Reisejahr 2026: Zwischen Krisenbewältigung und neuen Trends
Das Reisejahr 2026 hat sich für die Schweizer Reisebranche als alles andere als einfach herausgestellt. Geopolitische Spannungen, insbesondere der Iran-Krieg, haben ihren Schatten über die Bilanz geworfen. Der Schweizer Reise-Verband (SRV) rechnet mit einem Umsatzrückgang von fünf bis zehn Prozent. Das ist schon ein ordentlicher Dämpfer, nachdem man im Jahr 2025 noch ein Wachstum von rund fünf Prozent verzeichnen konnte. Die Nachwirkungen des Konflikts sind spürbar, besonders bei Reisen in den Nahen Osten und sogar bei beliebten Fernreisen nach Asien und Ozeanien. Es ist fast wie ein Schock, wenn man sieht, wie ein heißer Sommer in Europa das Last-Minute-Geschäft bremst.
Und während die Dossierwerte stabil oder leicht über dem Vorjahr liegen, überlegen sich viele Schweizer Reisende genau, wie oft sie sich eine Auszeit gönnen können. Das Budget wird knapper, aber die Qualität der Reisen bleibt hoch. Beliebte Reiseziele für Badeferien sind nach wie vor Spanien, Griechenland und die Türkei. Auf der Fernstrecke stehen Kanada, Thailand und die Malediven ganz oben auf der Liste. Besonders spannend ist die gestiegene Nachfrage nach „Coolcations“ – also Reisen in kühlere Regionen. Innerhalb von fünf Jahren ist diese Nachfrage um rund 20 Prozent gewachsen. Der Balkan gewinnt ebenfalls an Bedeutung als Reiseziel, ein Trend, der sicher die nächsten Jahre prägen wird.
Rückholaktionen und Unsicherheiten
Die Situation hat auch zu einem massiven Aufwand für die Reiseanbieter geführt. Zwischen Anfang März und Mitte Mai 2026 mussten über 1600 Reisende aus Krisengebieten zurückgeholt werden. Das hat die Reisebüros vor enorme Herausforderungen gestellt, vor allem finanziell. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich auf über zwei Millionen Franken, eine Summe, die ordentlich ins Kontor schlägt. Besonders betroffen waren nicht nur die Krisengebiete, sondern auch Metropolen und wichtige Reise- und Umsteigezentren wie Dubai und Doha. Ein 24-Stunden-Pikettdienst wurde eingerichtet, um Reisende in Not zu unterstützen.
Umbuchungen auf alternative Flugverbindungen und Transfers zu anderen Flughäfen waren an der Tagesordnung, und die meisten Rückholaktionen kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman. Die Verunsicherung bei Reisen in die Region am Persischen Golf ist spürbar, während für andere Reiseziele keine solche Unsicherheit festgestellt wird. Die Reisenden buchen tendenziell kurzfristiger und flexibler. Das hat zur Folge, dass bei stark nachgefragten Reisen der Frühbucher-Trend bleibt. Aber das ist nicht alles. Die Swiss hat zum Beispiel bis zum 13. September 2026 keine Flüge nach Dubai im Angebot, plant jedoch, Flüge nach Tel Aviv ab dem 1. August 2026 wieder aufzunehmen. Ein ständiges Hin und Her.
Ein Blick in die Zukunft
<pTrotz all dieser Herausforderungen gibt es auch positive Nachrichten. Der internationale Tourismus zeigt im ersten Quartal 2026 einen Anstieg. Rund 307 Millionen Menschen reisten zwischen Januar und März, was einem Zuwachs von zwei Prozent entspricht. Die UN-Tourism-Generalsekretärin betont die Widerstandsfähigkeit der Branche, auch wenn die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten den internationalen Reiseverkehr beeinflussen. Die Golfstaaten kämpfen mit finanziellen Verlusten und der Herausforderung, ihr Image als sichere Reiseziele zu wahren. Aber die Reisenden bleiben optimistisch.
Eine YouGov-Befragung zeigt, dass 64 Prozent der Deutschen Reisen als notwendige Auszeit betrachten. Das ist doch schon mal was. Etwas mehr als 39 Prozent haben feste Reiseabsichten für 2026, trotz der negativen Wahrnehmung der globalen wirtschaftlichen Lage. Es bleibt spannend, wie sich die Branche in den kommenden Jahren entwickeln wird. Der SRV zeigt sich übrigens optimistisch für 2027 und erwartet eine Rückkehr auf das Niveau von 2026 mit einem möglichen Nachholeffekt. Ein Lichtblick in einem Jahr, das von vielen Herausforderungen geprägt war.
