Heute ist der 19.05.2026. Wenn man über Deutschland als Reisedestination spricht, kommt man an Susanne Gräfin von Moltke nicht vorbei. Als Vorstandsmitglied und geschäftsführende Gesellschafterin von Relais & Châteaux hat sie eine klare Botschaft: Deutschland ist mehr als nur ein Land in der Mitte Europas. Es gehört zu den führenden Reisezielen, hat aber noch viel ungenutztes Potenzial. Ihre Forderung an die Branche und die Politik ist eindeutig: Der touristische Standort Deutschland muss aktiv gestärkt werden. Denn trotz einer überdurchschnittlichen Position im internationalen Vergleich bleibt viel Luft nach oben.
Deutschland ist nicht nur für seine kulturellen Highlights bekannt, sondern bietet auch eine hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit 341 Michelin-Sternen ist die kulinarische Landschaft sehr vielfältig – und das in einem Land, wo 74% der Luxusreisenden zuerst über das Reiseziel entscheiden, bevor sie sich um die Unterkunft kümmern. Kulinarik steht dabei ganz oben auf der Wunschliste der Reisenden. Aber wie kommt es, dass nur 17% der internationalen Gäste Deutschland als Ziel wählen? Das liegt wohl an der mangelnden Sichtbarkeit und der Notwendigkeit, emotionalere Reiseerlebnisse zu positionieren.
Vielfalt der Landschaften
Ein weiterer Aspekt, der Deutschland so faszinierend macht, ist die unglaubliche Vielfalt der Landschaften. Von den malerischen Inseln der Nord- und Ostsee über die Mecklenburgische Seenplatte bis hin zu den majestätischen Alpen – hier findet sich für jeden etwas. Die Nord- und Ostsee sind nicht nur für die Deutschen ein beliebtes Urlaubsziel, auch internationale Touristen zieht es an die langen Strände und zu den vielen Inseln. Das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer ist dabei ein wahres Naturjuwel.
Im Süden des Landes, in Bayern, locken traditionelle Dörfer, weite Felder und beeindruckende Gebirgszüge. Wanderer, Wintersportler oder einfach nur Naturliebhaber finden hier ihre Glücksmomente. Und nicht zu vergessen die zahlreichen Naturparks wie der Frankenwald oder der Bayerische Wald, die sich perfekt für einen aktiven Urlaub anbieten. Es gibt wirklich viel zu entdecken!
Strategische Herausforderungen
Um Deutschland als Reisedestination zu positionieren, sind jedoch einige strategische Maßnahmen nötig. Gräfin von Moltke fordert eine konsequente internationale Destinationskommunikation und eine stärkere Luftverkehrsanbindung. Das klingt sinnvoll, denn viele Reisende scheitern bereits an der Erreichbarkeit. Auch die Visa- und Fachkräfteprozesse müssen vereinfacht werden. Schließlich ist es wichtig, dass nicht nur die Qualität der Hotels stimmt, sondern auch die Rahmenbedingungen für internationale Gäste. Eine Steigerung des internationalen Gästeanteils um 10% könnte enorme wirtschaftliche Impulse auslösen – das sollte doch ein Anreiz für die Branche und die Politik sein.
Die Zahlen sprechen für sich: Der durchschnittliche Zimmerpreis in Deutschland liegt bei 324 Euro, was im Vergleich zu Italien, Frankreich oder Österreich sehr erschwinglich ist. Warum sollte man also nicht auf Deutschland setzen? Mit hochqualifizierten Fachkräften und einem etablierten Ausbildungssystem könnte Deutschland durchaus die internationale Konkurrenz übertreffen. Aber das erfordert einen gemeinsamen Effort.
Ein bisschen mehr Mut zur Sichtbarkeit, ein Schuss mehr Emotion in der Vermarktung und die richtigen Weichenstellungen – damit könnte Deutschland endlich den Platz einnehmen, der ihm gebührt. Und mit einem kleinen bisschen mehr Engagement könnte das Tourismusland Deutschland bald in neuem Glanz erstrahlen!