Die unsichtbaren Helden der Hauswirtschaft: Filipa und ihr Kampf um Anerkennung
In einem kleinen Pflegeheim in Zürich, wo der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee durch die Flure zieht und das Lachen der Bewohner die Wände zum Klingen bringt, arbeitet die 39-jährige Filipa als Fachfrau Hauswirtschaft. Ihre Tage beginnen früh – um 7 Uhr morgens, wenn die meisten von uns noch im Land der Träume sind. In dieser Zeit hat sie bereits die Zimmer der Bewohner gereinigt und die öffentlichen Bereiche auf Vordermann gebracht. Türklinken, Lichtschalter, Lavabos und WCs – alles muss glänzen. Dabei geht es nicht nur um Sauberkeit, sondern auch um die Schaffung einer warmen, einladenden Atmosphäre für die Menschen, die dort leben.
Ein kürzliches TikTok-Video von Filipa hat über 30.000 Aufrufe erreicht und das aus gutem Grund. Sie thematisiert die oft mangelnde gesellschaftliche Anerkennung ihres Berufs. „Bitte nenn mich nicht Putzfrau, ich bin Fachfrau Hauswirtschaft!“, sagt sie mit Nachdruck. Das bringt mich zum Nachdenken – viele Frauen in dieser Branche kennen ihre Rechte nicht und arbeiten unter Bedingungen, die oft alles andere als fair sind. Sie berichtet, dass etwa 43% der Haushaltshilfen in der Schweiz nicht offiziell angemeldet oder versichert sind. Ein Umstand, der nicht nur traurig ist, sondern auch dringend Aufmerksamkeit benötigt.
Die Vielseitigkeit des Berufs
Filipa hat eine Lehre als Fachfrau Hauswirtschaft gemacht, die heute als Fachmann/-frau Hotellerie-Hauswirtschaft EFZ bekannt ist. Diese Ausbildung ist alles andere als einfach; sie umfasst nicht nur die Reinigung, sondern auch Gästebetreuung, Unterstützung an der Rezeption, im Restaurant und in der Küche sowie organisatorische Aufgaben. Bei ihrer Lehre hat sie die Schwerpunkte selbst gewählt. Ob es nun um die Zubereitung einfacher Speisen oder um Fremdsprachenkenntnisse geht – die Vielfalt ist beeindruckend und macht den Job spannend. Nach drei Jahren harter Arbeit endet die Ausbildung mit einem Qualifikationsverfahren, das zum begehrten Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) führt.
Filipa kam fast zufällig zu diesem Beruf. Nach drei Jahren in einem Hotel in England fand sie schließlich ihren Weg in die Reinigung eines Pflegeheims. Seit der Geburt ihres ersten Kindes arbeitet sie Teilzeit und findet die Balance zwischen Familie und Beruf herausfordernd. Oft fehlt die Zeit, um auch zu Hause alles blitzblank zu halten. „Ich hab’s gerne sauber“, sagt sie, „aber die Zeit ist oft nicht auf meiner Seite.“ Trotz dieser Herausforderungen spürt sie eine tiefe Dankbarkeit von den Bewohnern. Die sozialen Kontakte sind eine der großen Bereicherungen ihres Arbeitsalltags.
Der Wandel und die Herausforderungen
Die Berufswelt der Hauswirtschaft hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Seit dem 1. August 2020 ist die Ausbildung zum Hauswirtschafter/zur Hauswirtschafterin neu geordnet. Dieser anerkannte Ausbildungsberuf erstreckt sich über drei Jahre und umfasst das Arbeiten in privaten Haushalten und sozialen Einrichtungen, wie Altenheimen oder Krankenhäusern. Filipa beobachtet, dass es einen Rückgang an Auszubildenden in ihrem Berufsfeld gibt. In einer Zeit, in der die Bedeutung der Hauswirtschaft oft unterschätzt wird, ist das besorgniserregend. Die Aufgaben sind vielfältig: von der Gestaltung des Alltags über die Zubereitung von Mahlzeiten bis hin zur Organisation und Umsetzung von Betriebsabläufen.
Wie wichtig dieser Beruf ist, wird oft erst dann klar, wenn man sieht, wie viel Fachwissen und Engagement notwendig sind. Filipa betont, dass der Job vielseitig und körperlich anstrengend ist. „Es braucht viel mehr als nur einen Wischmopp und einen Eimer“, sagt sie und lächelt. Sie wünscht sich mehr Anerkennung für ihre Arbeit, denn sie ist nicht nur eine „Putzfrau“, sondern eine Fachfrau, die mit ihrem Wissen und Können einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leistet.
