Arbeitszeiten in der Südtiroler Hotellerie: 43,4 Stunden pro Woche und der Wunsch nach Veränderung
Ein Thema, das in der Arbeitswelt immer wieder für Aufregung sorgt, sind die Arbeitszeiten. Ganz besonders brisant wird es in der Hotellerie und Gastronomie, wo die Zahlen einen klaren Trend aufzeigen. In Südtirol beispielsweise arbeiten Vollzeitkräfte im Durchschnitt 40,6 Stunden pro Woche – das ist mehr als in den benachbarten Regionen Tirol und Welschtirol. Hier sind es 40,5 und 38,9 Stunden. Heftige 43,4 Stunden pro Woche müssen die Mitarbeiter der Hotellerie und Gastronomie stemmen, während das Baugewerbe mit 42 Stunden direkt dahinter folgt. Der Handel kommt mit 41 Stunden auch nicht viel besser weg. Da fragt man sich, wo bleibt da die Balance zwischen Arbeit und Freizeit?
Die Realität sieht so aus, dass 62 Prozent der Erwerbstätigen in der Europaregion fünf Tage in der Woche arbeiten. Doch in saisonalen Branchen wie der Landwirtschaft, wo 33 Prozent der Beschäftigten sieben Tage die Woche aktiv sind, ist die Fünftagewoche alles andere als Standard. In der Hotellerie und Gastronomie sind es sogar 47 Prozent, die sechs oder mehr Tage am Stück arbeiten müssen. Diesen Umstand beschreibt AFI-Direktor Stefan Perini als ein Problem, das in diesen Branchen dringend angegangen werden sollte.
Wünsche nach kürzeren Arbeitszeiten
Die Umfrage unter 2.250 Erwerbstätigen zeigt auch, dass die Meinungen über die ideale Arbeitszeit sehr unterschiedlich sind. Während 49 Prozent der Südtiroler ihre derzeitige Stundenzahl als ideal empfinden, wünschen sich 37 Prozent kürzere Arbeitszeiten. In Tirol haben 40 Prozent der Befragten den Wunsch geäußert, weniger als 37 Stunden pro Woche zu arbeiten. Auch im Trentino äußerten nach der Pandemie rund zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten den Wunsch nach einer Reduzierung ihrer Arbeitszeit. Das Bewusstsein, dass man trotz kürzerer Arbeitszeiten die Lebenshaltungskosten decken muss, schwebt jedoch über diesen Wünschen.
Statistiken zeigen, dass in der Landwirtschaft 60 Prozent der Beschäftigten mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, im Tourismus sind es 44 Prozent und im Baugewerbe 43 Prozent. Man könnte meinen, dass diese Branchen besonders leidenschaftlich sind, aber die Realität ist auch, dass viele Arbeitnehmer einfach die Balance zwischen Arbeit und Leben suchen. In Südtirol sind die meisten Vollzeitbeschäftigten mit einer Arbeitszeit von 37 bis 40 Stunden zufrieden, aber der Wunsch nach weniger Arbeit ist überall spürbar.
Ein Blick über die Grenzen
<pWenn wir nach Deutschland schauen, liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit für 15- bis 64-Jährige bei 34,8 Stunden. Das ist deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 37,1 Stunden. Die deutsche Teilzeitquote ist mit 29 Prozent die dritthöchste in Europa, was sich auch in den Arbeitszeiten widerspiegelt. Vollzeitbeschäftigte arbeiten hier durchschnittlich 40,2 Stunden pro Woche. Im Vergleich dazu scheint es in der Euregio vor allem in den genannten Branchen ein ganz anderes Bild zu geben – und das ist nicht ohne Grund. Die Herausforderungen sind vielfältig und erfordern kreative Lösungen.
Die Ergebnisse der umfassenden Erhebung, die von der Arbeiterkammer Tirol und anderen Institutionen durchgeführt wurde, sind auf der Website der Tiroler Arbeiterkammer einsehbar. Diese Studie bietet nicht nur Einblick in die Arbeitsbedingungen, sondern zeigt auf, wo der Schuh drückt. Die Branche ist gefordert, neue Wege zu finden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht zu werden. Denn am Ende des Tages ist die Zufriedenheit der Mitarbeiter der Schlüssel zu einem erfolgreichen Betrieb.
