Heute ist der 28.05.2026 und die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA hätte nicht größer sein können. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Die Erwartungen der Hotelbranche werden nicht erfüllt. In den elf US-Spielorten, die Gastgeber dieser Mega-Veranstaltung sind, herrscht eine spürbare Zurückhaltung, die viele Betreiber in den gastgebenden Städten überrascht. Die Buchungslage ist schwächer als prognostiziert, und das nicht nur in einer Stadt, sondern in vielen. San Francisco, Seattle, Philadelphia und Boston sind besonders betroffen. Die Umfrage der American Hotel and Lodging Association (AHLA) zeigt, dass etwa 80 % der befragten Hotels von einer geringeren Nachfrage berichten. Das wirft einige Fragen auf.
Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Zum einen gibt es die Hürden bei den Visabestimmungen und die Unsicherheiten bei Grenzkontrollen, die internationale Reisende abschrecken. Lange Wartezeiten für Visa und die unklaren Einreiseverfahren tragen ebenso zur Zurückhaltung bei. Politische Rhetorik zur Einwanderungspolitik könnte potenzielle Gäste weiter verunsichern. Und als ob das nicht genug wäre, ziehen gestiegene Reisekosten – wie höhere Flugpreise und Treibstoffkosten – viele Fans davon ab, längere Aufenthalte oder hochpreisige Hotels zu buchen. In großen Metropolen wie New York und Los Angeles liegt die Auslastung unter den Erwartungen, so berichten rund zwei Drittel der Befragten in New York City von Buchungszahlen, die eher der normalen Sommernachfrage entsprechen.
Betriebliche Herausforderungen
Die operativen Folgen sind für die Hotelbetriebe nicht zu übersehen. Viele haben ihre Investitionen ausgebremst und setzen WM-bezogene Angebote sowie Renovierungen aus. Die Sorge um geringere Steuereinnahmen und wirtschaftliche Impulse, die von der FIFA angekündigt wurden, ist groß. In Kansas City berichten sogar 85-90 % der Befragten von Buchungsaufkommen, das weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Und das, obwohl die FIFA umfangreiche Hotelkontingente im Voraus reserviert hat, die später teilweise storniert wurden. Das hat die Planung für viele Betreiber zusätzlich erschwert.
Ein weiterer Aspekt, der die Branche zum Nachdenken bringt: Die optimistischen Prognosen stimmen einfach nicht mit den aktuellen Buchungszahlen überein. Die Erkenntnis, dass die Ausrichtung einer Großveranstaltung nicht automatisch eine hohe Auslastung garantiert, ist schmerzhaft. Entscheidend für eine erfolgreiche Ertragsstrategie sind nicht nur die Erreichbarkeit des Reiseziels und das Vertrauen der Reisenden, sondern auch die Wahrnehmung des Standorts spielt eine große Rolle. Und das ist beim Blick auf die aktuelle Lage mehr als nur ein Schlag ins Gesicht.
Blick in die Zukunft
Einige Städte zeigen sich jedoch optimistischer. In Atlanta beispielsweise melden rund 50 % der befragten Hotels ein Buchungsniveau, das den Erwartungen entspricht oder diese gar übertrifft. Auch Miami berichtet von 55 % der Hotels, die ein Buchungsniveau über den Erwartungen und typischen Sommer-Benchmarks verzeichnen. Trotz dieser Lichtblicke bleibt die Frage, ob die Herausforderungen, die die Hotelbranche zur WM 2026 erlebt, nicht auch auf zukünftige Großereignisse wie die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles zutreffen könnten.
Die Hotelbranche fordert dringlich bessere Rahmenbedingungen, niedrigere Kosten und einfachere Einreiseprozesse, um die internationale Nachfrage zu stimulieren. Denn nur so kann das Potenzial dieser Großveranstaltungen wirklich ausgeschöpft werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird und ob die Reisenden ihren Mut zum Reisen wiederfinden werden. Die Zeit wird es zeigen, aber die Unsicherheiten sind derzeit mehr als nur ein kleiner Schatten auf dem Spielfeld.