Die Schweizer Hotellerie steht momentan vor einem spannenden, wenn auch herausfordernden Kapitel. Rekordzahlen, die man zunächst mit Freude zur Kenntnis nimmt: 2025 verzeichnete die Branche beeindruckende 43,9 Millionen Logiernächte – ein Plus von 2,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Realität sieht anders aus, denn das große „Aber“ folgt gleich darauf: Die Auslastung der Hotels liegt nur bei 51,1 %. Ein klarer Hinweis darauf, dass eine hohe Nachfrage nicht automatisch zu wirtschaftlichem Erfolg führt. Prof. Dr. Jean-Philippe Weisskopf von der EHL bringt es auf den Punkt: Erfolg darf nicht nur an Belegung und Umsatz gemessen werden. Es geht um Profitabilität und den Deckungsbeitrag.

Besonders die Drei- und Viersternehotels stehen im Fokus der Herausforderungen. Sie müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen, können aber nicht die Preise der Luxushotellerie aufrufen. Die steigenden Kosten für Personal, Energie und Lebensmittel wirken sich wie ein schwerer Stein auf die Margen aus. Wer jetzt denkt, dass einfaches Sparen die Lösung ist, irrt sich. Ein blindes Kostenmanagement darf nicht die Servicequalität oder die Motivation der Mitarbeiter gefährden. Vielmehr ist es entscheidend, die Kostenstruktur zu verstehen und eine betriebswirtschaftliche Disziplin mit echter Gastfreundschaft zu verbinden.

Die Kunst des Profit Managements

Revenue Management wird zunehmend hinterfragt. Es braucht einen Wandel zu Profit Management, um wirtschaftlich attraktivere Gäste und Kanäle zu identifizieren. Dabei geht es nicht nur um die Frage „Wie viele Gäste habe ich?“, sondern „Welche Nachfrage kommt zu welchem Preis und mit welchem Ressourcenverbrauch ins Haus?“ Über die Hälfte der Hoteliers in der Schweiz unterschätzen die Vertriebskosten. Direktbuchungen sind in der Regel profitabler als Buchungen über provisionsstarke Kanäle – hier gibt es noch viel Potenzial.

In der Beherbergungsstatistik HESTA, die monatlich erfasst wird, finden sich wichtige Kennzahlen zur Branche. Sie liefert Daten zu Kapazitäten, Ankünften und Logiernächten nach Herkunftsländern. Es ist faszinierend, wie diese Informationen dabei helfen, ein klares Bild über Angebot und Nachfrage in der Beherbergungsbranche zu gewinnen. Die Differenz zwischen den BFS-Zahlen und der offiziellen Klassifikation von HotellerieSuisse zeigt, wie viele Betriebe tatsächlich im Spiel sind – ein wichtiges Detail, das oft in den Hintergrund rückt.

Zukunftsausblick und Herausforderungen

Ein Blick in die Kristallkugel zeigt, dass die Prognose für den Sommer 2026 bei 24,8 Millionen Logiernächten liegt – und das ist ein Rückgang von 1,6 % im Vergleich zu 2025. Man fragt sich, was die Zukunft bringt. Die Herausforderungen sind vielfältig: Fachkräftemangel, hohe Lohnkosten und der Druck auf die Margen nehmen zu. Zudem müssen Hotels in Renovierungen und Digitalisierung investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Diese Investitionen dürfen nicht aufgeschoben werden, denn die betriebswirtschaftliche Logik hat sich seit der Pandemie verändert. Gäste buchen immer kurzfristiger, und die Kosten steigen schneller.

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Ein zentraler Schlüssel zur Verbesserung der Situation liegt in der Energieeffizienz. Auch kleine Maßnahmen können Einsparpotenziale bieten. Hotels, die sich klar positionieren und wissen, welche Leistungen wertvoll sind, haben die besten Chancen, sich im Markt zu behaupten. Eine höhere Margentransparenz und vereinfachte Prozesse können dabei helfen, die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Doch die Schere zwischen gut geführten und gut belegten Hotels wird sich weiter öffnen. „Auslastung ist sichtbar, Profitabilität muss gesteuert werden“ – dieser Gedanke schwebt über der Branche und fordert zum Handeln auf.

Insgesamt zeigt sich, dass die Schweizer Hotellerie in einem Spannungsfeld aus hoher Nachfrage und steigendem Kostendruck agiert. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird und welche kreativen Lösungen die Hoteliers finden, um die Herausforderungen zu meistern.