Die Stimmung in der Hotel- und Gastronomiebranche ist gemischt. Auf der einen Seite gibt es erfreuliche Auslastungszahlen, auf der anderen Seite schlagen viele Betriebe Alarm. Trotz voller Betten und gut besuchter Restaurants geraten zahlreiche Hotels und gastronomische Einrichtungen wirtschaftlich unter Druck. Ein Treffen von Branchenvertretern aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein und Südtirol in Innsbruck hat gezeigt: Es gibt Probleme, die länderübergreifend ähnlich sind, auch wenn die Rahmenbedingungen variieren.
Gestiegene Energie-, Personal- und Einkaufskosten sind nur einige der Herausforderungen, mit denen die Betriebe kämpfen. Hinzu kommt eine spürbare Zurückhaltung der Gäste beim Ausgeben. Viele sparen beim Zusatzkonsum – sei es beim Dessert, einem extra Drink oder entspannenden Wellnessanwendungen. Der Rückgang in diesen Bereichen sorgt für schleichende Umsatzverluste, die sich nicht mehr einfach durch volle Tische oder Zimmer kompensieren lassen. Außerdem ist der Trend zu beobachten, dass traditionelle Gasthäuser in mehreren Ländern abnehmen und die Nachtgastronomie sinkende Besucherzahlen verzeichnet. Dies hat viel mit dem veränderten Freizeit- und Ausgehverhalten der Menschen zu tun, das durch demografische Entwicklungen noch verstärkt wird.
Herausforderungen im Überblick
Die Herausforderungen, die die Branche derzeit prägen, sind vielfältig. Finanzielle Engpässe nach den pandemiebedingten Einschränkungen, die Energiekrise mit ihren steigenden Betriebskosten und ein eklatanter Fachkräftemangel – 2023 konnten über 80% der Betriebe offene Stellen nicht besetzen, wie die DEHOGA berichtet. Diese Probleme führen nicht nur zu sinkenden Umsätzen, sondern auch zu einem strukturellen Wandel in den Innenstädten. Der Rückgang der Mittagskundschaft durch Homeoffice zeigt deutlich, wie sich die Gewohnheiten der Menschen ändern.
Ein weiteres alarmierendes Zeichen ist das „Restaurantsterben“: Zwischen 2019 und 2023 ist die Zahl der Gastronomiebetriebe um etwa 12% gesunken. Die Branche ist gefordert, innovative Konzepte zu entwickeln, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Hybride Konzepte, bei denen tagsüber Coworking und abends Gastronomie stattfindet, oder die Digitalisierung und Automatisierung – all das sind Trends, die als Antworten auf die aktuellen Probleme erarbeitet werden.
Neue Ansätze und Möglichkeiten
Die Zukunft könnte aber auch Lichtblicke bieten. Nachhaltigkeit und Regionalität gewinnen an Bedeutung; lokale Lieferketten und Zero-Waste-Ansätze sind mittlerweile nicht nur schicke Schlagworte, sondern echte Erfolgsfaktoren. Experience Dining wird ebenfalls immer wichtiger – Pop-up-Konzepte und interaktive Kochformate sind nur zwei Beispiele dafür, wie Gastronomie neu gedacht werden kann. Die Grenzen zwischen Gastronomie, Einzelhandel, Eventbusiness und sozialen Räumen verschwimmen zunehmend. Delivery und To-Go-Formate sind längst mehr als nur ein Nebenprodukt, sie entwickeln sich zu eigenständigen Geschäftszweigen, wie etwa Ghost Kitchens zeigen.
Um den Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, müssen Beratende in der Gastronomie ihre Ansätze überdenken. Eine ganzheitliche Analyse unter Berücksichtigung regionaler Trends und Zielgruppenverhalten ist unerlässlich. Statt Standardlösungen sollten individuelle, maßgeschneiderte Konzepte entwickelt werden. Der Aufbau von Kompetenzen und Teamentwicklung zur Stärkung der Arbeitgeberattraktivität sind weitere zentrale Punkte. Auch das Wissen um Fördermittel zur Unterstützung von Investitionen spielt eine immer wichtigere Rolle.
Der Weg nach vorn
Die Diskussion in Innsbruck hat klar gemacht, dass politische Maßnahmen zur Kostenreduktion und Entlastung der Betriebe gefordert werden. Gleichzeitig ist die Stärkung des Branchenimages und die Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit ein zentrales Thema. Der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren der Branche ist essenziell, um die Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Ein Treffen mit 27 Teilnehmenden hat gezeigt, wie wichtig diese Zusammenarbeit ist.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Branche weiterentwickelt. Mit der richtigen Strategie, einem offenen Ohr für die Bedürfnisse der Gäste und innovativen Ideen kann die Gastronomie in Deutschland, Österreich und darüber hinaus wieder aufblühen. Weitere Informationen über Trends und Entwicklungen in der Gastronomie sind auf Hoga Presse zu finden.