Wenn die Anstoßzeiten zur Herausforderung werden: Wie die WM 2026 die deutsche Gastronomie auf die Probe stellt
Heute ist der 8.06.2026 und die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wird spürbar. Doch während die Herzen der Fans höher schlagen, gibt es auch nachdenkliche Stimmen in der Gastronomie. Die Anstoßzeiten der Spiele könnten sich als echter Dämpfer für die lokale Gastronomie herausstellen. Experten und Branchenvertreter zeigen sich besorgt. Wenn man bedenkt, dass mehr als die Hälfte der Spiele nach Mitternacht (MESZ) beginnen, könnte es die Wirtshauskultur in Deutschland hart treffen.
Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) legt nahe, dass die späten Anstoßzeiten Kneipen, Bars und Biergärten negativ beeinflussen könnten. IW-Ökonom Marc Scheufen hat es treffend auf den Punkt gebracht: Bei Anstoßzeiten um 19 Uhr würden die Einnahmen der Gastronomie auf rund 103 Millionen Euro ansteigen – aber so wird es nicht kommen. Stattdessen stehen wir vor der Realität, dass nur etwa vier Prozent der potenziellen Zuschauer sich für die späten Spiele in Gaststätten entscheiden werden. Ja, das bedeutet, dass die meisten Fans wohl lieber in ihren eigenen vier Wänden den Spielen folgen werden.
Einschränkungen und Herausforderungen
Die Hoffnung auf volle Kneipen wird stark von Anstoßzeiten und Wetter abhängig sein. Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbandes (Dehoga), hebt hervor, dass die wirtschaftlichen Effekte von vielen Faktoren beeinflusst werden. Public-Viewing-Angebote müssen wirtschaftlich kalkuliert werden, denn zusätzliche Kosten durch Übertragungstechnik, Personal und Lizenzgebühren kommen auf die Wirte zu. Und nicht zu vergessen: Der dreimonatige „Sky Gastro Pass“ muss ebenfalls bezahlt werden, zusammen mit den Lizenzgebühren an Gema und FIFA. Das kann schon mal ordentlich ins Geld gehen!
Thorsten Hellwig, ebenfalls vom Dehoga NRW, verrät, dass die Erwartungen im Vergleich zur bevorstehenden Europameisterschaft 2024 eher gedämpft sind. Besonders für die Vorrundenpartien unter der Woche sind die Prognosen zurückhaltend. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die erfolgreiche WM 2014, als Deutschland Weltmeister wurde – trotz später Anstoßzeiten. Aber die Zeiten haben sich geändert, und die Herausforderungen sind gewachsen.
Ein Blick in die Zukunft
Die WM 2026 stellt die deutsche Gastronomie vor wirtschaftliche Herausforderungen, die nicht unterschätzt werden sollten. Die Prognosen des IW sprechen von einem Gesamtumsatz von rund 400 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft, verteilt auf Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel, Fanartikel und Werbung. Doch die Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt bleiben vernachlässigbar.
Es bleibt zu hoffen, dass die deutsche Nationalmannschaft weit kommt und die Fans mobilisiert werden – denn der Erfolg des Turniers hängt maßgeblich vom Abschneiden der DFB-Elf ab. Ein Umdenken in der Branche könnte nötig sein, um diese Herausforderungen zu meistern. Vielleicht werden wir kreative Lösungen sehen, um trotz ungünstiger Anstoßzeiten für eine gute Stimmung in den Lokalen zu sorgen. In jedem Fall wird es spannend, zu beobachten, wie die Gastronomie auf diese neue Situation reagiert.
