Heute ist der 31.10.2026 und die Lage in der russischen Hotelbranche ist alles andere als rosig. Von Januar bis September 2026 sind die Investitionen in Hotelimmobilien richtig eingebrochen. Laut IBC Real Estate summierten sie sich auf nur 21 Milliarden Rubel – ein Rückgang von satten 61,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein anderer Bericht spricht sogar von 20,5 Milliarden Rubel, was einem Minus von 55 Prozent entspricht. Die Analysten sind sich einig: So wenig Geld wurde in den letzten fünf Jahren nicht mehr in den Hotelmarkt gesteckt.

Die Gründe dafür sind vielfältig und bedrückend. Die Finanzierung neuer Projekte wird immer schwieriger, weil das staatliche Programm für vergünstigte Hotelbaukredite ausgelaufen ist. Die marktüblichen Darlehen sind aufgrund der restriktiven Geldpolitik der Zentralbank teuer. Zinsen laufen schon während der Bauphase auf, während die Einnahmen erst nach der Eröffnung sprudeln. Und dann sind da noch die stetig steigenden Baukosten. Die Unsicherheit über die künftige Auslastung macht es Investoren noch schwerer, den Mut zu fassen, neue Projekte anzugehen.

Rückgang der Hotelnachfrage

Die Nachfrage nach Hotelübernachtungen hat ebenfalls einen Rückschlag erlitten. Ein Bericht von Travelline zeigt, dass das Buchungsvolumen in den ersten neun Monaten um 5,3 Prozent gesunken ist. Reiseplanung wird vorsichtiger, ausländische Ziele zeigen sich konkurrenzfähiger und wiederholte Flughafenschließungen tun ihr Übriges. Ausländische Besucher, die normalerweise für eine lebendige Hotellandschaft sorgen würden, blieben 2026 größtenteils aus.

In Moskau sind die zentralen Kennzahlen sogar noch dramatischer. Die Auslastung hochwertiger Hotels fiel auf 71 Prozent, was zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr ausmacht. Im Luxussegment sind es sogar zehn Prozent weniger, mit nur 42 Prozent Auslastung. Die Economy-Hotels haben vier Prozentpunkte verloren und stehen jetzt bei 65 Prozent. Die Preise? Die sind ebenfalls gefallen, der durchschnittliche Preis eines verkauften Zimmers liegt bei 10.900 Rubel – ein Rückgang um 6,8 Prozent. Das alles trifft auf steigende Fixkosten für Personal, Energie und Instandhaltung. Ein Teufelskreis!

Marktentwicklung und alternative Unterkünfte

<pEin Lichtblick könnte in der wachsenden Beliebtheit von Apartments liegen. In der Sommersaison 2026 entfielen 30 Prozent der Buchungen auf diese Art von Unterkünften, einen Anstieg von sieben Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Die steigende Anzahl an Apartments – ein wachsendes Angebot um 33 Prozent – macht sie besonders attraktiv für längere Aufenthalte oder Reisen mit mehreren Personen. Hotels hingegen kämpfen mit hohen Betriebs- und Personalkosten, die bei schwacher Nachfrage nur schwer gesenkt werden können.

Aber nicht nur die Nachfrage nimmt ab, auch die Zahl neuer Marktteilnehmer ist gesunken. Rund 4.200 Unternehmen mit Fokus auf die Hotelwirtschaft wurden zwischen Januar und September 2026 registriert, das sind 17,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden etwa 3.400 Betriebe liquidiert, was die Unsicherheit auf dem Markt weiter verstärkt. Die Perspektiven für neue Investitionen sehen alles andere als rosig aus.

Investitionen und Marktstruktur

<pDie Investitionsschwäche zeigt sich auch im Neubau: In den ersten neun Monaten 2026 wurden gerade mal 2.100 Zimmer in hochwertigen Hotels fertiggestellt – ein Rückgang um 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr werden nur 4.500 neue Zimmer erwartet, was 38 Prozent weniger ist als 2025. Das deutet darauf hin, dass viele Projekte verschoben oder neu kalkuliert werden müssen.

<pTrotz dieser düsteren Aussichten gibt es auch positive Nachrichten. Im Jahr 2023 verzeichnete die russische Hotelbranche rund 25.000 Hotels, mit einem Marktwert von 18 Milliarden US-Dollar. Zudem sind ausländische Investitionen in russische Hotels 2023 auf 1,8 Milliarden US-Dollar gestiegen, mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von 10 Prozent bis 2026. Im Jahr 2023 wurden zudem 1.500 Hotels eröffnet – eine erfreuliche Zahl, die zeigt, dass es nach wie vor Potenzial gibt.

<pDie Branche könnte sich auch den Herausforderungen der Nachhaltigkeit stellen. Immer mehr Hotels setzen auf umweltfreundliche Maßnahmen, mit 1.200 grün zertifizierten Hotels, die ihren Energieverbrauch um 22 Prozent senken konnten. Diese Entwicklung könnte in Zukunft entscheidend sein, um umweltbewusste Reisende anzuziehen und sich im Markt zu positionieren.

<pInsgesamt bleibt der russische Hospitality-Markt spannend, mit einem Volumen von 105 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 und einem prognostizierten Wachstum auf 164,2 Milliarden US-Dollar bis 2034. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate wird auf 4,94 Prozent geschätzt. Zunehmender Inlandstourismus und staatliche Unterstützung könnten die Branche wieder auf Kurs bringen, während die Entwicklung von Luxus-Hotelketten und ökologischen Angeboten ebenfalls in den Fokus rückt. Wer weiß, vielleicht wird die Branche bald wieder aufblühen – aber dafür braucht es Mut, Innovation und eine Portion Glück. Wer hätte das gedacht?