Es gibt Geschichten, die das Herz höher schlagen lassen. Da ist Claude Hurard, ein 69-jähriger Schweizer, der vor 48 Jahren seine Zelte in der Heimat abbrach, um in Paraguay Fuß zu fassen. Die Gründe waren so vielfältig wie tiefgreifend: Bedrohungen durch Russland in Europa und die erdrückende Steuerlast in der Schweiz trieben ihn in ein neues Leben. Heute ist er stolzer Besitzer des „Maison Suisse“ in Villa Morra, Asunción. Hier ist er nicht nur Hotelier, sondern auch Teil einer lebendigen Gemeinschaft von etwa 1.200 Schweizern, die in Paraguay ein neues Zuhause gefunden haben.
Hurard begann seine Reise als Landwirt in San Cristóbal, Alto Paraná, wo er mit 500 Hektar Wald und 600 Rindern startete. Nach 12 Jahren in der Agrarwelt wagte er den Sprung in die Immobilienbranche, bevor sein Traum vom eigenen Hotel Wirklichkeit wurde. Das „Maison Suisse“ begann vor 19 Jahren bescheiden mit drei Zimmern und erlebte seither eine bemerkenswerte Entwicklung, auch wenn die COVID-19-Pandemie ihm einige Herausforderungen auferlegte. Nach der Krise wurde das Hotel in ein Aparthotel umgewandelt, das nun eine Vielzahl von Unterkunftsoptionen bietet.
Ein Leben in Paraguay
Claude Hurard hat keine Pläne, in die Schweiz zurückzukehren. Seine paraguayische Frau und die vier paraguayischen Kinder sind ein fester Bestandteil seines Lebens. Hier hat er die Freiheit gefunden, zu wachsen und seine Träume zu verwirklichen. Das Leben in Paraguay ist für viele Auswanderer attraktiv, nicht zuletzt wegen der offenen Gesellschaft und der stabilen politischen Lage. Gleichzeitig gibt es auch Herausforderungen, vor allem im Bereich des Gesundheitssystems. Während das öffentliche Gesundheitssystem kostenlos ist, variiert die Qualität erheblich. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte eine geeignete Krankenversicherung abschließen, um im Notfall gut versorgt zu sein.
Medizinische Fachkräfte mit europäischer Ausbildung arbeiten vor allem in privaten Einrichtungen, die in größeren Städten wie Asunción moderne Ausstattungen bieten. Aber auch hier gibt es Unterschiede: In ländlichen Gebieten ist die Infrastruktur oft begrenzt. Wer also in Paraguay lebt oder plant, dorthin zu ziehen, sollte sich auch auf Naturkatastrophen vorbereiten. Überschwemmungen und Dürreperioden sind häufige Risiken, besonders in der Regenzeit von Oktober bis März. Die paraguayische Regierung hat zwar ein staatliches Notfallsystem etabliert, doch Eigenvorsorge kann nie schaden.
Die deutsche Gemeinschaft in Paraguay
Hohenau, ein Ort, der für seine deutsche Gemeinde bekannt ist, erlebt gerade einen Bauboom. Viele Neuankömmlinge, die wegen hoher Steuern und Überregulierung in Deutschland geflohen sind, suchen hier nach einem neuen Leben. Hans Töpfer, ein deutscher Informatiker, ist ein Beispiel dafür. Er lebt auf einer selbstgebauten Insel in einem Teich und genießt das gute Klima sowie die enge Gemeinschaft, die von deutschen Einwanderern geprägt ist. Der Trend zur Auswanderung hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere während der COVID-Pandemie, als Paraguay für viele Europäer ein attraktives Ziel wurde.
In Hohenau gibt es auch Neubausiedlungen wie „Esperanza“, in denen ausschließlich deutschsprachige Kinder unterrichtet werden. Dies zeigt, wie sich die deutschen Gemeinschaften hier organisieren. Doch nicht alles ist unbeschwert: Einige Neuankömmlinge kämpfen mit Sprachbarrieren und finden es schwierig, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Trotzdem ist die Offenheit der paraguayischen Bevölkerung gegenüber Deutschsprachigen bemerkenswert. Es gibt ein positives Image von Deutschland, und viele Auswanderer berichten von freundlichen Begegnungen.
Paraguay ist ein Land mit Potenzial. Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren verbessert, und es gibt viele Möglichkeiten für Investitionen und geschäftliche Entfaltung. Dennoch ist es ratsam, sich im Vorfeld gut zu informieren und sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen. Ein solides finanzielles Fundament für mindestens 12 Monate ist empfehlenswert, um den Start in ein neues Leben zu erleichtern. Wer in Paraguay Fuß fassen möchte, sollte sich auch rechtzeitig um Anerkennung von Abschlüssen kümmern und die spanische oder guaranische Sprache lernen.