Heute ist der 21.06.2026, und während wir uns in der Hotelbranche auf die bevorstehenden Sommermonate vorbereiten, gibt es einen Aspekt, der nicht nur die Politik, sondern auch die Hotellerie betrifft: das Faszinosum der Volksabstimmungen. In der Schweiz ist die direkte Demokratie ein zentrales Element, das den Bürger:innen erlaubt, mitzureden und mitzubestimmen. Doch was passiert, wenn man verliert? Wie geht man mit Niederlagen um? Die Reaktionen sind vielfältig und oft emotional.

Nach dem klaren Nein zur 10-Millionen-Initiative reagierte die SVP auf eine Weise, die die Hotellerie direkt betrifft: Sie verweigerte den Mehrwertsteuer-Rabatt für Hotels. SVP-Sprecher im Nationalrat betonte, dass vor allem städtische Gebiete von solchen Rabatten profitieren würden, was für viele in der Branche wie ein Schlag ins Gesicht wirken kann. Besonders in Zeiten, in denen die Branche auf jede Unterstützung angewiesen ist, hinterlässt solch eine Entscheidung ihre Spuren. Die Reaktionen auf solche Abstimmungen sind nicht nur politisch, sie beeinflussen auch ganz konkret das wirtschaftliche Umfeld.

Fünf Phasen der Trauer in der Politik

Ähnlich wie in der Psychologie gibt es auch in der Politik fünf Phasen der Trauer, die oft nach verlorenen Abstimmungen durchlebt werden. Man könnte fast sagen, dass diese Phasen wie die Wellen des Meeres kommen und gehen. Man beginnt mit der Leugnung – wie Adrian Gasser, der nach seiner Niederlage zur Justizinitiative eine Wiederholung der Abstimmung forderte, weil er die Wähler für fehlinformiert hielt. Es ist fast komisch, aber auch tragisch, wie die Emotionen die Akteure in ihren Entscheidungen leiten.

Dann kommt der Ärger. SVP-Nationalrat Andreas Glarner zum Beispiel forderte, dass die Kantone, die die 10-Millionen-Initiative ablehnten, mehr Asylsuchende aufnehmen sollten. Ein unkonventioneller Vorschlag, der die Wogen noch weiter aufwühlte. Und dann gibt es da noch die Akzeptanz – oder besser gesagt, die scheinbare Akzeptanz. Es ist oft nur ein Vorwand, um bei der nächsten Gelegenheit wieder zuzuschlagen. Christian Levrat, der frühere SP-Chef, wollte nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative kleinere Zuwanderungskontingente für Landkantone festlegen. Ein klassisches Beispiel dafür, wie aus Verlierern neue Strategen entstehen können.

Die Kraft der direkten Demokratie

Die Schweiz ist bekannt für ihr hohes Maß an direkter Bürgerbeteiligung. Tatsächlich fanden mehr als die Hälfte aller nationalen Volksabstimmungen weltweit in der Schweiz statt. In der Regel stimmen die Bürger:innen viermal pro Jahr ab! Das ist eine enorme Verantwortung, die auf den Schultern der Stimmberechtigten lastet. Kein Wunder, dass die Emotionen nach einer Niederlage so hochkochen. Dennoch ist es die Möglichkeit, sich zu äußern, die den Bürger:innen eine Stimme gibt. Ob durch Volksinitiativen oder Referenden – der Einfluss auf die Politik ist spürbar.

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Die Anforderungen sind klar: Um eine Volksinitiative einzubringen, sind 100.000 Unterschriften innerhalb von 18 Monaten nötig. Und für ein fakultatives Referendum müssen 50.000 Unterschriften innerhalb von 100 Tagen gesammelt werden. Das erfordert Organisationstalent und eine Menge Engagement – Eigenschaften, die auch in der Hotellerie von entscheidender Bedeutung sind. Die Herausforderung, die eigene Stimme zu erheben und Gehör zu finden, ist nicht nur politisch, sondern auch unternehmerisch relevant.

Ein Blick über die Grenze

Im Vergleich dazu ist die direkte Demokratie in Deutschland oft restriktiver. Während auf Länderebene seit 1998 Volksgesetzgebung existiert, ist das Initiativrecht auf Bundesebene stark eingeschränkt. Und während in der Schweiz Abstimmungen nicht obligatorisch sind, gibt es in Deutschland noch immer Debatten über die Ausgestaltung der Bürgerbeteiligung. Es ist faszinierend zu beobachten, wie unterschiedlich die Ansätze in den Nachbarländern sind.

Doch zurück zur Schweiz: Hier ist Abstimmen nicht nur ein Recht, sondern Teil der nationalen Identität. Mit dem obligaten und fakultativen Referendum sowie der Volksinitiative hat das Land ein System geschaffen, das auch in Zukunft neue Ideen und Perspektiven hervorbringen wird. Und wo es Ideen gibt, gibt es auch Chancen für die Hotellerie, diese Veränderungen zu nutzen.