In Ahrenshoop, dem charmanten Künstlerdorf an der Ostsee, gibt es einen Hoteldirektor, der so ganz anders ist als der typische Hotelmanager. Oliver Schmidt, der das Luxushotel „The Grand“ seit 2010 leitet, setzt auf Unkonventionalität. Anstatt im Anzug und mit Krawatte zu erscheinen, trägt er Jeans und Turnschuhe – und sein Dienstwagen ist ein schweres Motorrad. Ein Bild, das sicherlich für einige Gäste zunächst verblüffend ist, wenn sie ihn als Ansprechpartner bei Beschwerden vor sich sehen. Ein bärtiger Mann mit Tattoos, der doch das Wohl seiner Gäste über alles stellt.

Schmidt hat eine interessante Geschichte. Aufgewachsen auf der Insel Poel, erlebte er den Mauerfall mit 18 Jahren und startete anschließend mit seiner ersten Unternehmung: einer Großraumdisko in einem verlassenen LPG-Gebäude. Nach anfänglichem Erfolg kam die Pleite, doch aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Diese Entschlossenheit und seine Leidenschaft für die Hotellerie spürt man im gesamten Hotel. Gästen ist es sogar erlaubt, in den Designersesseln der Lobby einzuschlafen – ein Zeichen, dass sie sich wohlfühlen.

Innovative Ansätze im Hotelbetrieb

Oliver Schmidt hat auch in der Hotelführung frischen Wind reingebracht. Die Uniformen der Mitarbeiter werden schrittweise abgeschafft – an der Rezeption tragen sie nun Jeanshemden, während der Service mit weißen Hemden aufwartet. Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein großes Thema: Geplant sind Arbeitskleidungen mit Aufdrucken wie „Ich war mal ein Strohhalm“ oder „Ich war mal eine Plastiktüte“. Schmidt arbeitet mit Energieberatern zusammen, um das Hotel nachhaltiger zu gestalten. Ein Blockheizkraftwerk sorgt bereits für einen Teil des benötigten Stroms.

Die Hierarchien im Hotel hat Schmidt ebenfalls auf den Kopf gestellt. Die klassischen Positionen „Direktor“ und „Manager of Duty“ gibt es nicht mehr. Stattdessen dürfen Mitarbeitende eigenständig über Entschädigungen für Gäste entscheiden. Eine erfrischende Idee, die das Arbeitsklima fördert und die Kommunikation vereinfacht – Probleme werden direkt in Gesprächen geklärt, Abmahnungen sind passé. Das hat auch zur Folge, dass die Mitarbeiterfluktuation gering ist, trotz der Herausforderungen, die die Branche aktuell erlebt.

Die Herausforderung der Fachkräftegewinnung

Doch auch das „The Grand“ hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen – die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich als herausfordernd. In der Branche sind die Zahlen alarmierend: Die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze ist von 33.000 im Jahr 2009 auf nur noch 12.000 im Jahr 2022 gesunken. Schmidt plädiert dafür, dass Gemeinden in Urlaubsorten sich stärker um eine bezahlbare und lebenswerte Infrastruktur kümmern sollten. Hohe Lebensmittelpreise und fehlende Kitas mit Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen sind nur einige der Punkte, die ihm am Herzen liegen.

Das Hotel hat keine klassische Nebensaison mehr. Im Gegenteil, die Auslastung kann sogar im Februar hoch sein, vor allem dank des Spa-Bereichs. Schmidt weiß die Vorzüge der Region zu nutzen und setzt auf regionale Produkte, wie Ziegenkäse aus Daskow und Fisch aus der Müritz Fischerei. Darüber hinaus plant er, die Rezeption und Bar zusammenzulegen, sodass Gäste beim Ein- und Auschecken gleich Getränke bestellen können. Ein Konzept, das den Aufenthalt für die Gäste noch angenehmer gestalten könnte.

In einer Zeit, in der die Zahl der offenen Stellen in der Hospitality-Branche steigt, ist es wichtig, Berufe attraktiver darzustellen. Das „The Grand“ hat hier einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Mit einem innovativen Ansatz und einem leidenschaftlichen Direktor, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, hat das Hotel das Potenzial, sich als Vorreiter in der Branche zu etablieren. Und wer weiß – vielleicht wird Oliver Schmidt eines Tages als das Gesicht einer neuen, lockeren Hotellerie bekannt sein, die frische Ideen und eine menschliche Note in den Vordergrund stellt.