Ferienmessen 2027: Aufbruchstimmung und Herausforderungen in der Schweizer Reisebranche
Die Reisebranche nimmt langsam wieder Fahrt auf, und die Vorbereitungen für die Ferienmessen 2027 in Bern und Zürich laufen auf Hochtouren. Die Organisatoren sind dabei, die letzten Details zu klären und warten gespannt auf die Zusagen der größten Schweizer Reiseveranstalter. Dabei ist die Zeit drängend, denn die Anmeldungen zu vergünstigten Konditionen liefen bis Ende Juni. Mario Kovacevic, der Leiter der Ferienmesse Bern, zeigt sich bisher zufrieden mit den Tendenzen und zieht eine positive Zwischenbilanz nach Ablauf des Frühbucherrabatts. Doch es bleibt spannend, denn konkrete Zahlen oder Namen von Reiseveranstaltern wie Dertour Suisse, TUI Suisse oder Globetrotter wurden bislang nicht öffentlich gemacht.
Die Organisatoren setzen auf persönliche Gespräche und gezielte Marketingmaßnahmen, um weitere Unternehmen ins Boot zu holen. Besonders interessant ist die Rückkehr von TUI Suisse, die sich 2025 aus den Ferienmessen zurückgezogen hatten – damals aus wirtschaftlichen Überlegungen. Jetzt könnte die neue CEO, Nicole Pfammatter, frischen Wind bringen und eine Rückkehr zur Messe ermöglichen. Gleichzeitig prüft Dertour Suisse nach der Übernahme von Hotelplan seine Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Amélie Schnidrig von Dertour Suisse betont, wie wichtig Ferienmessen für die Markenpräsentation und den direkten Kundenkontakt sind. Die Entscheidung über die Teilnahme steht jedoch noch aus – der Druck auf die großen Reiseveranstalter wächst.
Stellenabbau und Veränderungen bei Dertour Suisse
Die Situation bei Dertour Suisse ist alles andere als unproblematisch. Nach der Übernahme der Hotelplan Group plant das Unternehmen einen Stellenabbau, von dem rund 250 Mitarbeiter betroffen sind. Die Umsetzung soll bis Ende 2027 erfolgen und die betroffenen Bereiche werden erst nach Abschluss der gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahren bekannt gegeben. Es ist eine ungewisse Zeit, denn trotz der Ankündigung, dass bestehende Reiseangebote fortgeführt werden, besteht die Sorge, wie sich die Veränderungen auf die Mitarbeitenden und die Qualität der Dienstleistungen auswirken werden. Ein umfassender Sozialplan für die direkt betroffenen Mitarbeitenden wird jedoch in Aussicht gestellt, was ein kleiner Lichtblick in dieser angespannten Situation ist.
Die Marken Hotelplan und Kuoni bleiben mit ihren eigenen Identitäten und etwa 120 Filialen in der Schweiz präsent, was Hoffnung gibt, dass die Tradition der Reisewelt in der Schweiz nicht ganz verloren geht. Eine gemeinsame Plattform für Einkauf und Produktion soll die Abläufe bündeln und damit Effizienz schaffen. Aber die Frage bleibt: Wie wird dieser Umbau die Reisebranche langfristig beeinflussen?
Die Bedeutung der Ferienmessen
Walter Fink, der Inhaber von Rolf Meier Reisen, sieht in den Ferienmessen trotz leicht rückläufiger Besucherzahlen einen wichtigen Ort, um neue Kunden zu gewinnen und bestehende Kontakte zu pflegen. Die Messen bieten einen direkten Draht zur Kundschaft und sind für Reiseveranstalter unverzichtbar, um aktuelle Trends zu erkennen. Das steigende Interesse an umweltfreundlichen Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und individuellen Aktivreisen spiegelt sich in den Angeboten für die Saison 2025 wider. Auch Denise Millen, Marketingchefin von Vögele Reisen, zieht eine positive Bilanz – besonders die Pflege von Stammkunden gelingt an Wochentagen gut, während an den Wochenenden das neue Publikum im Fokus steht.
Die Herausforderungen sind groß, aber die Möglichkeit, wertvolle Insights für zukünftige Maßnahmen zu sammeln, macht die Messen zu einer unersetzlichen Plattform. Manuel Posch von Universal Mallorca Travel hebt den direkten Kontakt mit den Stammkunden hervor und zeigt sich zufrieden mit den Messebuchungen. Auch wenn die Buchungsziele nicht immer ganz erreicht wurden, ist die Nachfrage nach den präsentierten Reisezielen spürbar angestiegen. Das zeigt, dass es trotz aller Unsicherheiten in der Branche auch Lichtblicke gibt.
