Kampf um die Wahrheit: Die Schattenseiten der Online-Bewertungen im Gastgewerbe
Heute ist der 20.07.2026 und in den letzten Jahren hat sich die Welt der Online-Bewertungen wie ein Keks im Ofen verändert – sie sind aufgeplustert und manch einer fragt sich, ob sie vielleicht sogar etwas „überbacken“ sind. Immer mehr Menschen nutzen Google Maps, um Restaurants oder Hotels ausfindig zu machen. Dabei spielt die Bewertung eine entscheidende Rolle. Die Zahl der Löschungen von Bewertungen, vor allem in Großstädten wie Berlin, Köln und Frankfurt am Main, ist dabei regelrecht explodiert. Eine Stichprobe zeigt, dass fast jedes dritte Hotel oder Restaurant in diesen Städten Bewertungen hat löschen lassen. In kleineren Städten ist die Löschrate deutlich geringer, was die Frage aufwirft: Ist die Luft hier einfach dünner oder gibt es andere Gründe für diese Diskrepanz?
Betriebe argumentieren, dass sie nur gegen beleidigende oder erfundene Bewertungen vorgehen. Aber wie oft ist das wirklich der Fall? Verbraucherschützer warnen, dass immer mehr Hotels und Restaurants rechtliche Schritte gegen Bewertungen einleiten, oft mit Unterstützung von Anwaltskanzleien. Die Verfasser müssen dann häufig nachweisen, dass sie tatsächlich im betreffenden Betrieb waren – sozusagen den „Beweis der Echtheit“ antreten, beispielsweise durch Quittungen. Ein mühsamer Prozess, der oft in einem rechtlichen Scherbenhaufen endet.
Wachsende Löschungsraten in Deutschland
Die Zahlen sprechen für sich: Im ersten Halbjahr 2026 wurden europaweit über 756.500 Beiträge auf Google Maps wegen „illegalem Inhalts“ gelöscht – und fast 99,9 Prozent dieser Löschungen stammen aus Deutschland. Das ist schon ein starkes Stück! Google hat in Deutschland spezielle Hinweise eingeführt, um Transparenz zu schaffen. Der Konzern führt die hohe Zahl an Beschwerden wegen Diffamierung nach deutschem Recht als Grund für die zahlreichen Löschungen an. Und es wird nicht nur gelöscht, sondern auch immer häufiger auf die Entfernung von Bewertungen hingewiesen, was nicht gerade ein gutes Licht auf die Gastgewerbe wirft.
Der Geschäftsführer des Dehoga-Bundesverbands, Jürgen Benad, betont die Wichtigkeit von sachlicher Kritik. Er fordert eine klare Trennung zwischen legitimer Kritik und missbräuchlichen Inhalten, denn wo bleibt da die Fairness? Es gibt Berichte über Gaststätten, die Druck durch angedrohte schlechte Bewertungen erfahren haben. Eine unschöne Entwicklung, die das Vertrauen in die Bewertungslandschaft nicht gerade stärkt.
Rechtsprechung und ihre Auswirkungen
Die Bedeutung von Online-Bewertungen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat Grundsätze für den Umgang mit problematischen Bewertungen geschaffen, die die Rechte von Unternehmen und Freiberuflern stärken. Eine Entscheidung vom 9. August 2022 präzisiert die Pflichten von Bewertungsportalen. Unternehmen können nun Zweifel an der Echtheit einer Bewertung äußern, was Prüf- und Offenbarungspflichten des Bewertungsportals auslöst. Das heißt, die Plattformen müssen aktiv werden und den Bewertenden kontaktieren. Negative Bewertungen von Nichtkunden sind nun unzulässig – eine klare Ansage!
Unternehmen müssen allerdings konkrete Anhaltspunkte für ihre Echtheitsrüge vorlegen; pauschale Behauptungen sind nicht ausreichend. Die Beweislast liegt dann bei den Bewertenden. Das klingt nach einem ganz schönen bürokratischen Aufwand. Diese Entwicklungen haben auch weitreichende Auswirkungen auf das Reputationsmanagement von Hotels und Restaurants. Die Löschungsverfahren können sich ziehen wie Kaugummi und erfordern eine sorgfältige Dokumentation, um Löschansprüche geltend zu machen. Und das alles, während die Zeit vergeht und die Konkurrenz nicht schläft.
Während die Branche sich mit diesen Herausforderungen auseinandersetzt, wird auch über die Zukunft der Bewertungen nachgedacht. Mit dem Aufkommen von KI-generierten Bewertungen und Video-Bewertungen wird es spannend zu sehen, wie sich die rechtlichen Rahmenbedingungen entwickeln. Eins ist sicher: Der Umgang mit Bewertungen ist ein Spiel mit vielen Facetten und bleibt auch weiterhin ein heißes Thema in der Gastronomie und Hotellerie. So oder so – die Welt der Bewertungen wird uns noch lange beschäftigen!
