Die Situation im deutschen Gastgewerbe ist derzeit alles andere als rosig. Leere Restaurants und kaum ausgelastete Hotels sind nur die Spitze des Eisbergs. Der Umsatz im Gastgewerbe hat den niedrigsten Stand seit vier Jahren erreicht, und das Statistische Bundesamt berichtet von einem Umsatzminus von 1,3 Prozent im März im Vergleich zum Vormonat – inflationsbereinigt sogar minus 2,2 Prozent. Das klingt nicht gut, oder? Und das ist noch nicht alles.
Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Jana Schimke, beschreibt die wirtschaftliche Lage als äußerst angespannt. Die Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal sind seit Anfang 2022 um bis zu 35 Prozent gestiegen. Das hat natürlich Einfluss auf das Konsumverhalten der Gäste. Viele Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz und sind unsicher, was die Zukunft bringt. So wird beim Ausgehen gespart, und das Budget für den nächsten Urlaub wird immer knapper. Wenn man sich das alles vor Augen führt, ist es kein Wunder, dass die Gastronomie unter Druck steht.
Der Kostendruck im Gastgewerbe
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Speisen von 7 auf 19 Prozent ab dem 1. Januar 2024 wird als eine der Mitursachen für die angespannte Lage genannt. DEHOGA-Präsident Guido Zöllick fordert daher die Rückkehr zur 7%-Mehrwertsteuer auf Speisen, um die Branche zu entlasten. Bisher ist im ersten Halbjahr 2025 der reale Umsatz des deutschen Gastgewerbes satte 15,1 Prozent unter dem Niveau von 2019. Das ist das sechste Verlustjahr in Folge! Und die Gastronomie selbst hat einen Umsatzrückgang von 17,4 Prozent im Vergleich zu 2019 zu verzeichnen. Das sind alarmierende Zahlen.
Die steigenden Betriebskosten belasten die Gastronomie enorm: Personalkosten sind um 34,4 Prozent gestiegen, Lebensmittel um 27,1 Prozent und auch die Preise für alkoholfreie Getränke sind um 33,7 Prozent gestiegen. Die Gäste reagieren darauf mit einer erhöhten Preissensibilität. Sie gehen seltener essen, wählen günstigere Gerichte und verzichten auf Extras wie Vorspeisen oder zusätzliche Getränke. Das kann man fast schon als eine Art Rückzug ins eigene Heim sehen – viele verlagern ihren Konsum zunehmend auf Essen zum Mitnehmen oder Produkte aus dem Lebensmitteleinzelhandel.
Die gesellschaftliche Bedeutung der Gastronomie
Die Gastronomie ist mehr als nur ein Ort zum Essen; sie ist ein sozialer Knotenpunkt und sichert zahlreiche Arbeitsplätze, insbesondere für geringqualifizierte Arbeitskräfte. Schließungen von Gastronomiebetrieben können die Attraktivität von Stadtvierteln und die lokale Infrastruktur erheblich beeinträchtigen. Die Krise hat zudem Auswirkungen auf die Vielfalt und Qualität gastronomischer Angebote sowie auf die regionale Wirtschaftskraft. Es ist wirklich traurig, wenn man sieht, wie viele kleine und mittlere Familienbetriebe besonders unter den gestiegenen Kosten leiden.
Es gibt auch Lichtblicke, wie die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft, die als mögliche Chance für die Gastronomie gilt. Die Außengastronomie wurde zwar im kühlen Frühjahr weniger genutzt, aber es werden Konzepte für die WM-Spiele erwartet. Vielleicht kann das den einen oder anderen Gast wieder ins Restaurant locken? Allerdings bleibt der Ausblick für das zweite Halbjahr 2025 gedämpft. Die Hoffnung auf politische Unterstützung ist groß, und die Vorschläge zur Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf 7 Prozent im kommenden Jahr könnten der Branche vielleicht doch noch einen Schub geben.
Es ist eine herausfordernde Zeit für die Gastronomie, keine Frage. Die Mehrwertsteuer ist wieder auf 19 Prozent, und das trägt zur Flaute bei. Wenn sich nichts ändert, könnte es zu einem radikalen Wandel in der Gastronomie kommen – mit weniger klassischen Restaurantbesuchen und einer Verschiebung hin zu kleineren, flexibleren und digitalisierten Angeboten. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Branche braucht dringend neue Impulse, um wieder auf die Beine zu kommen.