bewusstsein für KI und der formalen strategischen Umsetzung. Fast 40 % der Befragten diskutieren KI im Rahmen breiterer Digitalisierungsbemühungen, jedoch haben nur 9 % KI-Themen in einem formalen Strategiedokument verankert. Diese Trägheit kann zur sogenannten KI-„Experimentierfalle“ führen und muss dringend überwunden werden.
Insgesamt zeigt sich, dass Hotels heute mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert sind, die ein neues Denken und Handeln erfordern. Die Balance zwischen Systemunterstützung und individueller Gastgeberkultur wird als entscheidend für die Zukunft der Branche angesehen. Die DEHAG Hospitality Group und ihre Marken bieten hier eine wichtige Unterstützung, um Hotels in dieser komplexen Landschaft zu navigieren und gleichzeitig ihre unternehmerische Eigenständigkeit zu bewahren.