Die Gastronomie am Abgrund: Zwischen Rekordzahlen und Insolvenzflut
Die Gastronomie in Deutschland durchlebt eine wahrhaft turbulente Zeit. Trotz der Rekordübernachtungen von 497,4 Millionen in 2025 und einer leichten Steigerung der Zimmerauslastung um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, sieht sich die Branche mit einer beunruhigenden Realität konfrontiert: Insolvenz-Zahlen steigen und das in einem drastischen Ausmaß. Im vergangenen Jahr wurden über 2.900 Gastronomiebetriebe insolvent, das höchste Niveau seit 2011. Ein nicht unerheblicher Anstieg von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und das bereits zum vierten Mal in Folge.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zwischen 2020 und 2025 wurden mehr als 11.200 Insolvenzen im Gastgewerbe registriert. Die Ursachen? Nun, die Pandemie, die Energiekrise und die Inflation haben ungebremst zugeschlagen. Viele Betriebe kämpfen mit hohen Personalkosten und steigenden Preisen, was die Profitabilität erheblich einschränkt. Ein Drittel der Betriebe wirtschaftet defizitär und 40 Prozent haben Eigenkapitalquoten unter 10 Prozent. Das sind alarmierende Zahlen! Und noch schlimmer: Auf jede offizielle Insolvenz kommen schätzungsweise zehn stille Schließungen. Das ist wie ein Schatten, der über der gesamten Branche schwebt.
Die Verunsicherung der Gastronomen
Die Verunsicherung unter den Gastronomen ist groß. Arbeitnehmer haben in vielen Regionen, wie Güstrow, inzwischen die Oberhand, was zu einem Mangel an Fachkräften führt. Viele Betriebe sind gezwungen, ihre Servicekräfte aufgrund der hohen Lohnkosten zu entlassen oder setzen auf Aushilfen, die noch in der Schule sind. So wird der Beruf des Executive Chefs zunehmend zu einem Management-Job, bei dem Kostenkontrolle und Personaltraining im Vordergrund stehen. Eine spannende, aber auch herausfordernde Entwicklung, die nicht nur Manager, sondern auch die gesamte Belegschaft betrifft.
Die Gewerkschaft NGG fordert eine Reform der Trinkgeldregelungen und höhere Löhne – Dinge, die für viele Betriebe in der aktuellen Situation kaum umsetzbar scheinen. In der Gastronomie hat sich die Zahl der Beschäftigten mit Sonn- und Feiertagsarbeit bis 2025 verdoppelt. Gleichzeitig steigen die Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz um 1.600 Prozent. Ein wahres Dilemma, das nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Arbeitgeber vor große Herausforderungen stellt.
Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt
Ein weiteres Problem, das die Branche plagt, ist der Ausbildungsplatzmangel. Besonders in den Landkreisen Harburg und Mettmann bleiben zahlreiche Ausbildungsplätze in Hotels, Restaurants und Bäckereien unbesetzt. Die NGG empfiehlt tarifliche Ausbildungsverträge und die Gründung von Jugend- und Auszubildendenvertretungen, um dem entgegenzuwirken. Die Unsicherheit, die in der Branche herrscht, führt dazu, dass viele junge Menschen gar nicht erst in die Gastronomie einsteigen möchten.
Die Verbraucher hingegen sparen, wo sie können. Eine YouGov-Umfrage hat ergeben, dass 42 Prozent der Verbraucher bei Freizeitaktivitäten zurückhaltender geworden sind. Der Preisindex für Speisen hat sich kaum verändert, trotz der Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent. Die Gastronomie steht vor der Herausforderung, die Gäste trotz steigender Kosten bei Laune zu halten. Doch die Resonanz der Verbraucher bleibt verhalten: 80 Prozent geben an, aus Kostengründen seltener auszugehen.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Prognosen sind nicht rosig. Fachleute erwarten, dass die Insolvenzzahlen weiter steigen und die Gastronomielandschaft bis 2026 weiter ausgedünnt wird. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe sind betroffen von den Herausforderungen, die diese Zeit mit sich bringt. Und während einige große Ketten, wie die Restaurantketten Sausalitos und Vapiano, bereits Insolvenz anmelden mussten, kämpfen viele andere um ihr Überleben. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politische Diskussion über Minijobs und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln werden und ob mögliche Maßnahmen, wie die von DEHOGA entwickelte KI-gestützte App zur Unterstützung in Arbeitsrecht und Hygiene, tatsächlich helfen können.
Die Gastronomie in Deutschland steht an einem Scheideweg. Die Herausforderungen sind gewaltig, die Unsicherheiten ebenso. Ob die Branche diese Durststrecke übersteht, bleibt spannend abzuwarten. Momentan ist jedoch klar, dass es an der Zeit ist, kreative Lösungen zu finden und die Weichen neu zu stellen. Die Zukunft der Gastronomie könnte nicht nur von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen, sondern auch von der Fähigkeit, sich an die sich ständig verändernden Bedürfnisse der Gäste anzupassen.
