Wiener Ortstaxe: Zwischen Protest und Perspektiven – Was die Hotellerie erwartet
In den letzten Wochen hat die Wiener Ortstaxe für viel Gesprächsstoff gesorgt. Die Finanzstadträtin Barbara Novak von der SPÖ hat die Erhöhung der Abgabe auf 8 % vehement verteidigt. Diese Entscheidung, die ab Juli 2027 in Kraft treten soll, kommt nicht ohne Widerstand aus der Hotellerie. Irgendwie war die Reaktion der Branche überraschend, denn die Staffelung der Abgabe wurde bereits im September 2025 in Abstimmung mit Branchenvertretern, der Wirtschaftskammer Wien und der ÖHV beschlossen. Da fragt man sich doch, ob alle wirklich mit offenen Augen durch die Gegend gelaufen sind!
Ab Juli 2026 wird die Ortstaxe in Wien von derzeit 3,2 % auf 5 % steigen. Viele Hoteliers sind jedoch besorgt. Sie warnen vor sinkenden Erträgen und existenzbedrohenden Folgen. Der Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner sieht das anders. Er verweist auf die hohe Hotelauslastung während großer medizinischer Kongresse und unterstützt die Erhöhung. Aber kann das wirklich die Sorgen der Hotelier-Kollegen zerstreuen?
Die Details der Erhöhung
Die Einnahmen aus der Ortstaxe werden für 2024 auf geschätzte 41,1 Millionen Euro beziffert, während man ab 2027 mit jährlichen Erlösen von knapp 94 Millionen Euro rechnet. Das klingt erstmal nach einer soliden Finanzierung, aber was ist mit den Hoteliers? Über 80 % der Nächtigungsgäste in Wien kommen aus dem Ausland, und die Abgabe ist nicht ausschließlich für touristische Zwecke vorgesehen. Die Branche fordert daher, dass die Mittel gezielt für touristische Zwecke verwendet werden. Ein verständlicher Wunsch, oder?
Angesichts der hohen Kosten, die mit der Hotellerie verbunden sind, ist eine Erhöhung der Abgabe auf 8 % nicht gerade das, was sich viele Hoteliers gewünscht hätten. Die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien und die ÖHV fordern daher die Absage dieser Erhöhung und einen Fixbetrag. „Höhere Preise könnten den Standort Wien verteuern“, argumentieren sie. Zudem haben sie ein Berechnungsbeispiel zur Ortstaxe erstellt, das aufzeigt, wie sich die Erhöhung auf die Zimmerpreise auswirken könnte.
Berechnungsbeispiele und Auswirkungen
Ein Beispiel zur Berechnung der Ortstaxe ab dem 1. Juli 2027 zeigt, dass bei einem Beherbergungsentgelt von 130 Euro, abzüglich der Frühstückskosten von 17,15 Euro, die Ortstaxe bei 8 % immerhin 7,65 Euro betragen würde. So wird der Nächtigungsgrundpreis auf 95,64 Euro gedrückt. Die Gäste, die in Wien übernachten, müssen diese Abgabe entrichten – es sei denn, sie sind minderjährig oder studieren in Wien. Aber selbst dann bleibt der Druck auf die Hoteliers bestehen, die die Abgabe bei den Gästen einheben müssen. Ein weiterer Punkt, der den Hoteliers Sorgen bereitet, ist der Wegfall eines Pauschalabzugs von der Berechnungsbasis. Das schmerzt!
Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Im August 2026 sank die Auslastung im Vergleich zum Vorjahr, und der durchschnittliche Zimmerpreis fiel ebenfalls. Die Kosten steigen, während die Erlöse trotz Rekordnächtigungen zurückgehen. Irgendwie ein Teufelskreis, der die Hoteliers in eine schwierige Lage bringt. Und das in einer Stadt, die sich gerade mit ihrer hohen Attraktivität und kulturellen Vielfalt brüstet.
Regulierung der Kurzzeitvermietungen
Ein weiterer Faktor, der die Branche betreffen könnte, ist die geplante Verschärfung der Regulierung von Kurzzeitvermietungen. Die Stadt Wien plant, hier strenger vorzugehen, was möglicherweise zusätzliche Gäste für die gewerbliche Hotellerie erwarten lässt. Doch ob das die Sorgen der Hoteliers mildert? Das wird sich zeigen müssen.
Die Ortstaxe ist ein Thema, das uns alle betrifft – Gäste wie Hoteliers. Die Stadt Wien hat klare Fristen für die Abgabe festgelegt, und die Regelungen sind nicht gerade einfach zu durchschauen. Am Ende bleibt die Frage, wie sich all das auf den charmanten Charakter der Stadt und die Erlebnisse der Gäste auswirken wird. Vielleicht ist eine gute alte Wiener Gemütlichkeit genau das, was wir jetzt brauchen – und ein bisschen weniger Bürokratie.
