Nachhaltigkeit im Hotelwesen: Wenn Umwelt und Mensch nicht zusammenpassen
Heute ist der 11.09.2026 und die Diskussion um die Nachhaltigkeitskriterien für Hotels in Deutschland nimmt an Fahrt auf. Markus Luthe, der Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), hat kürzlich einige kritische Punkte zu den neuen Vorgaben geäußert, die für das Hotelverzeichnis des Bundes gelten sollen. Diese Liste ist ja nicht irgendein Verzeichnis, sondern die zentrale Hotelliste für Dienstreisen der Bundesverwaltung. Am 25. August 2021 hat die Bundesregierung beschlossen, die Nachhaltigkeit bei Übernachtungen zu erhöhen – ein Schritt, der auf den ersten Blick sinnvoll erscheint. Doch Luthe sieht das ganz anders.
Ein Hauptkritikpunkt von Luthe ist die Bewertung der anerkannten Zertifizierungssysteme. Er bemängelt die starke Gewichtung ökologischer Kriterien und die Tatsache, dass Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung sowie regionale Wertschöpfungsketten nicht in die Bewertung einfließen. Das ist schon ein gewisses Unding, wenn man bedenkt, dass es nicht nur um die Umwelt, sondern auch um die Menschen dahinter geht. Wenn ein Hotel beispielsweise nachhaltig agiert, aber seine Mitarbeiter schlecht behandelt, ist das doch ein Widerspruch in sich, oder?
Die Herausforderungen der Zertifizierung
Das Umweltbundesamt (UBA) hat bis Februar 2031 fünf Zertifizierungen anerkannt, darunter das Austrian Ecolabel for Tourism, EarthCheck und das EU Ecolabel für Beherbergungsbetriebe. Gleichzeitig werden bis Februar 2029 auch einige Übergangssysteme akzeptiert, wie Certified Green Hotels und Green Globe. Hier könnte man’s fast mit einem Flickenteppich vergleichen. Luthe kritisiert, dass das UBA bei GreenSign auf veraltete Stufen verweist, was zu Irritationen führen kann. Und wer hat schon Zeit, sich durch all diese Zertifizierungen zu wühlen? Gerade für Geschäftsreisende kann das schnell unübersichtlich werden.
Ein weiterer Punkt, der Luthe auf den Magen schlägt, ist der Bewertungsprozess. Zunächst wird das Zertifizierungssystem bewertet – nicht die tatsächliche Leistung eines einzelnen Hotels. Das klingt, als ob man einem Koch einen Michelin-Stern verleiht, nur weil er ein gutes Rezept hat, ohne das Gericht jemals zu kosten. Da fragt man sich doch, ob das wirklich der richtige Ansatz ist.
Relevante Aspekte bleiben außen vor
Die inhaltliche Ausrichtung des Kriterienkatalogs, die sich hauptsächlich auf ökologische Aspekte konzentriert, lässt viele andere wichtige Faktoren außen vor. Arbeitsbedingungen und regionale Wertschöpfung könnten ebenfalls eine Rolle spielen, schließlich sind es die Menschen, die diese Hotels am Laufen halten. Wenn das nicht berücksichtigt wird, ist das doch ein bisschen einblind – oder? Luthe spricht auch die Rolle des EU Ecolabels an, das nicht ganz klar definiert ist. Die Informationsanforderungen an die Anbieter und die regulatorischen Grundlagen der Bewertung könnten ebenfalls mehr Transparenz vertragen.
Hier zeigt sich, dass die Diskussion um Nachhaltigkeit in der Hotellerie weit über bloße ökologische Aspekte hinausgeht. Es wäre doch wünschenswert, wenn man ein ganzheitliches Konzept entwickeln könnte, das sowohl Umwelt- als auch Sozialkriterien berücksichtigt. Die Herausforderung liegt darin, wie man dies in einem für alle Beteiligten verständlichen Rahmen umsetzen kann. Das ist kein leichtes Unterfangen, aber die Zeit drängt.
In einer Welt, in der immer mehr Reisende Wert auf Nachhaltigkeit legen, ist es an der Zeit, dass auch die Kriterien für die Hotelauswahl entsprechend angepasst werden. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre, wenn alle relevanten Bereiche in die Bewertung einfließen und nicht nur die ökologischen Aspekte. So könnten Hotels nicht nur nachhaltig, sondern auch sozial verantwortlich agieren – und das wäre doch ein Gewinn für alle.
